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Große Infarkte Endovaskuläre Therapie auch bei großem Apoplex möglich

Autor: Dr. Elke Ruchalla

Eine endovaskuläre Therapie darf man diesen Daten zufolge auch bei ausgedehnten zerebralen Ischämien erwägen. Eine endovaskuläre Therapie darf man diesen Daten zufolge auch bei ausgedehnten zerebralen Ischämien erwägen. © iStock/peterschreiber.media
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Bei großen apoplektischen Insulten verzichtete man bisher lieber auf eine endovaskuläre Therapie – die Gefahr für Hämorrhagien erschien zu groß. Eine neue Untersuchung zeigt jedoch, dass das Outcome durch den Gefäßeingriff besser ist und das Risiko womöglich gar nicht so groß.

Die endovaskuläre Therapie wird auch in der Behandlung des ischämischen Schlaganfalls erfolgreich eingesetzt. Bei großen Infarkten wird das Verfahren jedoch von den meisten Neurologen nicht empfohlen – hier sei die Gefahr ausgedehnter Nachblutungen zu groß. Ob diese Sorge begründet ist, haben Dr. Shinishi Yoshimura vom Hyogo College of Medicine in Nishinomiya und Kollegen untersucht.

Sie nahmen insgesamt 203 Patienten in ihre offene randomisierte Studie auf. Alle wiesen einen ausgedehnten ischämischen Insult im Bereich der A. carotis interna oder des M1-Segments der A. cerebri media auf. „Ausgedehnt“ bedeutete ein ASPECTS*-Wert von 3 bis 5 laut CT- oder MR-Angio. Außerdem musste der NIHSS** mindestens sechs Punkte betragen. Innerhalb von sechs Stunden nach Symptombeginn erhielten 101 Kranke (Gruppe 1) nach dem Zufallsprinzip zusätzlich zur optimalen konservativen Behandlung eine endovaskuläre Therapie. Das genaue Vorgehen lag dabei im Ermessen des behandelnden Chirurgen, eingesetzt wurden beispielsweise der Stent Retriever oder die Ballonangioplastie. Bei 102 Betroffenen (Gruppe 2) erfolgte ausschließlich die bestmögliche konservative Therapie. In jeder Gruppe erhielt gut ein Viertel der Kranken außerdem Alteplase.

Nach neunzig Tagen stellten die Wissenschaftler fest, dass in der endovaskulär behandelten Gruppe mehr als doppelt so viele Patienten den definierten Endpunkt erreichten (zwischen 0 und 3 Punkte auf der modifizierten Rankin-Skala) als in der Vergleichsgruppe (31 % vs. 12,7 %). 3 Punkte stehen dabei für moderate Beeinträchtigungen, bei denen aber ein selbstständiges Gehen möglich ist. Auch der Schlaganfall bildete sich nach 48 Stunden in Gruppe 1 mehr als dreimal so häufig deutlich zurück (um 8 Punkte gegenüber dem Wert bei Aufnahme: 31 % vs. 8,8 %).

Mehr Hirnblutungen nach endovaskulärer Behandlung

Diese Besserung hatte aber ihren Preis: In Gruppe 1 traten bei mehr als der Hälfte der Patienten Hirnblutungen auf, in Gruppe 2 war es knapp ein Drittel (58 % vs. 31,4 %). Allerdings handelte es sich in der Mehrzahl um klinisch nicht relevante Blutungen. Eine endovaskuläre Therapie darf man diesen Daten zufolge auch bei ausgedehnten zerebralen Ischämien erwägen, meinen die Forscher. Bevor dies jedoch zur Routine wird, sollten die Ergebnisse in anderen Studien evaluiert werden.

* Alberta Stroke Program Early CT Score
** National Institutes of Health Stroke Scale

Quelle: Yoshimura S et al. N Engl J Med 2022; DOI: 10.1056/NEJMoa2118191

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