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Tomosynthese 3D-Blick auf die Brust

Autor: Dr. Judith Lorenz

In der 3D-Darstellung lassen sich Knoten leichter identifizieren. In der 3D-Darstellung lassen sich Knoten leichter identifizieren. © mit freundlicher Genehmigung von HOLOGIC, Inc. und seinen verbundenen Unternehmen
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Die zweidimensionale digitale Mammographie stellt gegenwärtig das Standardverfahren zur Brustkrebsfrüherkennung dar. Deutlich höhere Tumordetektionsraten lassen sich allerdings mit einer digitalen Tomosynthese inklusive Rekonstruktion eines 2D-Mammogramms erzielen, wie eine aktuelle Studie aus Deutschland zeigt.

Frauen zwischen 50 und 69 Jahren  können hierzulande alle zwei Jahre ein Mammographiescreening in Anspruch nehmen. Dieses erfolgt bislang in Form einer digitalen 2D-Mammographie, schreiben Kolleg:innen um Prof. Dr. Walter Heindel, Universitätsklinikum Münster.1 Ein Nachteil des Verfahrens besteht in der Überlagerung von Gewebestrukturen, welche die Detektion von Herdbefunden erschwert. 

Die digitale Brusttomosynthese löst dieses Problem: Mittels Röntgenstrahlen angefertigte Schichtaufnahmen der Brust werden zu einem pseudo-dreidimensionalen Bild zusammengesetzt, was die Beurteilbarkeit des Drüsengewebes verbessert. Zusätzlich kann aus den Datensätzen aber auch ein der konventionellen Mammographie entsprechendes Bild synthetisiert werden (s2D).

Die Forschenden verglichen im Rahmen der TOSYMA-Studie dieses neuartige Diagnostikverfahren mit der 2D-Mammographie. Im Hinblick auf den primären Endpunkt, die Anzahl der entdeckten invasiven Brusttumoren, erwies sich die moderne Methode dem Standard als überlegen: Die Detektionsrate betrug 7,1 vs. 4,8 Fälle pro 1000 gescreente Frauen. Die Wahrscheinlichkeit für die Entdeckung eines invasiven Karzinoms lag dabei mit der Tomosynthese inklusive s2D-Mammographie um 48 % höher als mit dem etablierten Konzept (Odds Ratio [OR] 1,48; 95%-KI 1,25-1,75). Im Hinblick auf die Darstellung von pT1-Tumoren war der Vorteil des modernen Verfahrens sogar noch deutlicher ausgeprägt (OR 1,73; 95%-KI 1,41-2,13), wogegen sich die beiden Screeningvarianten bezüglich der Detektion des duktalen In-Situ-Karzinoms als ebenbürtig erwiesen (OR 0,94; 95%-KI 0,65-1,35). 

Knapp 100.000 Frauen eingeschlossen

An der in das deutsche Mammographiescreeningprogramm eingebetteten Untersuchung beteiligten sich 17 Screeningzentren in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Gemäß Randomisierung absolvierten 49.830 Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren eine konventionelle Mammographie, weitere 49.804 wurden dagegen mittels Tomosynthese inklusive s2D-Mammographie untersucht. Ausschlusskriterien waren eine Brustkrebsdiagnose innerhalb der vorangegangenen fünf Jahre, eine Mammographie innerhalb der vorangegangenen zwölf Monate sowie Brustimplantate.

Unerwünschte Nebenwirkungen waren mit je sechs Fällen pro Studienarm selten. Gleiches galt für Gerätefehler, die in der Tomosynthesegruppe vs. Kontrolle mit einer Häufigkeit von 0,05 % vs. 0,01 % auftraten. Die mediane Brustdrüsen-Strahlendosis betrug in den beiden Kollektiven 1,86 bzw. 1,36 mGy.

Unklar, ob Überlebensvorteil durch Diagnostik besteht

Die Ergebnisse der TOSYMA-Studie deuten auf eine Überlegenheit der Tomosynthese/s2D-Mammographie gegenüber dem Standard hin, so das Fazit der Studieninitiator:innen. Ob die höhere Detektionsrate invasiver Karzinome in einen langfristigen Prognosevorteil mündet, wird die weitere Nachbeobachtung des Screeningkollektivs zeigen: In TOSYMA-2­ wird unter anderem geprüft, wie häufig in beiden Studienarmen Intervallkarzinome auftreten. 

Ob und wann die Tomosynthese die 2D-Mammographie als Screeningmethode ersetzen kann, ist laut Prof. Dr. Nehmat Houssami von der University of Sydney gegenwärtig jedoch noch unklar – zu viele Fragen sind diesbezüglich noch offen.2 Vor einer flächendeckenden Umstellung auf die deutlich ressourcen- und zeitaufwändigere Tomosynthese müsse unter anderem geklärt werden, welche Belastungen durch falsch-positive Resultate und Überdiagnosen entstehen und ob durch das moderne Verfahren letztlich tatsächlich ein Überlebensvorteil zu erzielen ist.

1. Heindel W et al. Lancet Oncol 2022; 23: 601-611; DOI: 10.1016/S1470-2045(22)00194-2
2. Houssami N. Lancet Oncol 2022; 554-555; DOI: 10.1016/S1470-2045(22)00215-7

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