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Raucher:innen German Asthma Net beantwortet Fragen, die klassische Studien offenlassen

DGP-Kongress 2024 Autor: Manuela Arand

Wie sollten Ärzte mit dem neuen Konzept der Remission umgehen und sollten sie das als Ziel im Arzt-Patienten-Gespräch formulieren? Wie sollten Ärzte mit dem neuen Konzept der Remission umgehen und sollten sie das als Ziel im Arzt-Patienten-Gespräch formulieren? © LIGHTFIELD STUDIOS - stock.adobe.com
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Klinische Studien sind gut und schön, ihre Ergebnisse können in vielen Fällen bei therapeutischen Entscheidungen helfen. Aber was macht man mit einem Patienten mit schwerem Asthma und mangelnder Reversibilität, der nicht von der Zigarette lassen mag?

Eine Fülle alltagsrelevanter Fragen zum schweren Asthma lässt sich mit klinischen Studien nicht beantworten, erinnerte Prof. Dr. Stephanie Korn, Thoraxklinik Uni Heidelberg und IKF Pneumologie Mainz. Ein paar Beispiele: Welche Parameter oder Scores eignen sich am besten, um Therapieansprechen zu bewerten? Was davon gehört in den Arztbrief? Wie sollten Ärzte mit dem neuen Konzept der Remission umgehen und sollten sie das als Ziel im Arzt-Patienten-Gespräch formulieren? „Wir wollen ja nicht nur aus dem Bauch heraus agieren, sondern wissen, was wir tun“, meinte Prof. Korn. 

Register wie das German Asthma Net (GAN) für das schwere Asthma schließen Lücken, die klinische Studien lassen. An GAN nehmen 116 Zentren in Deutschland, 12 in Österreich und 48 in der Schweiz teil, die mittlerweile bereits fast 4.000 Patienten mit schwerem Asthma eingeschlossen haben. Leider gibt es immer noch große weiße Flecken auf der GAN-Landkarte, besonders im Norden und Osten Deutschlands. In den knapp 15 Jahren seines Bestehens hat das Register schon wichtige Erkenntnisse zu ganz unterschiedlichen Themen rund um das schwere Asthma geliefert:

  • Es gibt eine relevante Versorgungslücke, wenn die Patienten von der Jugend- zur Erwachsenenmedizin wechseln. Schweres Asthma kommt im Kindesalter seltener vor. Die meisten Patienten im Register sind erst nach dem 18. Lebensjahr erkrankt, der Gipfel liegt bei beiden Geschlechtern zwischen 50 und 60 Jahren. Aber zwischen 15 und 40 Jahren sind die Zahlen so niedrig, dass sie unglaubwürdig erscheinen. „Da müssen wir Arbeit reinstecken, dass wir die Patienten in der Transition nicht verlieren“, betonte Prof. Korn.
  • Patienten mit Early- und Late-onset-Asthma unterscheiden sich signifikant in Lungenfunktion, Biomarkerprofil und Allergieprävalenz. Wer als Kind erkrankt, hat mit 80%iger Wahrscheinlichkeit eine allergische Begleiterkrankung (bei später Manifestation < 60 %), eine bessere Lungenfunktion und ein höheres IgE (200 vs. 169 U/ml), aber weniger Eosinophile im Blut (200 vs. 252 pro µl) und ein niedrigeres FeNO (23 vs. 41 ppb). Sprich: Das Early-onset-Asthma ist eher allergisch geprägt, das Late-onset-Asthma eher durch eine Typ-2-Inflammation. 
  • Von besonderem Interesse bei dieser Patientengruppe sind natürlich akute Exazerbationen (AE) und was dafür prädestiniert. Vielexazerbierer (≥ 2 pro Jahr) unterscheiden sich im BMI kaum von denen, die selten exazerbieren. Aber es bestätigt sich, dass die Biomarker mit dem AE-Risiko korrelieren: FeNO und Eos sind höher bei denen mit vielen AE. „Wenn wir Eosinophile und FeNO messen, können wir das direkt in einen Wert für unsere Patienten übersetzen: Je höher, desto eher drohen Exazerbationen, desto schwerer krank ist der Patient“, kommentierte Prof. Korn. 

Studienpopulationen sind in aller Regel so selektiert, dass vergleichbare Patienten im Praxisalltag kaum vorkommen. So sehen z.B. die Einschlusskriterien von Asthmastudien zumeist vor, dass die Patienten eine Reversibilität im Bronchodilatatortest zeigen. Das soll sicherstellen, dass keine fehldiagnostizierten COPD-Kranken rekrutiert werden. Doch von den GAN-Patienten erfüllt gerade mal jeder Dritte die Anforderungen. Folglich werden Asthmamedikamente streng genommen gar nicht bei den Patienten geprüft und zugelassen, die sie gewöhnlich erhalten.

Ein weiteres Thema ist das Zusammenspiel von Tabakkonsum und Biologika. Raucher werden aus Biologika-Studien ausgeschlossen – auch das im Sinne einer reinen Asthmapopulation ohne COPD-Anteile. Und natürlich widerstrebt es Ärzten, Rauchern ein Biologikum zu verordnen. Aber die Antikörper wirken auch bei Ex- und aktiven Rauchern, wie eine Analyse von GAN belegt. Der Effekt auf die Lungenfunktion unterschied sich nach einem Jahr nicht von dem, den man bei Nichtrauchern erreicht. „Ich wäre auch zurückhaltend, einem Patienten, der raucht und sich nicht überzeugen lässt aufzuhören, ein Biologikum zu verschreiben“, sagte Prof. Korn. „Aber in Einzelfällen mag das anders aussehen, und dann ist es gut zu wissen, dass die Therapie auch bei diesen Patienten wirkt.“ Von GAN stamme darüber hinaus die Erkenntnis, dass auch bei schwerem Asthma eine Remission erreichbar ist, wenn die Patienten adäquat therapiert werden. Ohne Biologika gelinge das in knapp 20 % der Fälle, mit doppelt so häufig.

Quelle: Kongressbericht 64. Kongress der DGP*

* Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin