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UV-Beleuchtung oder künstliches UV-Licht Gefahr durch UV-Lampen bei Freizeitaktivitäten ist nicht zu unterschätzen

Autor: Maria Weiß

Der dekorative Einsatz von UV-Lampen sollte besser reguliert werden. Der dekorative Einsatz von UV-Lampen sollte besser reguliert werden. © picturelens – stock.adobe.com
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Künstliches UV-Licht kann die Augen angreifen – diese leidvolle Erfahrung mussten Besucher eines öffentlichen Outdoor-Events mit Verwendung zur Dekoration eingesetzter UV-Displays machen.

Das meiste zufällig auf die Augen treffende UV-Licht wird von Hornhaut und Linse als erste Schutzbarriere absorbiert – weniger als 1 % erreicht die Retina. Mögliche Schäden am Auge hängen von der Menge der absorbierten Strahlung, der Wellenlänge und individuellen Faktoren ab, schreibt Dr. Maria Woodward von der Abteilung für Ophthalmologie an der Universität Michigan. 

Strahlung z.B. im Bereich von 270 nm führt sehr schnell zu Photokeratitis und -konjunktivitis. Längere und kürzere Wellenlängen brauchen für den gleichen Effekt mehr Zeit. Dass man u.a. deshalb nicht ungeschützt direkt in die Sonne gucken darf, lernt jedes Kind. Deutlich argloser ist man wahrscheinlich, wenn die UV-Strahlung künstlich von LED oder UV-Lampen ausgeht, wie ein Fall aus Hongkong zeigt.

Dort stellten sich etwa neun Stunden nach einer Abendveranstaltung acht Besucher mit einer beidseitigen Photokeratitis in Gesundheitseinrichtungen vor, heißt es in einem Fallbericht, an dem u.a. eine Ophthalmologin der chinesischen Universität Hongkong mitarbeitete. Die Patienten waren dem künstlichen UV-Licht – in einem Ausstellungsraum und seitlich einer Bühne – im Schnitt drei Stunden lang ausgesetzt gewesen. Keiner von ihnen hatte eine schützende Brille getragen. Sie klagten über schmerzende, rote und z.T. tränende Augen sowie eine Photophobie. Sehstörungen lagen nicht vor. Bei der Untersuchung zeigte sich eine Beteiligung von Hornhaut und Konjunktiven mit punktförmigen Erosionen. Nach der symptomatischen Therapie mit künstlichen Tränen, sowie steroid- und antibiotikahaltigen Augentropfen gingen die Beschwerden vollständig zurück.

Wie sich das Auge u.a. vor gestreutem UV-Licht schützt, ist noch nicht vollständig verstanden, erklärt Dr. Woodward. Grenzwerte für die direkte UV-Exposition orientieren sich i.d.R. an der Energiemenge, ab der ein akuter Schaden einsetzt. Doch auch subklinische Expositionen können über die Bildung von freien Radikalen zur Pterygium- und Kataraktentstehung beitragen. Jede UV-Strahlung, die die Retina erreicht, wurde zuvor gebündelt und hat somit eine höhere lokale Intensität, warnt die Expertin. Somit ist auch moderates bis intensives UVA-Licht in der Lage, der Retina zu schaden.

Bei längerer Exposition drohen Ödem und Hornhauttrübung

Bei einer Photokeratitis kommt es in der Hornhaut zu punktuellen Defekten durch eine Abschilferung der Epithelschichten. Bei steigender Wellenlänge bzw. Expositionszeit sind auch Hornhautstroma und Endothel betroffen, was sich in Form von Hornhautödem, Hornhauttrübung und Beteiligung der Vorderkammerzellen äußern kann. Ähnliche Veränderungen zeigen sich bei längerer Exposition auch in den Bindehäuten.

Nach Meinung von Dr. Woodward ist es zwingend erforderlich, dass die UV-Exposition durch künstliches Licht besser reguliert wird. Auf Festivals zur Dekoration eingesetzte UV-Strahler unterliegen bisher keinerlei Sicherheitsbestimmungen. Um Fälle wie in Hongkong zu vermeiden, müsse die Bevölkerung besser über mögliche Risiken aufgeklärt werden.

Quelle: 1. Chan JYY et al. JAMA Ophthalmol 2024; DOI: 10.1001/jamaophthalmol.2024.1092
2. Woodward M et al. JAMA Ophthalmol 2024; DOI: 10.1001/jamaophthalmol.2024.1119