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Blutige Verjüngungskur: Plasmapherese könnte Alterung aufhalten

Autor: Lena Becker

Plasmaaustausch: Proinflammatorische Proteine reduzieren, um altersbedingten Erkrankungen vorzubeugen? Plasmaaustausch: Proinflammatorische Proteine reduzieren, um altersbedingten Erkrankungen vorzubeugen? © Alexander Borisenko – stock.adobe.com
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Man nehme einen alten Menschen, filtere sein Blut und zack: er fühlt sich wie ein junger Gott. Was nach einem utopischen Märchen klingt, könnte in nicht allzu ferner Zukunft Wirklichkeit werden.

Einem Forscherteam von der University of California in Berkeley gelang es, genau diesen Effekt im Mausmodell nachzuweisen.

Bereits 2005 konnte man zeigen, dass Blut von jungen Tieren ältere verjüngen kann. Dazu wurden je eine alte und eine junge Maus chirurgisch zu künstlichen „siamesischen Zwillingen“ verbunden. Als sie allerdings den Blutaustausch ohne körperliche Verbindung versuchten, konnte die jungen Mäuse den schädlichen Effekt des alten Blutes nicht ausgleichen: Sie alterten. Es brauche also vielleicht nicht unbedingt „junges“ Blut, lediglich altersbedingte und potentiell schädliche Inhaltsstoffe müssten entfernt werden. Die Idee für den Plasmaaustausch ohne zweiten Partner war geboren.

Wie ein „molekularer Reset-Knopf“

In der neuen Studie wurde bei alten Mäusen die Hälfte des Blutplasmas durch eine albuminhaltige Kochsalzlösung ausgetauscht – Albumin kompensiert den Proteinverlust. Der Austausch des Blutplasmas verjüngte Hirn, Leber und Muskeln. Das Ergebnis ist darauf zurückzuführen, dass im Alter die Spiegel bestimmter, z.B. proinflammatorischer Proteine ansteigen. Selbige werden mit dem Verfahren zu einem großen Teil entfernt. Gleichzeitig steigen die Level anderer, vorteilhafter Proteine an. Der Mechanismus funktioniere wie ein „molekularer Reset-Knopf“.

Übertragen auf den Menschen könnte dieses Prinzip in Form des therapeutischen Plasmaaustausches bzw. der Plasmapherese genutzt werden. Das Verfahren hat kaum bzw. nur leichte Nebenwirkungen und dauert lediglich zwei bis drei Stunden, so ein Mitautor der Studie. Es hat das Potenzial, die Gesundheit älterer Menschen zu fördern und altersbedingten Erkrankungen vorzubeugen. Dazu zählen u.a. Sarkopenie, neurodegenerative Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und Entgleisungen des Immunsystems.

Quelle: Mehdipour M et al. Aging 2020; 12: 8790–8819; DOI: 10.18632/aging.103418

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