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Ein Trip ins Gehirn: Warum Wissenschaftler wieder mit LSD experimentieren

Autor: Dr. Elke Ruchalla

So ähnlich könnte Albert Hofmann seinen Heimweg auf dem Fahrrad wahrgenommen haben, nachdem er 250 μg LSD eingenommen hatte. So ähnlich könnte Albert Hofmann seinen Heimweg auf dem Fahrrad wahrgenommen haben, nachdem er 250 μg LSD eingenommen hatte. © iStock/Ivan Aleshin
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Zunächst versprach das Lysergsäurediethylamid Linderung bei bestimmten psychiatrischen Erkrankungen – bis das Verbot in den 1970er-Jahren dazwischen kam. Nun aber erlebt die LSD-Forschung ihr Comeback.

Gegenwärtig interessieren sich wieder mehrere Teams in Großbritannien und der Schweiz für die Wirkung von LSD auf die Gehirnfunktionen. Teilweise untersuchen die Gruppen therapeutische Effekte, z.B. bei schweren Angststörungen. Vor allem aber will man wissen, wie das Halluzinogen auf der Ebene der einzelnen Nervenzellen wirkt. Dazu verabreichen Forscher die Substanz gesunden Freiwilligen und beobachten die Wirkungen auf das Gehirn.

Möglich ist das mithilfe der funktionellen Magnet­resonanztomographie, erklären Dr. Felix Müller und Professor Dr. Stefan Borgwardt von der psychiatrischen Universitätsklinik Basel, deren Arbeitsgruppe ebenfalls an dieser Fragestellung arbeitet. Dabei interessieren sich die Wissenschaftler für die Abläufe im Ruhezustand, also ohne dass die Probanden bestimmte Aufgaben lösen müssen. Sie untersuchen dabei die funktionelle Konnektivität, die „Verkabelung“ von Hirnarealen, über die Informationen ausgetauscht werden. Zu diesen Netzen gehören beispielsweise das Ruhezustandsnetzwerk und verschiedene Zellgruppen, die an visuellen Funktionen beteiligt sind.

Dabei fand sich unter LSD eine veränderte, meist erhöhte Konnektivität der verschiedenen Areale, was auch die mögliche therapeutische Wirkung des Halluzinogens erklären könnte. Demnach sollen bei bestimmten psychischen Störungen pathologische Verschaltungen von Nervenbahnen im Gehirn existieren – und der Wirkstoff würde diese gestörten Verbindungen zunächst unterbrechen, um anschließend neue, korrekte Interaktionen zu erlauben.

Besonders zwischen Hirnrinde und Thalamus erhöht sich die Konnektivität unter LSD-Einfluss deutlich. Normalerweise fungiert der Thalamus als zentrale Filterstation und entscheidet, welche Sinneseindrücke so wichtig sind, dass sie an die Hirnrinde weitergegeben werden müssen. Fällt dieser Filter aus und lässt sämtliche Eindrücke unkontrolliert passieren, könnte das eine verstärkte Wahrnehmung des Selbst und der äußeren Umwelt bedingen und beispielsweise das Farbensehen oder das Hören von Musik intensivieren. Ähnliches beschreiben ja Konsumenten nach einem LSD-Trip.

Es bleibt aber noch viel zu tun, schreiben Dr. Müller und Prof. Borgwardt abschließend. So muss man etwa klären, welchen Einfluss die LSD-Dosis auf die Vernetzung der Hirnareale hat. Außerdem erhöht das Halluzinogen direkt physiologische Parameter wie etwa Herzfrequenz und Blutdruck, was seinerseits die in der funktionellen Magnetresonanztomographie gefundenen Veränderungen zur Folge haben könnte. Dem muss man nun nachgehen.

Quelle: Müller F, Borgwardt S. Swiss Med Wkly 2019; 149: w20124; DOI: doi.org/10.4414/smw.2019.20124

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