Blutiges Nachthemd: Morbus Grover lässt vor allem ältere Männer unangenehm erwachen

Autor: Dr. Dorothea Ranft

Gefährdet sind vor allem ältere Männer, die Begleitkrankheiten haben und bettlägerig sind. (Agenturfoto) © iStock/delihayat

Viel geschwitzt und plötzlich ein mit bräunlichen Papeln übersäter Rücken? Bei einem solchen Befund kann es sich um Morbus Grover handeln, der vor allem ältere Männer mit Begleitinfekten quält.

Ein 74-jähriger Patient mit rheumatoider Arthritis, Hypertonie und KHK wurde wegen akuten Nierenversagens vom Hausarzt in das Baseler Universitätsspital eingewiesen. Er litt schon seit zwei Wochen an Fieberschüben, als deren Ursache das Team um Rahel Stadler aus der Klinik für Innere Medizin des Universitätsspitals Basel eine Prostatitis vermutete. Wegen Übelkeit, Bauchschmerzen und Diarrhö war der ältere Herr zudem bettlägerig.

Bei der Untersuchung fiel den Kollegen ein Exanthem mit multiplen teils erodierten, teils verkrus­teten braunrötlichen Papeln und Papulovesikeln am Rücken auf. Juckreiz berichtete der Patient nicht. In der Folge wurde eine Staphylokokken-Sepsis bei infektiöser Koxitis diagnostiziert. Auslöser des Nierenversagens war eine parainfektiöse Glomerulonephritis.

Angesichts der schweren Diagnosen dachte zunächst niemand an das Exanthem, bis es sich auch pektoral ausbreitete und der Patient blutige Nachthemden und Bettbezüge monierte. Die hinzugezogenen Dermatologen vermuteten einen Morbus Grover, der durch den histologischen Nachweis der typischen fokalen Akantholyse bestätigt wurde.

Der Hautbefund besserte sich unter einer topischen Steroidbehandlung innerhalb weniger Tage. Die Sepsis sprach nach einer Gelenkrevision auf intravenöses Penicillin an. Allerdings blieb der Patient weiterhin dialysepflichtig  – die Nierenfunktion besserte sich nicht.

Was dem Morbus Grover zugrunde liegt, ist bis heute ungeklärt. Man weiß, dass oft Sonnenexposition, Hitze, exzessives Schwitzen und Infektionen (bakteriell oder viral) eine Rolle spielen.

Besonders häufig betroffen sind ältere Männer mit zusätzlicher, nicht-dermatologischer Tumorerkrankung. Als klassischer Befund gelten disseminierte, gerötete und teils auch hyperkeratotische Papeln und Papulovesikel, die sich vor allem in den Schweißrinnen des Stammes bilden. Gesichert wird die Diagnose durch den Nachweis der fokalen Akantholyse. Differenzialdiagnostisch sind Miliaria rubra, Morbus Darier und Follikulitis abzugrenzen.

Die Symptome, von denen der 74-Jährige berichtete, waren bis auf den fehlenden Juckreiz klassisch für einen Morbus Grover – einschließlich Fieber und Bettlägerigkeit. Der Pruritus fehlte möglicherweise wegen der immunsuppressiven Rheumabehandlung, vermuten die Autoren. Der Verlauf des M. Grover ist für gewöhnlich selbstlimitierend. Bei langer Dauer oder starkem Juckreiz kann man eine topische Steroidbehandlung erwägen, in frustranen Fällen auch eine systemische Anwendung.

Quelle: Stadler R et al. Swiss Medical Forum 2019; 19: 492-494; DOI: 10.4414/smf.2019.08245