Diabetes: Neues zum Glukagon-Effekt

Autor: Alisa Ort

Alkohol dämpft die Wirkung von Glukagon, trotzdem wirkt es bei alkoholinduzierten Hypoglykämien. © iStock/Fertnig

Eine aktuelle Studie zeigt, der Glukagon-Effekt ist nach dem Genuss von Alkohol gedämpft. Effektiv scheint hingegen die präventive Gabe vor einer sportlichen Aktivität.

Etwa 20 % der stationären Aufnahmen aufgrund einer schweren Hypoglykämie stehen im Zusammenhang mit Alkoholkonsum. Das Risiko ist nach dem Genuss über mehrere Stunden erhöht. Eine späte alkoholinduzierte Hypoglykämie tritt typischerweise 8–12 Stunden nach Konsum auf. Professor Dr. Olga Kordonouri vom Kinder- und Jugendkrankenhaus Auf der Bult in Hannover wies diesbezüglich auf die Ergebnisse einer prospektiven, randomiserten Cross-over-Studie¹ hin, die der Frage nachging: Führt eine niedrig dosierte Glukagongabe nach Alkoholkonsum zu einem ausreichenden Glukoseanstieg?

Zwölf erwachsene Pumpenträger mit Typ-1-Diabetes tranken nach einem standardisierten Abendessen ein Getränk ohne bzw. mit Alkohol (0,8 g/kg). Über eine 8–9 Stunden spätere Insulingabe wurde eine milde Hypoglyk­ämie provoziert. Bei einem Blutzucker von ≤ 3,9 mmol/l erhielten sie 100 µg Glukagon s.c., was zwei Stunden später wiederholt wurde.

Nach der ersten Glukagongabe waren die Unterschiede zwischen den Gruppen gering (Glukosepeak 2,0 ± 0,5 vs. 2,9 ± 0,3 mmol/l). Nach der zweiten Glukagongabe lag der absolute Glukoseanstieg in der Alkoholgruppe 1,8 ±  0,7 mmol/l niedriger im Vergleich zur Kontrolle.

Trotz dieser scheinbar dämpfenden Wirkung des Alkohols kann bei einer milden alkoholinduzierten Hypoglykämie mit 100 µg Glukagon ein Glukoseanstieg von 2,0 mmol/l bewirkt werden, schrei­ben die Studienautoren.

Interessanter Ansatz für das Sportmanagement

Rickels et al.² hatten hingegen jüngst überprüft, ob die subkutane Gabe von 150 µg Glukagon vor einer moderaten, aeroben Trainingseinheit eine Hypoglykämie während des Sports vermeiden kann. Tatsächlich erwies sich die Strategie effektiver als eine Reduktion der Basalrate und ging mit einer geringeren Hyperglykämie als bei Dextrose-Einnahme einher. Auch „unnötige“ Kalorien werden dadurch vermieden. „Insbesondere vor dem Hintergrund der Entwicklung von nasalem Glukagon in kleinen Portionsgrößen ergibt sich hier ein inte­ressanter Ansatz zum Sportmanagement“, schloss Prof. Kordonouri.

Quelle:
Diabetes Update 2019
¹ Ranjan A. et al. Diabetes Care 2018; 41: 797-806
² Rickels MR et al. Diabetes Care 2018; 41: 1909-16