COPD: Ernährungsverhalten beeinflusst Inzidenz und Verlauf

Autor: Dr. Barbara Kreutzkamp

Mit dem Gewicht kommt auch die Lebensqualität zurück. Mit dem Gewicht kommt auch die Lebensqualität zurück. © iStock.com/carolthacker

Die Anhaltspunkte mehren sich: Auch die Ernährung spielt bei Entstehung und Verlauf der COPD eine Rolle. Ist es bereits zum Gewichtsverlust gekommen, lässt sich durch gezielte Interventionen zumindest die Lebensqualität der Kranken wieder bessern.

Etwa 25 % der Patienten mit mittelgradiger und schwerer COPD weisen einen zu niedrigen BMI und eine zu geringe fettfreie Masse auf, was ihre Prognose erheblich beeinflusst. Untergewichtige haben einen beeinträchtigten pulmonalen Status, eine verminderte Zwerchfellmasse, eine geringere Leistungsfähigkeit und eine höhere Mortalität als diejenigen, die ausreichend ernährt sind, schreibt Marina Duller­ vom Otto-Wagner-Spital Wien. Aber auch bei normalgewichtigen COPD-Kranken liegt häufig eine veränderte Körperzusammensetzung mit zu wenig Muskelmasse vor.

Prinzipiell gibt es zwei Haupt­ursachen der Unterernährung: die unzureichende Kalorienaufnahme bei normalem Stoffwechsel und der Hypermetabolismus bzw. die katabole Stoffwechsellage bei ausreichender oder sogar erhöhter Nährstoffzufuhr. Zu Letzteren tragen bei COPD-Patienten u.a. folgende Faktoren bei:

  • erhöhter Energieverbrauch in Ruhe und bei körperlicher Aktivität durch vermehrte Atemarbeit
  • chronische, entzündliche katabole Aktivität
  • erhöhte nährstoffinduzierte Thermogenense
  • systemische Therapie mit Glukokortikosteroiden

Was sich mit Ernährung bei COPD ausrichten lässt, wurde in mehreren epidemiologischen Studien dokumentiert. So zeigt eine prospektive Studie mit rauchenden COPD-Patienten, dass die Dyspnoe-Prävalenz und Emphysemraten bei denjenigen niedriger liegen, die sich mediterran ernähren, d.h. viel Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse und Olivenöl und zugleich wenig gesättigte Fettsäuren und rotes bzw. prozessiertes Fleisch zu sich nehmen.

Ein ähnlich zusammengesetzter Speiseplan korrelierte in einer Analyse, die Daten der US Nurses Health Study und der Health Professional Follow-up Study nutzte, mit einer langfristig um etwa ein Drittel geringeren Rate von COPD-Neuerkrankungen. In einer weiteren Arbeit ging eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Fisch und Vollkornprodukten im Vergleich zu anderen Ernährungsweisen mit einer besseren Lungenfunktion von COPD-Patienten einher. Vermutlich tragen die antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften von z.B. Gemüse, Obst, Nüssen und Fisch zur Entlastung des Organismus bei, schreibt Marina Duller.

Weg mit dem Übergewicht

Nimmt ein adipöser COPD-Patient an Gewicht ab, sinkt sein Energiebedarf während der körperlichen Belastung, die Atemmechanik bessert sich und er kann seine Alltagsaktivitäten leichter bewältigen. In welchem Umfang er seine tägliche Kalorienzufuhr einschränken soll, muss man mit ihm individuell besprechen. Auf dieser Basis können Abspeckdiäten auch bei COPD erfolgreich durchgeführt werden, schreibt Marina Duller.

Schlechte Lungenfunktion vom Fleischkonsum?

Ein „westlicher“ Ernährungsstil mit bevorzugtem Konsum von verarbeitet angebotenen Lebensmitteln bzw. Fastfood scheint hingegen die Entwicklung einer COPD zu fördern. Auch soll v.a. der Verzehr von prozessiertem bzw. nitritgepökeltem Fleisch mit einer verschlechterten Lungenfunktion respektive COPD assoziiert sein und der vermehrte Konsum von prozessiertem Fleisch COPD-Inzidenz und Exazerbationsrisiko erhöhen.

Poststationäre Betreuung scheint erforderlich zu sein

Wenn also offenbar der Ernährungsstil die COPD beeinflussen kann, was ist mit gezielten Ernährungsinterventionen zu erreichen? Antworten liefert u.a. eine placebokontrollierte Studie mit 56 COPD-Patienten, die aufgrund einer Exazerbation hospitalisiert waren. Sie erhielten energie- und proteinreiche Nahrungsergänzungsmittel, da ihr BMI entweder < 22 kg/m2 lag oder sie bei einem BMI < 25 kg/m2 mehr als 5 % Gewicht im letzten Monat oder mehr als 10 % in den letzten sechs Monaten verloren hatten.

Zwar besserte sich durch die Intervention der Ernährungszustand der Patienten, bei Lungenfunktion oder Muskelkraft änderte sich hingegen gar nichts. Um den Gesundheitszustand zu verbessern, ist womöglich eine zusätzliche poststationäre ambulante Ernährungsbetreuung erforderlich, lautete die Schlussfolgerung.

Extrapulmonale COPD-Komplikationen

Systemische Inflammation:

  • oxidativer Stress
  • aktivierte Entzündungszellen (Neutrophile/Lymphozyten)
  • erhöhte Spiegel von Zytokinen und Akutphaseproteinen

Ernährungsanomalien und Gewichtsverlust:

  • erhöhter Grundumsatz
  • abnorme Körperzusammen­setzung
  • abnormer Aminosäurestoff­wechsel

Dysfunktion der Skelettmuskulatur:

  • Verlust an Muskelmasse
  • abnorme Struktur bzw. Funktion
  • Bewegungseinschränkungen

Andere systemische Einflüsse:

  • kardiovaskuläre, nervale, osteoskelettale Auswirkungen

Negativ fiel auch eine Studie aus, in der Patienten mit mittelschwerer bis schwerer COPD zwölf Wochen lang vermehrt Obst und Gemüse zu sich nahmen. Zwar hielten die Kranken ihr Ernährungsprogramm durch, es konnten jedoch keine signifikanten Einflüsse auf Atemwege, systemischen oxidativen Stress oder Entzündung nachgewiesen werden.

Doch es gibt auch positive Daten. So konnte durch eine regelmäßige Ernährungsberatung über sechs Monate im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die nur mit Infomaterial ausgestattet worden war, eine Gewichtszunahme und eine gesteigerte Lebensqualität erreicht werden. Andere, teils randomisiert-kontrollierte Studien zeigen laut Marina Duller eine „mögliche“ Verbesserung der Leistungsfähigkeit, Körperzusammensetzung und Lebensqualität durch multimodale Ernährungs- und Rehabilitations- bzw. Tainingsprogramme. 

Quelle: Duller M. J Pneumolog 2018; 6: 21-28