Gefahr am Ostseestrand: Im Salz- und Brackwasser können gefährliche Erreger lauern

Autor: Maria Weiß

Aufnahme­befund mit beginnender Nekrotisierung unter Lokaltherapie mit Eosinlösung. © Sundheimer C, Vandersee S. Wehrmedizinische Monatsschrift 2018; 62: 401-402 © Beta Verlag & Marketinggesellschaft mbH, Bonn

Ein harmloser Spaziergang wurde einem Urlauber zum Verhängnis. Nachdem er auf eine Muschel getreten war, begannen die Zehen seines linken Fußes, sich aufzulösen.

Elf Tage nach dem kleinen Vorfall am Ostseestrand stellte sich der 65-Jährige in der Notaufnahme des Bundeswehrzentralkrankenhauses in Koblenz vor. An den Zehen II-IV des linken Fußes zeigten sich große hämorrhagische Blasen mit beginnender Nekrotisierung, eine hämorrhagische Makula am Fußrücken und geringer Schwellung des Vorfußes. Außerdem fielen Cathrin Sundheimer und PD Dr. Staffan Vandersee ein süßlicher Geruch sowie eine Rötung und Schwellung des gesamten linken Beines mit inguinaler Lymphknotenschwellung auf. Bereits zuvor hatte sich der Senior in Eckernförde aufgrund eines Erysipels in stationäre Behandlung begeben, wo er mit Ampicillin/Sulbactam behandelt worden war.

Aufgrund der Anamnese und des fulminanten Krankheitsverlaufes tippten die Koblenzer Dermatologen auf eine Infektion mit Vibrio vulnificus. Der Patient erhielt nach Abnahme des Wundabstriches Cefuroxim 1,5 g (3 x tägl. i.v.) und Doxycyclin 100 mg (2 x tägl.) sowie eine unterstützende Wundbehandlung. Unter dieser Therapie besserte sich der Befund rasch, und der Patient konnte nach 14 Tagen in die ambulante Weiterbehandlung entlassen werden.

Sofort mit Tetracyclinen und Cephalosporinen behandeln

Sobald die Wassertemperatur 20 °C übersteigt, kann sich Vibrio vulni­ficus in Brack- und Salzwasser stark vermehren und zu schwerwiegenden Wundinfektionen führen. Typisch ist ein fulminanter Verlauf mit Nekrotisierung, der eine so­fortige Antibiotikatherapie mit Tetracyclinen und Cephalosporinen höherer Generation erforderlich macht.

Quelle Text und Abb.: Sundheimer C, Vandersee S. Wehrmedizinische Monatsschrift 2018; 62: 401-402 © Beta Verlag & Marketinggesellschaft mbH, Bonn