Arthrose
Bei der Arthrose kommt es zu bislang irreparablen Läsionen von Gelenkknorpel bzw. zu dessen Zerstörung. In der Folge können nicht nur die unter dem Knorpel liegenden knöchernen Strukturen geschädigt werden, sondern auch Bänder, synoviale und fibröse Gelenkkapsel sowie periartikuläre Muskulatur. Es drohen (zunehmende) Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und reduzierte Lebensqualität. Prinzipiell kann jedes Gelenk von Arthrose betroffen sein.
Risikofaktoren einer Arthrose sind u.a.:
Alter (degenerativer Abbau über die Lebensjahre)
weibliches Geschlecht
Übergewicht (mechanischer und metabolischer Einfluss)
vorausgegangene Gelenkverletzungen
Gelenkinfektionen
knöcherne Fehlstellungen
rheumatisch-entzündliche Prozesse
genetische Faktoren
Volkskrankheit Arthrose: So häufig ist der Gelenkverschleiß
Im Jahr 2019 litten nach Angaben des Robert Koch-Instituts rund 17% der erwachsenen Bevölkerung unter einer Arthrose, Frauen häufiger als Männer (21,6% vs. 12,4%). Mit dem Lebensalter nahm die Prävalenz zu. Menschen über 80 Jahre waren zu 41% vom Gelenkverschleiß betroffen.
Analysen der AOK ermittelten für das Jahr 2024 in Deutschland eine Prävalenz der Coxarthrose von 3,79% und der Gonarthrose von 7,33%. In absoluten Zahlen ausgedrückt waren dies knapp 2,6 bzw. 5 Millionen Menschen.
Am häufigsten kommt es jedoch zu Arthrose im Bereich der Hand. So leiden z.B. etwa 10% der Allgemeinbevölkerung, vor allem Frauen, an einer symptomatischen Rhizarthrose, also einer Arthrose des Daumensattelgelenks.
Durch die alternde Bevölkerung aber auch die steigende Zahl stark übergewichtiger und fettleibiger Menschen ist mit einer Zunahme der Arthroseprävalenz zu rechnen.
Symptome bei Arthrose: Wie macht sich Gelenkverschleiß bemerkbar?
Der sog. Anlaufschmerz gilt als Frühzeichen einer degenerativen Gelenkveränderung. Sind z.B. Knie, Hüfte oder Sprunggelenk betroffen, braucht es einige Meter, bis man aus der Ruhesituation heraus wieder in die Gänge kommt und Ziehen, Spannungsgefühl bzw. Schmerzen nachlassen.
Schreitet die Arthrose fort, stellen sich Schmerzen auch nach längerer Belastung ein, später evtl. bei jeder Bewegung. Die Entwicklung von Ruhe- bzw. nächtlichen Schmerzen ist ebenfalls möglich. Dazu kommt ggf. eine eingeschränkte Beweglichkeit bis hin zur Versteifung des Gelenks.
Stärke und Verlauf der Beschwerden sind individuell sehr unterschiedlich. Manche Menschen haben trotz starker Gelenkschäden keine oder sehr wenig Schmerzen und können sich fast uneingeschränkt belasten.
Kommt es zum akuten Aufflammen der Arthrose, d.h., zur aktivierten Arthrose, liegen Entzündungszeichen wie Schwellung, Überwärmung und Gelenkerguss vor.
Aktivierte Arthrose: Wenn die Schmerzen plötzlich zunehmen
Eine aktivierte Arthrose wird zumeist an Knie- und Hüftgelenken beobachtet. Sie scheint vor allem mit körperlicher Überlastung, Instabilität im Gelenk und geringer Muskelkraft assoziiert. Die/der Betroffene leidet plötzlich unter Schmerzen und Bewegungseinschränkungen, die in ihrer Intensität deutlich über die bisher bekannten Beschwerden hinausgehen und mindestens 24 Stunden lang andauern. Bei der klinischen Untersuchung fallen Schwellung, Überwärmung, Rötung und ggf. ein Gelenkerguss auf. Zur Diagnosesicherung ist bei typischer Symptomatik keine radiologische Diagnostik nötig.
Bei atypischen Symptomen ist zu denken an:
Gichtanfall
akute Kalziumpyrophosphatarthritis
rheumatisch bedingte Arthritis
septische Arthritis
Malignom
Verletzungen
avaskuläre Knochennekrose
Im Akutstadium einer aktivierten Arthrose helfen temporäre Kühlung, topische und orale NSAR, bei ausgeprägten Beschwerden evtl. die intraartikuläre Injektion von Steroiden. Bestehen Kontraindikationen, können Paracetamol und schwache Opioide zum Einsatz kommen. Sinnvoll sind zudem vorübergehende Ruhigstellung, Schonung bzw. Verminderung der Belastung, ggf. der Gebrauch von Gehhilfen. Präventiv sollte man auf die chronische Gelenkerkrankung zielen, etwa durch Physiotherapie und Gewichtsreduktion.
Diagnostik: Woran man die Arthrose erkennt
Basis der Diagnostik sind die Anamnese und klinische Untersuchung. Dabei müssen die Beweglichkeit und Belastbarkeit des schmerzenden Gelenks geprüft und wichtige Differenzialdiagnosen wie die rheumatoide Arthritis ausgeschlossen werden. Bei Verdacht auf eine Gon-, Kox- oder Sprunggelenkarthrose kann auch eine Ganganalyse sinnvoll sein.
Im Labor lässt sich eine Arthrose nicht nachweisen, Blutanalysen (z.B. BSG, CRP, Rheumafaktoren, Harnsäure) dienen dem Ausschluss anderer Erkrankungen.
Wichtige Differenzialdiagnosen der Arthrose:
rheumatisch bedingte Arthritis (u.a. rheumatoide Arthritis, Psoriasisarthritis, Morbus Behçet, Spondyloarthritiden)
infektiöse Arthritis
reaktive Arthritis
enterohepatische Arthritis
Chondrokalzinose
Gicht
Osteoporose
Gesichert wird eine Arthrose via Röntgen. Im frühen Stadium kann der Befund allerdings noch unauffällig sein. Eine fortgeschrittenere Arthrose erkennt man u.a. an einem verschmälerten oder asymmetrischen Gelenkspalt, Osteophyten an den Rändern der Gelenkflächen und subchondralen Sklerosierungen. Wichtig: Der radiologische Befund korreliert nicht mit den subjektiven Beschwerden der Patientin/des Patienten.
Mit der Gelenksonografie lassen sich vor allem Weichteilstrukturen am Gelenk beurteilen, Ergüsse, Zysten und Ödeme nachweisen. Eine MRT ist selten nötig, etwa bei Verdacht auf einen Meniskusschaden oder ein Knochenödem. Eine Arthroskopie gilt nur dann als indiziert, wenn therapeutischer Handlungsbedarf besteht.
Nichtmedikamentöse Therapie
Zu den nicht-medikamentösen Therapiemöglichkeiten gehört neben körperlicher Aktivität die Normalisierung des Körpergewichts, um die tragenden Gelenke zu entlasten. Aufs Rauchen sollte man verzichten, da Nikotinkonsum wahrscheinlich dazu führt, dass weniger Nährstoffe im Gelenkknorpel ankommen. Übermäßiger Alkoholgenuss ist ebenfalls zu vermeiden.
Bei entsprechender Indikation kann man physikalische Therapien (Wärme, Kälte, TENS), Krankengymnastik, Bandagen oder Gehstöcke verordnen.
Medikamentöse Therapie
Arthroseschmerzen lassen sich mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) behandeln. Die lokale Anwendung in Form von Gelen oder Cremes hat nur geringe systemische Nebenwirkungen, eignet sich z.B. bei Knie- oder Fingerarthrose und ist primär zu bevorzugen. Orale NSAR sind gegen Arthroseschmerzen zwar gut wirksam, gerade für ältere Menschen aber aufgrund ihres Nebenwirkungspotenzials (u.a. Magengeschwür, Blutungen, Niereninsuffzienz, Blutdruckanstieg) problematisch. Sie sollten daher nur zeitlich begrenzt und in niedriger Dosierung gegeben werden. Generell empfiehlt sich die zusätzliche Gabe eines Protonenpumpenhemmers, sofern ein erhöhtes Risiko für gastrointestinale Ulzera und/oder Ulkuskomplikationen vorliegen
Bei leichten Schmerzen ist Paracetamol eine Alternative, bei starken Beschwerden Metamizol, wenn andere analgetische Maßnahmen unwirksam sind. Bei schweren, anders nicht zu kontrollierenden Schmerzen kann man zur kurzfristigen Schmerzlinderung schwach wirksame Opioide erwägen.
Injektionen von Hyaluronsäure werden als Therapie der Knie- und Hüftarthrose beworben. Eine Analyse des Medizinischen Dienstes Bund kam jedoch 2025 zu dem Schluss, dass die Spritzen bei Koxarthrose gar keinen und bei Gonarthrose nur einen minimalen, bzw. klinisch irrelevanten Nutzen haben. Dagegen müssen man mit einem erhöhten Risiko für Nebenwirkungen wie Gelenkentzündungen, Herzbeschwerden, Schwellung und Schmerzen im Gelenk rechnen.
Bei aktivierter Arthrose kommt ggf. die Gabe von Kortison ins Gelenk in Betracht.
Operative Therapie
Abhängig von Lokalisation und Schweregrad der Arthrose können operative Eingriffe – gelenkerhaltende OP, Prothesenimplantation, Gelenkversteifung – indiziert sein.
Gelenkschutz durch Ernährung?
In der aktuellen Leitlinie zur Gonarthrose von 2024 findet sich lediglich der Rat, sich pflanzenbasiert zu ernähren. Zur richtigen Ernährung bei Arthrose finden sich die unterschiedlichsten Empfehlungen. Wissenschaftliche Belege dafür gibt es jedoch kaum. 2025 prüften Forschende die Datenlage zum Einfluss der Ernährung auf die Kniearthrose und kamen zu folgenden Schlussfolgerungen:
Kalorien: Übermäßige Kalorienzufuhr führt zu Übergewicht und damit zur Belastung des Gelenks sowie zu Knorpelschäden. Gelingt es über gesunde Ernährung plus vermehrte Bewegung langfristig Gewicht zu reduzieren, vermindern sich die Schmerzen und die Gelenkfunktion verbessert sich.
Proteine: Die Proteinzufuhr sollte sich nach den allgemeinen Ernährungsempfehlungen richten. Sie liegt für gesunde Erwachsene bei 0,8 g/kg/d. Eine hohe tägliche Proteinzufuhr wirkt womöglich inflammatorisch. Insbesondere Valin, Leucin und Isoleucin steigern die Synthese von IL-1, IL-2, TNF⍺, INF-𝛾 und fördern damit die Arthrose.
Fettsäuren: Da sich ein hoher Fettgehalt der Nahrung ebenfalls negativ auf das Fortschreiten der Arthrose auswirkt, sollten Fette maximal 20–35% der täglich aufgenommenen Kalorien ausmachen. Der Anteil gesättigter Fettsäuren sollte < 10% liegen. Die Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) können in einer täglichen Dosis von 250 mg Schmerzen und Gelenkfunktion von Patientinnen und Patienten mit Kniearthrose lindern. Hohe Fischöldosen (4,5 g/d) haben keinen stärkeren Effekt als niedrige (0,45 g/d).
Kohlenhydrate: Patientinnen und Patienten mit Kniearthrose scheinen von einer kohlenhydratarmen Kost zu profitieren. Ballaststoffreiche Ernährung reduziert womöglich Arthroserisiko und Entzündungsaktivität.
Antioxidanzien: Die Ergebnisse zum Einfluss von Vitamin E und C auf das Arthroserisiko sind widersprüchlich. Für Vitamin E konnte jedoch eine placebokontrollierte Studie an 72 Patientinnen und Patienten mit schwerer Gonarthrose zeigen, dass die Supplementation von 400 IU/d Vitamin E die oxidativen Marker in der Synovialflüssigkeit deutlich reduziert. Selen ist zwar ein potentes Antioxidans und es wurden positive Effekte auf die Gonarthrose beschrieben, dennoch sollte die tägliche Aufnahme 55 µg/d nicht überschreiten.
Zink: In einigen Studien wird Zink ein antiinflammatorischer, in anderen Arbeiten ein schädigender Effekt auf den Gelenkknorpel zugeschrieben. Eine vermehrte Zufuhr des Spurenelements erscheint daher nicht sinnvoll.
Glukosamin und Chondroitin: Es gibt bisher keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege dafür, dass sich die beiden Nahrungsergänzungsmittel positiv auf die Gonarthrose auswirken. Die rheumatologischen Fachgesellschaften EULAR und ACR raten von ihrem Gebrauch ab.
Vitamin D: Durch die vermehrte Aufnahme von Vitamin D lässt sich die Entwicklung einer Arthrose nicht aufhalten.
Häufige Fragen zur Arthrose (FAQ): Was für Patientinnen und Patienten wichtig ist
Was bedeutet Arthrose?
Bei sog. Gelenkverschleiß wird der Gelenkknorpel, also der natürliche Puffer zwischen den im Gelenk verbundenen Knochen, geschädigt. Dies kann in der Folge alle Gelenkstrukturen – Knochen, Bänder, Sehnen, Umgebungsmuskulatur – in Mitleidenschaft ziehen.
Was sind die Zeichen einer Arthrose?
Typisch ist zunächst der sog. Anlaufschmerz. Sind z.B. Hüfte, Knie oder Sprunggelenk betroffen, muss man nach dem Sitzen oder Liegen erst in die Gänge kommen, z.B. ein paar Meter laufen, damit die Beschwerden nachlassen. Im weiteren Verlauf machen sich Schmerzen womöglich erst nach längerer Belastung oder sogar bei jeder Belastung bemerkbar. In manchen fortgeschrittenen Fällen kommt es zu Dauerschmerzen, die auch nachts vorhanden sind. Schmerzbedingt und aufgrund der Veränderungen des Gelenks kann es zu eingeschränkter Beweglichkeit und sogar Versteifung kommen. Allerdings entwickelt nicht jede Patientin bzw. jeder Patient mit Arthrose Schmerzen und funktionelle Defizite. Manche Betroffene gehen nach wie vor wandern oder treiben weiterhin ihren Sport.
Kann man dem Gelenkverschleiß vorbeugen oder ihn aufhalten?
Bewegung ist das A und O, um die Entwicklung einer Arthrose zu verhindern bzw. ein weiteres Fortschreiten zu bremsen. Durch die körperliche Aktivität wird die gelenknahe Muskulatur gekräftigt, wichtige Nährstoffe gelangen aus der Gelenkflüssigkeit in das Knorpelgewebe. Wichtig ist auch, Übergewicht zu reduzieren bzw. Normalgewicht zu erreichen, um die Gelenke zu entlasten. Außerdem sollte man aufs Rauchen verzichten, da Nikotinkonsum wahrscheinlich dazu führt, dass weniger Nährstoffe im Gelenkknorpel ankommen.
Darf man trotz Arthrose Sport treiben?
Ja. Als gelenkschonend gelten z.B. Schwimmen, Radfahren, Wassergymnastik, Nordic Walking und klassischer Tanz. Ruckartige Bewegungen bei Fuß- und anderen Ballsportarten, Tennis und Joggen belasten die Gelenke tendenziell stärker.
Welche Behandlungsmethoden gibt es?
Gegen Arthroseschmerzen werden zumeist nicht-steroidale Antirheumatika verordnet. Außerdem kommen u.a. Physiotherapie, Bandagen und andere Hilfsmittel in Betracht. In schweren Fällen kann man eine Operation erwägen.
Welche Rolle spielt die Ernährung?
Menschen mit Arthrose profitieren offenbar von einer pflanzenbasierten, z.B. einer mediterranen Kost mit frischem Gemüse, Salaten, Obst, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Nüssen, Fisch und Olivenöl. Nur eingeschränkt verzehrt werden sollten Fleisch, Eier, Milchprodukte, Weißmehl, Salz und Zucker. Pflanzenbasierte Ernährung kann dazu beitragen, Gewicht abzunehmen und die Entzündungsaktivität in Körper und Gelenken zu reduzieren.
Für die Kniearthrose wurde gezeigt, dass weder Nahrungsergänzungsmittel wie Glukosamin und Chondroitin noch die vermehrte Zufuhr von Zink, Vitamin C und D Vorteile bieten. Dagegen scheinen Vitamin E und Selen positive Effekte zu haben. Vitamin E findet sich in pflanzlichen Ölen, vor allem Weizenkeim-, Sonnenblumen- und Rapsöl, Nüssen, Samen und grünem Gemüse wie Spinat und Brokkoli. Als gute pflanzliche Selenquellen gelten Brokkoli, Weißkohl, Knoblauch, Zwiebeln, Pilze, Spargel, Hülsenfrüchte und Paranüsse.
Leitlinien
S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Gonarthrose, AWMF-Register-Nr. 187-050
S2k-Leitlinie Koxarthrose, AWMF-Register-Nr. 187-049
Quellen
rheuma-liga.de
gbe.rki.de
gesundheitsatlas-deutschland.de
Parry E et al. BMJ 2023; 383: e076455; doi: 10.1136/bmj-2023-076455
Kasprzyk N et al., Nutrients 2025; 30: 1872; doi: 103390/nu17111872aok.de/Gesundheitsmagazin/Ernährung