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HFpEF-Scores: Diagnostische Schärfe lässt zu wünschen übrig

Autor: Manuela Arand

Der Score sowie der Algorithmus sollen herangezogen werden, um das Risiko für eine HFpEF zu ermitteln. Der Score sowie der Algorithmus sollen herangezogen werden, um das Risiko für eine HFpEF zu ermitteln. © iStock/ipopba
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Scores und Algorithmen können einem in der Diagnostik das Leben erleichtern. Ungünstig nur, wenn zwei Scores das gleiche zeigen sollen, aber unterschiedliche Ergebnisse liefern. Genau diese Situation gibt es momentan bei der Herzinsuffizienz mit erhaltener Pumpfunktion.

Gleich zwei neue Tools sollen bei der Diagnostik der Herzinsuffizienz mit erhaltener Pumpfunktion (HFpEF) helfen. Der Haken dabei: Sie identifizieren zwar betroffene Patienten, aber nicht dieselben. Die Rede ist vom H2FPEF-Score und dem HFA-PEFF-Algorithmus (s. Kasten). Was die beiden unterscheidet, sind zunächst die abgefragten Items. 

H2FPEF versus HFA-PEFF

Im H2FPEF-Score bringen ein BMI > 30 kg/m2 zwei Punkte (Heavy), mindestens zwei Antihypertensiva in der Medikation einen Punkt (Hypertensive). Ein Vorhofflimmern (Atrial Fibrillation) steuert drei Punkte bei. Jeweils einen Punkt gibt es für Zeichen einer pulmonalen Hypertonie im Echo, ein Alter über 60 Jahre (Elder) und einen erhöhten Füllungsdruck im Echo. Wer sieben von neun möglichen Punkten erreicht, hat mit etwa 95%iger Wahrscheinlichkeit eine HFpEF.

Im HFA-PEFF steckt die Heart Failure Association sowie ein vierstufiger Algorithmus. Die initiale Diagnostik (Pretest Assessment) soll u.a. Anamnese, EKG, Ergometrie und natriuretische Peptide umfassen. In Schritt zwei folgt die ausführliche Echokardiographie. Invasiver wird es mit der weiterführenden Diagnostik (Functional testing in Case of Uncertainty), bevor schließlich die Ätiologie geklärt werden soll (Final Aetiology).

Der von einer amerikanischen Arbeitsgruppe entwickelte H2FPEF-Score basiert auf vier klinischen Variablen und zwei funktionellen Echoparametern, für die es unterschiedliche Punktzahlen gibt. Anhand der Summe wird die Wahrscheinlichkeit einer HFpEF abgeschätzt, erläuterte Professor Dr. Dirk Westermann, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Z.B. entsprechen vier Punkte einer etwa 70%igen Wahrscheinlichkeit. Das erreicht man bereits als über 60-Jährige/r mit Vorhofflimmern – keine ganz seltene Kombination.

Der von der European Society for Cardiology verabschiedete HFA-PEFF geht sehr viel stärker ins Detail. Der Algorithmus unterscheidet Major- und Minor-Kriterien bei Funktion, Morphologie sowie Biomarkern und teilt die Patienten dann in solche mit niedrigem, intermediärem oder hohem Risiko für eine HFpEF ein.

Biomarker verloren bei der Validierung an Relevanz

Der H2FPEF ist insofern evidenzbasiert, als die Kriterien anhand einer Kohorte von 414 Patienten mit dem Kardinalsymptom Dyspnoe ermittelt wurden, von denen 267 eine HFpEF hatten. Die übrigen 147 dienten als Kontrollen. Interessant ist, dass eine ganze Reihe von Variablen, die beim HFA-PEFF auftauchen, in der Validierungsstudie des H2FPEF nicht signifikant waren, z.B. NT-proBNP oder linksatrialer Volumenindex. HFA-PEFF stützt sich dagegen auf Literatur und Expertenkonsens.

Um die Verwirrung komplett zu machen, haben Forscher die Scores kürzlich an einer Subgruppe der ARIC*-Studie geprüft. Die Frage war, ob H2FPEF und HFA-PEFF bei Patienten mit ungeklärter Dyspnoe das Risiko für Herzinsuffizienzhospitalisierungen und Tod vorhersagen können. Ersterer identifizierte 69 von 641 Patienten als Hochrisikokandidaten, Letzterer 164.

In beiden Fällen korrelierte die Bewertung mit dem tatsächlichen Risiko. Aber: Nur 27 Patienten wurden von beiden Scores als gefährdet eingestuft. Die Tools würden somit outcomerelevante Ergebnisse liefern, meinte Prof. Westermann, „aber die diagnostische Schärfe ist sicher noch verbesserungsfähig“.

Quelle: 86. Jahrestagung und Herztage 2020 der DGK**

* Atherosclerosis Risk In Communities
** Online-Veranstaltung

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