Frühjahrsputz: Puumala-Viren gehen an die Nieren

Autor: Dr. Alexandra Bischoff

Sieht süß aus, kann aber gefährlich werden: Rötelmäuse übertragen Puumala-Viren, die ein hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom verursachen können. © iStock/CreativeNature-nl, CDC/Brian W.J. Mahy, PhD; Luanne H. Elliott, M.S.

Rötelmaus: Das klingt nach einem niedlichen Kosewort. Mitnichten, denn der kleine Nager ist hierzulande der wichtigste Überträger von Hantaviren. Alle paar Jahre vermehrt sich das Tierchen rapide und treibt die Infektionszahlen in die Höhe.

Erkrankungen durch Hantaviren kommen weltweit vor. Die Erreger werden durch Inhalation von getrocknetem Kot oder Urin infizierter Nagetiere aufgenommen. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist extrem selten. Im Gegensatz zu den auf dem amerikanischen Kontinent beheimateten Spezies, die im Rahmen eines hantaviralen pulmonalen Syndroms (HPS) ein schweres Lungenversagen verursachen können, gehen die asiatischen und europäischen Subtypen an die Nieren.

Während hierzulande hauptsächlich das Puumala-Virus (PUUV) ein hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom (HFRS) verursacht, dominiert in Zentral- und Südosteuropa die Dobrava-Belgrad-Variante. Etwa 3000 Fälle von Hantavirusinfektionen wurden in Deutschland im vergangenen Jahr gemeldet. Aufgrund der häufig milden Verlaufsform dürfte die Dunkelziffer jedoch deutlich höher liegen, schreibt Privatdozent Dr. Dominic Wichmann­ von der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Oligurisches Nierenversagen

Etwa alle vier bis fünf Jahre steigen die Infek­tionsraten deutlich an, letztes Jahr traf es besonders die süddeutschen Endemiegebiete Baden-Württemberg und Bayern. Grund scheinen Schwankungen in der Rötelmaus-Population zu sein. Das Nagetier ist hierzulande der alleinige Überträger des PUUV. In den Jahren, in denen es sich besonders stark vermehrt, besteht erhöhte Infektionsgefahr für den Menschen bei Aktivitäten im Garten oder Wald, z.B. beim Reinigen von Gartenhäuschen oder Unterständen.

Die als Nephropathia epidemica bezeichnete meldepflichtige Erkrankung beginnt meist mit plötzlichem Fieber, Übelkeit, Kopfschmerzen, Myalgien und Schüttelfrost. Später kann es zu abdominellen Schmerzen mit Erbrechen und flächigen Blutungen im Bereich der Extremitäten, des Stammes und des Nasenrachenraumes kommen.

Die Laborwerte zeigen zu Beginn der Erkrankung meist eine leicht ausgeprägte Leukozytose mit reaktiver Linksverschiebung, eine Thrombozytopenie sowie leichte Anstiege von Hämatokrit und Serumkreatinin. Oftmals treten im Verlauf der ersten Woche zudem Tachykardien, Hypotension, Kreislaufschock und Flüssigkeitsextravasion sowie eine Hämaturie gepaart mit einer beginnenden Proteinurie auf. Infolge des ausgeprägten Tubulusschadens kommt es zum oligurischen Nierenversagen mit Anstieg der Retentionswerte. Zwar heilt die Erkrankung in den meisten Fällen folgenlos aus – zusätzliche Hirn- oder Magen-Darm-Blutungen wirken sich jedoch ungünstig auf die Prognose aus (Letalitätsrate bei PUUV-Infektionen < 1 %).

Im klinischen Alltag gelingt der Infektionsnachweis routinemäßig mithilfe des Antikörpernachweises (IgM/IgG). IgM-Antikörper lasen sich 14 Tage und IgG-Antikörper ca. drei Wochen nach Infektion nachweisen. Neben nephrologischen/rheumatologischen Ursachen sollte man differenzialdiagnostisch auch eine Leptospirose in Betracht ziehen.

Es gibt weder Impfstoff noch spezifische Therapie

Bis dato gibt es weder einen Impfstoff noch eine zugelassene erregerspezifische Therapie. Und der Effekt von Virustatika (z.B. Ribavirin) im Off-Label-Gebrauch scheint fragwürdig, da zum Zeitpunkt der Diagnose der Erreger meist nicht mehr nachweisbar ist. Umso mehr Bedeutung haben deshalb präventive Schutzmaßnahmen. Wer sein Gartenhäuschen rei­nigt, sollte also nicht auf Handschuhe, Atemschutzmaske und Desinfektionsmittel verzichten.

Quelle: Wichmann D. Arzneiverordnung in der Praxis 2018; 45: 29-32