Bei monoklonaler Gammopathie unklarer Signifikanz regelmäßig Serummarker checken

Autor: Dr. Miriam Sonnet

MGUS-Patienten mit niedrigem oder intermediärem Risiko können innerhalb von fünf Jahren ein Hochrisiko-Myelom entwickeln. © Design Cells – stock.adobe.com

Eine monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz kann sich zu einem multiplen Myelom entwickeln. Risikofaktoren sind dabei unter anderem ein IgA-Isotyp und hohe Konzentrationen des M-Gradienten. Der Risikoscore kann sich jedoch mit der Zeit verändern, so die Ergebnisse einer aktuellen Studie.

Die monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS) hat keinen Krankheitswert, eine Therapie ist daher nicht angezeigt. Patienten haben jedoch ein 0,5–1%iges jährliches Risiko, dass die Erkrankung zu einem multiplen Myelom voranschreitet.

Bisher werden nur die Werte zum Zeitpunkt der MGUS-Diagnose zur Bestimmung des Progressionsrisikos genutzt. Jedoch gibt es Hinweise, dass sich dieses Risiko über die Zeit ändert. Deshalb testeten amerikanische Forscher verschiedene Serum-Immunproteine zu unterschiedlichen Zeitpunkten, um das Progressionsrisiko im Verlauf zu betrachten. Wie die Autoren um Dr. Ola Landgren, Memorial Sloan Kettering Cancer Center, New York, schreiben, nutzten sie die Daten der PLCO-Cancer-Screening-Studie.

Insgesamt hatten 77 469 Patienten daran teilgenommen. Davon wiesen 187 eine progressive und 498 eine stabile MGUS auf. Unter den Teilnehmern mit progressiver Erkrankung befanden sich solche, bei denen sich eine Nicht-IgM-MGUS zu einem multiplen Myelom entwickelte, und solche, bei denen eine Leichtketten-MGUS zu einem Leichtketten-Myelom voranschritt.

Das Leichtketten-Myelom

Beim multiplen Myelom produzieren die entarteten Plasmazellen Immunglobuline (Ig); am häufigsten sind die Typen IgG und IgA. Während bei etwa 80 % der Patienten die Ig vollständig hergestellt werden, liegen bei ca. 20 % nicht die vollständigen Proteine, sondern nur die leichten Ketten vor. Dies wird als „Leichtketten-Myelom“ bezeichnet.

Verglichen mit einem IgG-Isotyp hatten Patienten mit IgA-Isotyp ein signifikant erhöhtes Progressionsrisiko (angepasste OR 1,80; 95%-KI 1,03–3,13; p = 0,04). Weitere Risikofaktoren waren:

  • hohe Konzentrationen des M-Gradienten ≥ 15g/l (angepasste OR 23,5; 95%-KI 8,9–61,9; p < 0,001),
  • abnorme (< 0,1 bzw. > 10) FLC*-Serum-Quotienten (OR 46,4; 95%-KI 18,4–117; p < 0,001) und
  • die Schwere einer Immunparese (≥ 2 supprimierte nicht involvierte Immunglobuline; angepasste OR 19,1; 95%-KI 7,5–48,3; p < 0,001).

Risikofaktoren für die Progression einer Leichtketten-MGUS waren

  • abnorme FLC-Serum-Quotienten (angepasste OR 44,0; 95%-KI 14,2–136,3; p < 0,001) und
  • eine schwere Immunparese (angepasste OR 48,6; 95%-KI 9,5–248,2; p < 0,001).

In einer longitudinalen Analyse berechneten die Autoren einen Risikoscore aus den individuellen Markern. Von 43 Patienten mit progressiver MGUS, die zu einem multiplen Myelom vorangeschritten war, wiesen 23 einen hohen Risikoscore auf (p < 0,001). Umgekehrt hatte nur einer von 108 Patienten mit nicht fortschreitender Erkrankung ein hohes Risiko. 16 der Patienten mit progressiver MGUS und hohem Score vor der Myelomdiagnose hatten zuvor niedrige bzw. intermediäre Scores. Bei Patienten mit Krankheitsprogression konnte ein hohes Risiko bis zu fünf Jahre vor der Diagnose eines multiplen Myeloms detektiert werden. Vier der 43 Patienten, bei denen die MGUS voranschritt, wiesen selbst ein Jahr vor der Myelomdiagnose einen niedrigen Risikoscore auf. Ähnliche Ergebnisse gab es bei der Leichtketten-MGUS.

MGUS-Patienten mit niedrigem oder intermediärem Risiko können innerhalb von fünf Jahren ein Hochrisiko-Myelom entwickeln. Das individuelle Progressionsrisiko ist somit nicht konstant, so das Fazit der Autoren. Daher seien jährliche Bluttests bei allen Patienten mit MGUS und Leichtketten-MGUS sinnvoll.

* free light chain

Quelle: Landgren O et al. JAMA Oncol. 2019; doi: 10.1001/jamaoncol.2019.1568