Herzgefahr für Krebsüberlebende

Autor: Dr. Judith Lorenz

Der Tumor ist zerstört, aber das Herz auch. © robsonphoto – stock.adobe.com

Jeder zehnte Krebspatient stirbt nicht an seiner Tumorerkrankung, sondern in Folge von Herz-Kreislauf-Komplikationen. Am stärksten gefährdet sind Personen mit einem Mamma-, Prostata- oder Blasenkarzinom.

Krebspatienten haben ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko – entweder durch die Therapie oder wegen des mit der Krankheit verbundenen Lebensstils. Forscher gingen der Frage nach, wie viele Patienten nicht mehr an dem Tumor, sondern an Herzerkrankung, Hypertonie, Schlaganfall, Atherosklerose, Aortenaneurysma oder -dissektion sterben.

Sie stellten 234 250 zwischen 1973 und 2012 an Krebs Erkrankte mehr als 3,2 Millionen Kontrollen aus der US-Bevölkerung gegenüber. 38 % der Tumorpatienten erlagen ihrem Krebsleiden, 11 % starben aufgrund kardiovaskulärer Komplikationen. Drei Viertel der Herz-Kreislauf-Todesfälle waren auf kardiale Erkrankungen zurückzuführen. Das höchste kardiovaskuläre Sterberisiko beobachtete man innerhalb des ersten Jahres nach der Krebsdiagnose – insbesondere bei Brust-, Prostata- und Blasenkrebs – sowie bei einer Tumorerkrankung im Alter unter 35 Jahren.

Kardiologen in die Nachsorge einbeziehen

Die Erhöhung persistierte unabhängig von der Tumorart auch noch Jahre nach der Erstdiagnose. Das Risiko lag im Mittel um das Zwei- bis Sechsfache über dem der Allgemeinbevölkerung. Da die Krebs-Überlebensrate steigt, empfehlen die Experten, in der Nachsorge Hausärzte, Onkologen und Kardiologen besser zu koordinieren und sich zukünftig stärker auf die kardiovaskuläre Gesundheit der Patienten zu konzentrieren.

Quelle: Sturgeon KM et al. Eur Heart J 2019; DOI: 10.1093/eurheartj/ehz766