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Helicobacter pylori: Was beim zufälligen Nachweis zu tun ist

Autor: Kathrin Strobel

Eine Eradikation senkte das Magenkrebsrisiko um 39-73 %. Eine Eradikation senkte das Magenkrebsrisiko um 39-73 %. © SciePro – stock.adobe.com
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Ein Facharzt für Allgemeinmedizin fragt: Schon einige Male war ich mit folgendem Problem konfrontiert. Ein Patient erhält eine Magenspiegelung – nicht wegen Beschwerden im Sinne einer Gastritis, sondern aus anderem Grund. Wie ist die Evidenzlage zur Assoziation von Helicobacter pylori und dem Auftreten eines Magenkarzinoms? Sollte man bei zufälligem Nachweis des Keims generell eine Eradikationstherapie durchführen?

Privatdozent Dr. Carsten Schmidt­, Medizinische Klinik II – Gastroenterologie, Stoffwechsel­erkrankungen, Klinikum Fulda:

Die Ätiologie des Magenkarzinoms ist multifaktoriell. So spielt beispielsweise die genetische Komponente eine wesentliche Rolle. Aus mehreren Fallkontrollstudien ergab sich zudem eine Assoziation zwischen dem Auftreten von Magenkrebs und einer Infektion mit Helicobacter pylori. Gemäß älteren Metaanalysen ist das Risiko, ein Magenkarzinom zu entwickeln, bei Besiedelung durch den Keim um den Faktor 2 bis 3 erhöht.

In einer aktuellen Studie wurden an einem südkoreanischen Zentrum 1838 erstgradige Verwandte von Patienten mit einem Magenkarzinom für eine Eradikationstherapie bzw. eine Placebobehandlung randomisiert.1 Während einer medianen Beobachtungsdauer von 9,2 Jahren kam es bei 2,7 % unter Placebo zu einem Magenkarzinom. In der Eradikationsgruppe waren 1,2 % von der Krebserkrankung betroffen. Das entspricht einer statistisch signifikanten Reduktion des Risikos durch die Behandlung um 55 %. Von den Teilnehmern, die erfolgreich eradiziert worden waren, entwickelten 0,8 % ein Malignom. Unter denen mit persistierender Infektion kam es bei 2,9 % dazu. Daraus ergibt sich eine Risikoreduktion von 73 %.

In einer kürzlich publizierten Metaanalyse wurden zehn randomisierte, kontrollierte Studien zusammengefasst, in denen der Effekt einer Eradikationstherapie bei 8323 gesunden Individuen sowie 1841 Patienten mit einer gastralen Neo­plasie, die mittels einer endoskopischen Mukosaresektion behandelt worden waren, untersucht wurde.2 Bei den gesunden Individuen reduzierte die Eradikationstherapie die Inzidenz eines Magenkarzinoms um 46 % (number needed to treat, NNT 72). Die Wahrscheinlichkeit, an einem Magenkarzinom zu sterben, konnte um 39 % gesenkt werden (NNT 135), die Gesamtmortalität war nicht verändert. In der Gruppe der Patienten, die zuvor bereits eine Neo­plasie des Magens erlitten hatten, verringerte die Eradikationstherapie die Krebswahrscheinlichkeit um 51 % (NNT 21). Es bestehe eine moderate Evidenz, dass die H.-pylori-Eradikation die Inzidenz des Magenkarzinoms in den untersuchten Populationen vermindert, schreiben die Autoren.

Studienteilnehmer kamen aus Regionen mit hoher Inzidenz

Zusammenfassend mehren sich damit die Daten, die die Wirksamkeit der Eradikationstherapie zur Vermeidung eines Magenkarzinoms nahelegen. Diese Aussage trifft jedoch in erster Linie für die untersuchte ost­asiatische Bevölkerung mit einer hohen Inzidenz dieses Tumors zu und kann nicht vorbehaltlos auf unsere mitteleuropäische Situation übertragen werden. Aus Europa liegt nur eine Kohortenstudie aus Finnland vor, die auf Basis der Messung von Antikörpern gegen H. pylori eine Reduktion der Magenkrebsinzidenz durch die Eradikation nahelegt.

Wie in den aktuellen Leitlinien „Magenkarzinom“ und „Helicobacter pylori und gastroduodenale Ulkuskrankheit“ formuliert, empfiehlt sich die Eradikation mit dem Ziel der Karzinomprävention insbesondere für folgende Personen:

  • Patienten mit Risikogastritis (Pan- oder korpusdominante Gastritis)
  • erstgradige Verwandte von Magenkarzinompatienten
  • Patienten mit früheren Magen­neo­plasien (endoskopische Resektion oder Teilresektion bei Magen­adenom oder -frühkarzinom sowie MALT-Lymphom)

Eine (ausgedehnte, multifokale) Atrophie und/oder eine intestinale Metaplasie sind mögliche Indikatio­nen für eine Eradikationstherapie.

Quellen:
1. Choi IJ et al. N Engl J Med 2020; 382: 427-436; DOI: 10.1056/NEJMoa1909666
2. Ford AC et al. Gut 2020; 69: 2113-2121; DOI: 10.1136/gutjnl-2020-320839

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