Hightech für Schwangere – von automatisierter Insulinfreisetzung profitieren

Autor: Dr. Anja Braunwarth

Mit der Schwangerschaft steigt der Insulinbedarf bei Frauen mit vorbestehendem Diabetes, insbesondere bei Typ 2. Mit der Schwangerschaft steigt der Insulinbedarf bei Frauen mit vorbestehendem Diabetes, insbesondere bei Typ 2. © iStock/Jovanmandic

Abseits des Typ-1-Diabetes haben Insulinpumpen noch keinen Platz. Gerade in der Schwangerschaft können sie sich aber auszahlen – und zwar unabhängig von der Art des Diabetes.

Die Insulinsensitivität sinkt bei jeder Schwangeren in der späten Gravidität, unter Gestationsdiabetes ist diese allerdings deutlich geringer als bei Gesunden. Die zunehmende Resistenz gegenüber dem Hormon macht Komplikationen wie vorzeitige Entbindung, Kaiserschnitt oder Makrosomie sehr viel wahrscheinlicher, erklärte Professor Dr. Nebojša­ Lalić, Clinic for Endocrinology, Dia­betes and Metabolic Diseases, Universität Belgrad.

Auch bei Frauen mit vorbestehendem Diabetes steigt der Insulinbedarf in der Schwangerschaft stetig an, wobei solche mit Typ 2 mehr benötigen als die mit Typ 1. Eine adäquate Adaptation lässt sich mit Pumpen erreichen, auch wenn sie eigentlich nur für Diabetes Typ 1 vorgesehen sind. Schon vor rund zehn Jahren wurde in einer Studie gezeigt, dass eine sechsmonatige Pumpentherapie die metabolischen Parameter stark insulinresistenter Patienten mit Diabetes Typ 2 erheblich besserte. Damit bieten die Systeme werdenden Müttern eine vielversprechende Option, so das Fazit von Prof. Lalić­.

Time in Range ist in der Klinik wichtiger als HbA1c

Professor Dr. Helen Murphy, Women‘s Health, Kings College London, betonte die Bedeutung der kontinuierlichen Glukosemessung (CGM). In der CONCEPTT-Studie blieb darunter ein signifikant höherer Anteil an Frauen mit Typ-1-Diabetes nach der 34. Schwangerschaftswoche in der Time in Range (TiR). Der Parameter hat laut Prof. Murphy klinisch sehr viel mehr Bedeutung als das HbA1c. Schon ein Anstieg der TiR um 5 bis 7%punkte verbessert das Outcome der Neugeborenen maßgeblich.

Es liegt also nahe, dass ein Closed-Loop-System in der Schwangerschaft klare Vorteile haben könnte. Das prüften Forscher in zwei Studien mit jeweils 16 Schwangeren, die mindestens vor zwölf Monaten die Diagnose Diabetes Typ 1 erhalten hatten. In einer Studie wurde über die Nacht, in der anderen über Tag und Nacht beobachtet. Als Vergleich diente ein Open-Loop-System plus CGM. Randomisiert nutzten die Teilnehmerinnen erst vier Wochen die eine, nach einer Auswaschphase dann vier Wochen die andere Technik.

Nachts waren mit dem Closed-Loop 74,7 % der Frauen in der TiR, mit der sensor-augmentierten Pumpe 59,5 %.1 In der Tag-Nacht-Studie unterschieden sich die Raten nicht wesentlich.2 Unter Closed-Loop entwickelten die Frauen aber signifikant weniger Hypoglykämien (8 vs. 12,5 Episoden).

14 Gravide aus der ersten und 16 aus der zweiten Studie wendeten die geschlossene Technik bis nach der Entbindung weiter an. Von ihnen waren 48 Stunden nach der Geburt 83,3 % noch in der TiR, es traten in dem Zeitraum 1,5 postnatale Unterzuckerungen auf.

Derzeit läuft die AiDAPT-Studie, an der 124 Schwangere mit Typ-1-Diabetes teilnehmen. Primärer Endpunkt ist der prozentuale Zeitanteil, in dem der Glukosespiegel durch ein AID-System im Bereich zwischen 63 mg/dl und 141 mg/dl liegt. Sekundär werden glykämische, geburtshilfliche und neonatale sowie psychosoziale und ökonomische Parameter ausgewertet.


Quellen:
1.Stewart ZA et al. N Engl J Med 2016; 375: 644-654; DOI: 10.1056/NEJMoa1602494
2.Stewart ZA et al. Diabetes Care 2018; 41: 1391-1399; DOI: 10.2337/dc17-2534

Kongressbericht: 13th International Conference on Advanced Technologies & Treatments for Diabetes (ATTD)