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Bei rektaler Raumforderung Sexualanamnese nicht vergessen

Autor: Friederike Klein

Der Fall zeigt, wie wichtig es ist, eine rektale Raumforderung ohne histologischen Malignitätsnachweis weiter abzuklären und nicht gleich zu operieren. Der Fall zeigt, wie wichtig es ist, eine rektale Raumforderung ohne histologischen Malignitätsnachweis weiter abzuklären und nicht gleich zu operieren. © iStock/Christoph Burgstedt
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Fieber, erhöhte Entzündungswerte, Exanthem – so ganz wollten die Beschwerden eines 59-jährigen Patienten nicht zur Diagnose Rektumkarzinom passen. Der entscheidende Hinweis kam schließlich vom Dermatologen

Eigentlich sollte der Radiologe Rückenschmerzen abklären, weil ein 59-Jähriger vor der Auswanderung nach Kenia einen umfassenden Check-up machen lassen wollte. Die Magnetresonanztomographie zeigte aber multiple Lymphknotenvergrößerungen im Mesorektum, außerdem zirkuläre Wandverdickungen sowie Unregelmäßigkeiten der Rektumampulle. Die vom Hausarzt veranlasste Rektum-MRT führte zur Diagnose eines Rektumkarzinoms (T2 N1 Mx).

Der Patient litt über zwei Wochen an Fieberschüben und Abgeschlagenheit. Das C-reaktive Protein war mit 48 erhöht, erklärte Dr. Alex Furtwängler von der Praxisklinik 2000 in Freiburg. 2017 hatte sich der Patient einer Koloskopie unterzogen. Dabei waren hyperplastische Polypen, aber keine Adenome aus dem Rektum entfernt worden.

Die urologische Diagnostik blieb ohne richtungsweisenden Befund. Bei der proktologischen Untersuchung zeigte sich ein solitäres Kondylom perianal und eine Induration ventral supraanal. Die Analyse der Biopsate aus dem Rektum ergab ein Ulkus ohne Hinweis auf eine intraepitheliale Neoplasie oder Malignität.

Fleckiges Exanthem am Oberkörper entdeckt

Es fanden sich außerdem epitheloidzellige granulomatöse Veränderungen, was sich mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung, einer Sarkoidose oder einer Tuberkulose vereinbaren ließe. Die Gewebeprobe auf säurefeste Stäbchenbakterien hin war negativ.

Bei erneuter Befragung des Patienten gab dieser an, er mache gelegentlich Einläufe und Irrigationen, sodass der Verdacht bestand, die Läsion komme von einem Katheter. In einer erneuten Rektoskopie nach 25 Tagen war das Ulkus deutlich regredient. Die körperliche Untersuchung ergab aber ein fleckiges Exanthem am Oberkörper, das zuerst an eine Kontrastmittelallergie denken ließ. Das Erythem war glänzend und juckte nicht.

Das dermatologische Konsil schließlich erbrachte die Blickdiagnose Lues Stadium II. Demnach war der vermeintliche Rektumtumor der Primäraffekt – ein harter Schanker (Lues Stadium I). Immunhistologisch ließen sich dann auch Treponemen im Ulkusgewebe nachweisen. Die Diagnose Syphilis konnte anschließend auch serologisch bestätigt werden.

Das Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, eine rektale Raumforderung ohne histologischen Malignitätsnachweis weiter abzuklären und nicht gleich zu operieren, erklärte Dr. Furtwängler: Syphilis sei eine ernste, aber gut zu kurierende Erkrankung. Eine anteriore Rektumresektion dagegen bringe dauerhafte funktionelle Probleme mit sich. Bedeutsam ist die Sexualanamnese – von sich aus geben die Patienten wichtige Hinweise aus diesem Bereich meist nicht.

Quelle: 47. Deutscher Koloproktologen-Kongress DIGITAL

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