Allergiepotenzial: Hund, Katze und Maus fliegen durch die Kita

Autor: Dr. Elisabeth Nolde

In Kindergärten fanden Forscher mehr Katzen- und Hundeallergene als in tierfreien Wohnungen. In Kindergärten fanden Forscher mehr Katzen- und Hundeallergene als in tierfreien Wohnungen. © iStock/Andrey_Kuzmin, iStock/GlobalP (2x)

Kaum noch im Freien: Der überwiegende Aufenthalt in Innenräumen gehört zum sogenannten Western Lifestyle – und der ist mit einer Zunahme allergischer Erkrankungen verknüpft. Als mögliche Ursache gilt die Allergenbelastung in Kitas und Wohnungen.

Arbeits-, Lebens- und Wohnbedingungen werden in westlichen Industrieländern durch diverse Faktoren geprägt, z.B. veränderte Ernährung, Übergewicht, Bewegungsmangel, kleinere Familien mit weniger Geschwistern, verbesserte Hygiene und ein vermehrter Aufenthalt in Innenräumen.

Typische Allergenquellen in Innenräumen

  • Tierhaare bzw. -schuppen: Katze, Hund, Maus
  • Milben: Dermatophagoides pteronyssinus, Dermatophagoides farinae, Tyrophagus putrescentiae
  • Schimmelpilze: Penicillium chrysogenum, Aspergillus versicolor, Aspergillus fumigatus
  • Insekten: Schabe, Reismehlkäfer und Mehlmotte
  • Pflanzen: Latex, Gummibaum, „Weizenmehl“

Jedes zehnte Kind ist gegen Hunde sensibilisiert

Dort konnten inzwischen typische Allergenquellen ausgemacht werden (s. Kasten). Zu den häufigsten gehören in Europa Hausstaubmilben sowie Haare bzw. Schuppen von Hund und Katze, verdeutlichte Professor Dr. Monika Raulf vom Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Ruhr-Universität Bochum. Welche Rolle Hausstaubmilben als Innenraum­allergenquelle spielen, belegt eine bevölkerungsbasierte Untersuchung mit 17 641 Kindern und 7025 Erwachsenen. Mittels spezifischer IgE-Bestimmung wurde u.a. die Prävalenz von Sensibilisierungen gegen Inhalations­allergene bestimmt. Das kam heraus:

  • Rund jedes fünfte Kind und etwa jeder sechste Erwachsene war gegen Hausstaubmilbe sensibilisiert.
  • Die Prävalenz der Sensibilisierung gegen Allergene von Hunden bzw. Katzen betrug bei Kindern 9,7 % bzw. 8,4 %. Für die Erwachsenen wurden jeweils 7 % ermittelt.
  • Bei 2,5 % der Kinder ließ sich spezifisches IgE gegen Aspergillus fumigatus, bei 1,6 % gegen Cladosporium herbarum nachweisen.
  • Sensibilisierungen gegen Hausstaubmilben und Tierepithelien waren in der Altersgruppe der jungen Erwachsenen (18–29 Jahre) am häufigsten.

Betrachtet man nicht die Allgemeinbevölkerung, sondern ausschließlich Allergiker, kommt man auf sehr viel höhere Prävalenzen, berichtete Prof. Raulf. So zeigten in einer europäischen Studie etwa 32 % der Allergiker eine Sensibilisierung gegenüber Milben und ca. 27–28 % gegenüber Hund und Katze.

In den Gruppenräumen ist die Belastung am größten

Um dem „Gefährdungspotenzial“ von Innenräumen auf die Spur zu kommen, bestimmte man die Allergenkonzentrationen in Luftstaubproben aus 20 Kitas und 227 Wohnungen der Kinder und Erzieher. In den meisten Passivstaubsammlern der Kitas ließ sich eine höhere Milbenallergenbelastung nachweisen als in den gleichzeitig untersuchten Haushalten.

Weitere Analysen zeigten dann, dass sich die Allergenkonzentrationen in den Räumen der Kitas unterschieden. Im Flur oder im Personalraum war die Belastung geringer als im Gruppenraum. Auch die Jahreszeiten spielten eine Rolle. Im Winter fanden sich geringere Konzentrationen im Vergleich zum Herbst oder Sommer. Außerdem konnte nachgewiesen werden, dass Hunde- und Katzenallergene in die Kitas hineingetragen wurden.

Menge an Milbenallergenen hängt von Bewohnerzahl ab

So ergaben die Messungen in Kitas einerseits deutlich geringere Katzenallergenkonzentrationen im Vergleich zu Wohnungen mit Katze, andererseits aber deutlich höhere als in Haushalten ohne Katze. Das Gleiche galt für Hundeallergene, erklärte Prof. Raulf. Als überraschend bezeichnete die Expertin die Tatsache, dass sich in Kitas Mausallergene fanden, deren Konzentrationen im Vergleich zu denen in Haushalten mit oder ohne Hund bzw. Katze höher lagen. Hinsichtlich der Privatwohnungen war bemerkenswert, dass die Milbenallergenkonzentration u.a. von der Anzahl der Personen abhing, die in einem Haushalt lebten bzw. in einem Raum schliefen. Wohnten mehr als fünf Menschen zusammen bzw. nächtigten mehr als zwei in einem Raum, war die Belas­tung vergleichsweise größer.

Insgesamt gelten die Untersuchungsdaten als weiterer Belag dafür, wie stark Allergenbelastungen in Innenräumen sein können und wie leicht ggf. Hunde- bzw. Katzenallergene in öffentliche Bereiche übertragen werden, betonte Prof. Raulf.

Quelle: Allergie im Kloster 2018