Erst taub, dann dement: Schwerhörigkeit als potenzieller Biomarker

Autor: Dr. Alexandra Bischoff

Altersschwerhörigkeit und Demenz scheinen nach neusten Erkenntnissen zusammenzuhängen. © fotolia/DDRockstar

Bisher war unklar, ob auf einen altersbedingten Hörverlust unweigerlich eine Demenz folgt. Laut einer Studie könnten die Hörprobleme tatsächlich als Marker für ko­gnitiven Abbau und Beeinträchtigung sowie Demenz taugen.

Aufgrund von 47 Millionen Demenzkranken weltweit suchen Wissenschaftler forciert nach Präventionsstrategien gegen mögliche Risikofaktoren, die mit den neuropathologischen Prozessen zusammenhängen. Die Altersschwerhörigkeit, an der ungefähr ein Drittel aller über 65-Jährigen leidet, könnte so ein Faktor sein.

Mehrere Studien lassen vermuten, dass innerhalb von fünf bis zehn Jahren auf die Hörverschlechterung die Demenz folgt. Aber baut tatsächlich mit dem Hörorgan auch gleichzeitig das Gehirn ab? Und wenn ja, eignet sich Altersschwerhörigkeit als Bio­marker für Demenz?

Diesen beiden Fragen gingen kürzlich Wissenschaftler vom Trinity College in Dublin nach. Im Rahmen eines Reviews untersuchte das Team um den Neurologen David­ G. Loughrey­ den Zusammenhang zwischen Altersschwerhörigkeit und kognitivem Abbau, kognitiver Beeinträchtigung bzw. Demenz anhand der Daten von insgesamt 20 264 Patienten, die an 36 Studien teilgenommen hatten.

Erschwerte Kommunikation als mögliche Ursache

Und siehe da: Die Forscher konnten tatsächlich einen kleinen, aber signifikanten Zusammenhang zwischen dem altersbedingten Hörverlust und allen drei kognitiven Bereichen finden. Die Gründe für den kognitiven Verfall sind unklar. Neben vaskulären Ursachen und dem allgemeinen physiologischen Abbau könnten die beeinträchtigte Kommunikation oder die bei Depressionen reduzierte Aufmerksamkeit eine Rolle spielen, so die Autoren.

Quelle: Loughrey DG et al. Otolaryngol Head Neck Surg 2018; 144: 115-126