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Gewichtsverlust verschlechtert die Prognose bei operablen Magentumoren

Autor: Friederike Klein

Als besonders wichtig für die Prognose stellte sich die neo­adjuvante Behandlungsphase heraus. Als besonders wichtig für die Prognose stellte sich die neo­adjuvante Behandlungsphase heraus. © Crystal light – stock.adobe.com
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Verlieren Patienten mit Adenokarzinom des Magens oder des gastroösophagealen Übergangs vor der Operation 5 % ihres Körpergewichts, deutet dies auf eine ungünstige Prognose.

Der perioperative Gewichtsverlust beeinflusst gleich mehrfach die Prognose von Patienten mit operablem Karzinom des Magens oder des gastroösophagealen Übergangs, erklärte Alessandro­ ­Lorusso von der hämatoonkologischen Klinik der Charité Universitätsmedizin in Berlin. Er kann auf eine Krankheitsaktivität, ein entzündliches Milieu oder auf postoperative Komplikationen hinweisen und die Möglichkeit zur adjuvanten Chemotherapie einschränken.

In einer retrospektiven Analyse, die Lorusso vorstellte, war ein überdurchschnittlicher Gewichtsverlust rund um die OP mit einem signifikant schlechteren krankheitsfreien Überleben und Gesamtüberleben assoziiert. In die Analyse wurden 128 Patienten eingeschlossen, die sich im Rahmen einer multimodalen Therapie wegen eines Adenokarzinoms des Magens oder des gastroösophagealen Übergangs einem chirurgischen Eingriff mit perioperativer Chemotherapie unterzogen hatten.

Wer mehr als 14 % verliert, hat ein schlechtes Outcome

Zusammen mit anderen prognostisch relevanten Parametern ermittelten die Forscher zu verschiedenen Zeitpunkten das Gewicht: vor der neoadjuvanten Therapie, vor der OP sowie vor und drei Monate nach der adjuvanten Chemotherapie. Im Median sank das Gewicht der Patienten im Beobachtungszeitraum von durchschnittlich 81 kg auf 69 kg.

Während der neo­adjuvanten Behandlung reduzierte es sich meist noch nicht, in der operativen Phase jedoch im Median um ca. 9 % und danach um etwa 4 %. Nach 49,7 Monaten lag das mediane Gesamtüberleben wie das mediane krankheitsfreie Überleben der Studienteilnehmer bei 60,8 Monaten.

Wer über die gesamte Behandlung hinweg mehr Gewicht als der Median (ab 15 % KG) verloren hatte, besaß eine signifikant schlechtere Prognose als die übrigen Patienten. Das Gesamtüberleben betrug in dieser Gruppe median 43,7 Monate, während es bei denen mit geringerem Gewichtsverlust noch nicht erreicht war (p = 0,028). Das mediane krankheitsfreie Überleben bezifferte sich für Erstere auf 34,3 Monate, für Letztere war es ebenfalls noch nicht erreicht (p = 0,038).

In der Auswertung der einzelnen Zeitpunkte stellte sich die neo­adjuvante Behandlungsphase als besonders wichtig heraus: Wer bereits 5 % und mehr an Gewicht verloren hatte, hatte ein dramatisch schlechteres Gesamtüberleben (23,6 Monate versus 63,5 Monate, p = 0,007) und krankheitsfreies Überleben (12,5 Monate versus 63,5 Monate; p = 0,016). Dagegen fanden die Wissenschaflter in der perioperativen und in der adjuvanten Phase keinen prognostischen Unterschied zwischen Patienten mit stärkerem und weniger starkem Gewichtsverlust.

Lorusso vermutet, dass die Ursache für den ausgeprägten prognostischen Effekt der Gewichtsabnahme über die neoadjuvante Therapie hinweg vor allem an Folgendem liegt: einer zu diesem Zeitpunkt schlecht kontrollierten Tumor­erkrankung.

Kongressbericht: Lorusso A et al. DGHO Jahrestagung 2020 virtuell, Abstract 655

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