FSME-übertragende Zecken spielen bei der WM in Russland mit

Autor: Maria Weiß

Fussballfans müssen sich während der WM in Russland vor Zeckenbissen in Acht nehmen. © fotolia/Robert Kneschke, fotolia/Carola Vahldiek

Bald werden sich die ersten mit einem WM-Ticket auf den Weg nach Russland machen und dabei möglicherweise die Gelegenheit nutzen, Land und Leute etwas kennenzulernen. Ihnen sollte man eine FSME-Impfung ans Herz legen.

Russland ist die Wiege des vor allem durch Zecken übertragenen FSME(Frühsommer-Meningoenzephalitis)-Virus. Etwa zwei Drittel der jährlich weltweit gemeldeten etwa 9000 FSME-Fälle treten auch heute noch in Russland auf, berichtete Professor Dr. Martin Pfeffer vom Institut für Tierhygiene und öffentliches Veterinärwesen der Universität Leipzig.

Man kennt einen europäischen, sibirischen und fernöstlichen FSME-Subtyp – alle drei Typen trifft man in unterschiedlicher Verteilung in Russland an. Die gute Nachricht: Die Subtypen sind genetisch eng verwandt, sodass die Impfung vor allen drei Typen schützt.

Übertragen werden die FSME-Viren wie üblich über Zecken – den gemeinen Holzbock (Ixodes Ricinus) und die ähnlich ausse­hende Taigazecke (Ixodes persulacatus). Die ebenfalls mögliche alimentäre Übertragung über Rohmilchprodukte spielt in Russ­land keine Rolle.

Alle zwölf Stadien befinden sich im Verbreitungsgebiet

Infektionen mit dem bei uns verbreiteten europäischen Subtyp verlaufen zu 70–98 % asymptomatisch. Kommt es aber in den übrigen Fällen zu Meningitis (50 %), Meningoenzephalitis (40 %) oder Meningoenzephalo-Myelitis (10 %), muss mit ernsten Folgen gerechnet werden: Nur 19 % der Betroffenen erholen sich vollständig, 51 % tragen dauerhafte Funktionsstörungen davon und 30 % sterben innerhalb von ein bis zehn Jahren an den Folgen der FSME-Infektion. Insgesamt beträgt die Letalität beim europäischen und sibirischen Subtyp nur 2–5 % – beim fernöstlichen Subtyp liegt sie mit 15–20 % deutlich höher.

Die WM in Russland fällt genau in die „Zeckenzeit“ mit erhöhtem Infektionsrisiko und alle zwölf Stadien in den elf austragenden Städten befinden sich im FSME-Verbreitungsgebiet. In den Arenen selbst und den großen Städten ist die Gefahr wahrscheinlich zu vernachlässigen – wenn auch nicht null. Wollen die Fußball-Fans aber die Gelegenheit nutzten, vor oder nach den Spielen das Land zu erkunden, empfiehlt sich dringend eine FSME-Impfung sowie ein Schutz vor Zeckenstichen. Außerdem sollte man bei Reiserückkehrern mit entsprechenden Symptomen FSME in die Differen­zialdiagnose einschließen.