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Zuckerzufuhr der jungen Generation liegt 70 % über den Empfehlungen

Autor: Dr. Judith Lorenz

Hauptquellen für Zucker sind laut DONALD-Studie zugesetzter Zucker und Süßigkeiten, Säfte, Milchprodukte sowie Getränke. Hauptquellen für Zucker sind laut DONALD-Studie zugesetzter Zucker und Süßigkeiten, Säfte, Milchprodukte sowie Getränke. © iStock/RichVintage
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Kinder und Jugendliche in unserem Land nehmen fast doppelt soviel Zucker zu sich, als gut für sie wäre. Ändern können das nur gesetzliche Public-Health-Maßnahmen, meinen zwei Ernährungswissenschaftlerinnen.

Kinder und Jugendliche in Deutschland verzehren zu viel Zucker. Das berichten Ines Perrar und Privatdozentin Dr. Ute Alexy vom Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften der Universität Bonn. Die beiden Wissenschaftlerinnen werteten Ernährungsprotokolle von mehr als 1300 Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen drei und achtzehn Jahren aus, die zwischen 1985 und 2016 an der DONALD-Langzeitstudie teilgenommen hatten. Mit einem durchschnittlichen Anteil von 17,1 % an der Tagesenergiezufuhr überstieg ihr Verzehr an freiem Zucker deutlich das von WHO und deutschen Fachgesellschaften empfohlene Maximum von 10 %.

Hauptquellen für den energiereichen Nährstoff sind laut DONALD-Studie zugesetzter Zucker und Süßigkeiten, Säfte, Milchprodukte sowie Getränke. Süße Brote, Kuchen, Zerealien und Müslis, Obst und Gemüse fallen dagegen weniger ins Gewicht. Freier Zucker, erläutern die Ernährungswissenschaftlerinnen, ist in diesem Zusammenhang Zucker, der während der Herstellung oder Zubereitung der Lebensmittel zugesetzt wird, plus natürlicher Zucker in Obst- und Gemüsesäften, Saftschorlen und Smoothies.

Zwar lässt sich seit 2005 ein Rückgang des Zuckerkonsums bei den Heranwachsenden feststellen, was offenbar dem zunehmend geringeren Anteil an freiem Zucker in Säften und gesüßten Getränken geschuldet ist. Die Aufnahme von freiem Zucker über zugesetzten Zucker und mit Süßwaren ist hingegen vergleichsweise wenig gesunken. Die größte Gefährdung sehen die Wissenschaftlerinnen bei den Grundschülern: Da jüngere Kinder eine evolutiv bedingt angeborene Süßpräferenz haben, die sich erst mit steigendem Alter abschwächt, sind sie besonders anfällig für die zuckerhaltigen Lebensmittel und Süßigkeiten.

Nicht nur den Anteil in Fertigprodukten senken

In Kindheit und Jugend werden die Weichen für Übergewicht und andere ernährungsbedingte Erkrankungen im Erwachsenenalter gestellt, warnen die beiden Autorinnen. Sie wünschen sich daher umfangreiche Public-Health-Maßnahmen zur Zuckerreduktion. Diese sollten ihrer Meinung nach nicht nur – wie die seit 2019 umgesetzten Reduktionsstrategien des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft – auf Fertigprodukte zielen. Vor allem sollten sie die insbesondere für jüngere Kinder gefährlichen Süßigkeiten einbeziehen.

Quelle: Perrar I, Alexy U. Enährungs Umschau 2021; 68: M86-M91; DOI: 10.4455/eu.2021.009

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