Braucht mein Kind zusätzlich Vitamin D?

Autor: Dr. Alexandra Bischoff

Die effektivste Methode: In kurzer Hose und T-Shirt 30 Minuten lang rausgehen. © fotolia/S.Kobold

Bei vielen Kindern liegt der Vitamin-D-Serumgehalt unter dem Zielwert. Dennoch sollte man nicht gleich zur Ta­blette greifen. Regelmäßige Bewegung im Freien und Seefisch auf dem Speiseplan reichen meist aus – mit einigen Ausnahmen.

Vitamin D ist nicht nur für die Mineralisation des Skeletts wichtig. Auch Influenzainfektionen und Exazerbationen beim Asthma bronchiale scheint das Calciferol vorzubeugen. Möglicherweise ist es sogar bei der Prävention von Autoimmun­erkrankungen, ADHS, Krebs und Typ-2-Diabetes von Bedeutung.

Etwa 90 % des täglichen Bedarfs des Hormons lassen sich hierzulande – zumindest im Sommerhalbjahr – dank der UV-B-Strahlung über die körpereigene Produktion decken, die restlichen 10 % über die Ernährung. Bei Säuglingen und Kleinkindern sollte aber noch „bis zum zweiten vom Kind erlebten Frühsommer mit dann höherer Vitamin-D-Eigensynthese“ nachgeholfen werden, so die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin (DGKJ) und der Deutschen Gesellschaft für Kinderendokrinologie und Diabetologie (DGKED).

Risikofaktoren einer Vitamin-D-Mangel-Rachitis

  • Erkrankungen mit Malabsorption oder Maldigestion (chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Zöliakie, zystische Fibrose)
  • chronische Nieren- und Leberleiden
  • Medikamente, die den Kalzium- oder Vitamin-D-Stoffwechsel beeinflussen
  • geringe Sonnenexposition (z.B. bei chronischer Immobilisation)
  • Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund (durch Einfluss von Pigmentierung, Ernährung, Sonnenexposition)

In den ersten 12–18 Monaten 400–500 IE täglich

Für eine gemeinsame Stellungnahme hatten die Experten um Professor Dr. Thomas Reinehr von der Vestischen Kinder- und Jugendklinik Datteln, Universität Witten/Herdecke, die verfügbaren Studien zur Vitamin-D-Supplementierung im Kinder- und Jugendalter ausgewertet. Demzufolge soll die orale Supplementierung für die ersten 12 bis 18 Lebensmonate mit 400–500 IE Vitamin D3 täglich zusammen mit der Fluoridprophylaxe erfolgen, zusätzlich zu Muttermilch bzw. Säuglingsnahrung. Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht unter 1500 g erhalten in den ersten Lebensmonaten 800–1000 IE pro Tag.

Zwar liegen die Vitamin-D-Serumspiegel bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland mit 12–20 ng/ml häufig im subnormalen Bereich (Zielbereich: 20–100 ng/ml). Dennoch ist laut den Autoren eine Vitamin-D-Supplementierung in der Regel unnötig. Sowohl ein Defizit als auch die empfohlene tägliche Vitamin-D-Gesamtaufnahme von 600–800 IE könnten allein durch eine regelmäßige Sonnenlichtexposition und über die Ernährung ausgeglichen bzw. erreicht werden, so die Kinder- und Jugendärzte von DGKJ und DGKED.

Sie empfehlen, sich zumindest von April bis September regelmäßig draußen zu bewegen und Sonne zu tanken. Kinder vom Hauttyp 2 und 3 sollten mindestens zweimal in der Woche zwischen 10 und 15 Uhr für 5 bis 30 Minuten an die Luft gehen, wobei weder Kopf noch Arme oder Beine bedeckt sein sollen. Das sei die effektivste Methode, um den Vitamin-D-Status zu verbessern, schreiben die Experten. Durch die Bewegung werde zusätzlich zur körpereigenen Vitamin-D-Synthese auch der Aufbau der Knochenmasse gesteigert. Außerdem sollte ein- bis zweimal pro Woche Vitamin-D-reicher Seefisch wie Aal, Hering, Makrele oder Lachs auf den Tisch.

Eine zusätzliche Vitamin-D-Supplementierung (500–1000 IE) hingegen sei nur in Einzelfällen (Risikogruppen siehe Kasten) während der Wintermonate sinnvoll. Auch die ungezielte Bestimmung der Vitamin-D-Serum-Konzentration bei gesunden Kindern und Jugendlichen ohne Risikofaktoren halten die Autoren für unnötig.

Quelle: Reinehr T et al. Monatsschr Kinderheilkd 2018; online first