Asthma: Was bringt die Symptomkontrolle, wenn die Krankheit den Patienten kontrolliert?

Autor: Dr. Elke Ruchalla

Viele Asthmatiker fühlen sich in ihrem Leben stark eingeschränkt. © iStock/bluecinema

Nehmen Sie Ihren Asthmapatienten in die Pflicht: Er ist es, der über seine Sicht auf die Krankheit und über Verhaltensänderungen Einfluss auf die Symptomatik nehmen und seine Lebensqualität verbessern kann.

In den letzten Jahren hat die Medizin beim Asthma bronchiale zahlreiche Fortschritte gemacht. So lässt sich die Erkrankung heute anhand verschiedener Phänotypen besser charakterisieren. Zudem haben neue Medikamente auf Grundlage monoklonaler Antikörper das Therapiespektrum erweitert. Man könnte also meinen, dass sich nun auch die Betroffenen eines besseren Lebens erfreuen – doch weit gefehlt.

Patienten mit schwerem Asthma empfinden ihren Alltag weiterhin als stark beeinträchtigt. Und daran hat sich in den vergangenen zehn Jahren nur wenig geändert, schreiben Dr. Michelle A. Stubbs von der University of Newcastle und ihre Kolleginnen.

Die Gründe für die eingeschränkte gesundheitsbezogene Lebensqualität sind vielfältig. Oft betrachten Betroffene die Krankheit als das alles andere überragende Problem. Will ein Patient etwa mit anderen an Freizeitaktivitäten teilnehmen, empfindet er sein Asthma als Hindernis. Er hat das Gefühl, sein Leben nicht im Griff zu haben. Statt das Asthma zu kontrollieren, kontrolliert es ihn.

Darüber hinaus empfinden die Kranken oft Schuldgefühle, wenn sie wegen ihrer Krankheit ihre soziale Rolle – als Partner, als Vater oder Mutter, als Freund – nicht ausfüllen können. Schnell entwickelt sich ein Teufelskreis aus Asthmasymptomen, Einschränkungen im beruflichen und privaten Alltag und psychischer und finanzieller Belastung.

Komorbiditäten spielen dabei eine entscheidende Rolle und oftmals erkennen die auf das Asthma fokussierten Ärzte diese zusätzlichen Beschwerden nicht rechtzeitig. Außerdem verschlechtern sich die Begleitkrankheiten oft mit der Therapie des Grundleidens. Orale Kortikosteroide etwa begünstigen Depressionen, Übergewicht und Osteoporose, die den geschilderten Teufelskreis noch verstärken können.

Wie lässt der sich aber durchbrechen? Die Autorinnen beschreiben verschiedene Möglichkeiten, um dem Patienten eine bessere Kontrolle über seine Krankheit und sein Leben zu ermöglichen:

  • Erklären Sie dem Patienten seine Krankheit und die notwendige Behandlung. Geben Sie die Informationen so, dass er sie mit seinem individuellen Hintergrund sicher versteht.
  • Fertigen Sie einen schriftlichen Handlungs- und Medikationsplan an. Beschreiben Sie darin, was bei Verschlimmerung der Symptome zu tun ist.
  • Animieren Sie den Kranken zu körperlicher Aktivität. Ausdauertraining verbessert die Sauerstoffaufnahme und die Kraft. Falls erforderlich, lässt sich das Training mit einem Programm zur Gewichtsabnahme kombinieren.
  • Ihr Patient muss keine ausgewachsene Depression haben, um von psychologischen Interventionen zu profitieren. In den Sitzungen kann er Coping-Strategien erlernen, um sein Verhalten und seine Sicht auf die Erkrankung zu ändern.

Diese Maßnahmen ergänzen sich in ihrer Wirkung. Am besten lassen sie sich mit einem multidisziplinären Team umsetzen, zu dem auch Psychologen, Physio- und Ergotherapeuten sowie Ernährungswissenschaftler gehören.

Quelle: Stubbs MA et al. Breathe 2019; 15: e40-e49; DOI: 10.1183/20734735.0165-2019