Ärzte sollten sich einem Coach anvertrauen

Autor: Michael Brendler

Schon ein kurzes Telefonat mit einem Coach bessert die Verfassung des Arztes deutlich. © iStock/Wavebreakmedia

Ärzte tragen nicht nur für sich Verantwortung, sondern auch für ihre Patienten. Umso wichtiger, dass sie sich vor einem Burnout schützen. Oft reicht schon der Austausch mit einem Coach.

 An guten Vorschlägen im Kampf gegen den Burnout herrscht kein Mangel: Strukturelle Verbesserungen im Arbeitsalltag, ein intensiverer kollegialer Austausch oder ein erfahrener Arzt als Mentor, heißt es beispielsweise, lassen Mediziner glücklicher und gesünder zur Arbeit gehen. Allerdings mangelt es oft an Zeit und Vertrauen, um mit den Kollegen zu reden, und auf die empfohlenen Reformen wartet man in vielen Krankenhäusern vergeblich.

Laut Dr. Liselotte­ N. Dyrbye­ vom Programm für Physician Well-Being der Mayo Clinic in Rochester und Kollegen hilft es, mit einem professionellen, aber fachfremden Coach zu telefonieren. Und zwar innerhalb von fünf Monaten in Summe 3,5 Stunden. Im Vergleich zu 44 Unbehandelten verbesserten sich 44 Ärzte nach dieser Intervention in entscheidenden Bereichen: Ihre emotionalen Erschöpfungswerte sanken um 15,9 %, während sie in der Kontrolle um 5,2 % anstiegen. Es gab 17,1 % weniger Teilnehmer mit Burnout-Symptomen, denen stand bei den Nicht-Telefonierern ein Plus von 4,9 % gegenüber.

Coach nimmt Arbeitgeber nicht aus der Pflicht

Auch die Lebensqualität und Re­silienz verbesserte sich signifikant. Die maßen die Autoren jedoch nicht in den Bereichen Jobzufriedenheit, -engagement und Sinngefühl bei der eigenen Tätigkeit. Für sie ein Anzeichen dafür, dass für den Arbeitgeber selbst bei Einsatz eines Coachs noch eine Menge zu tun bleibt.

Quelle: Dyrbye LN et al. JAMA Intern Med 2019; doi: 10.1001/jamainternmed.2019.2425