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Hormonrezeptor-Status bei Brustkrebs genau betrachten

Autor: Josef Gulden

Diese Daten werden sicherlich helfen, die Brustkrebstherapie noch zielgenauer zu machen. Diese Daten werden sicherlich helfen, die Brustkrebstherapie noch zielgenauer zu machen. © iStock/Myvector
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Brustkrebs ist oft doppelt negativ oder positiv für den Östrogen- und den Progesteron-Rezeptor. Für einfach positive Tumoren ist nicht viel bekannt über die klinische Relevanz. Deshalb analysierten Wissenschaftler SEER-Daten bezüglich der Überlebensverläufe.

Rezeptoren für Östrogen (ER) und Progesteron (PR) werden seit Mitte der 1970er-Jahre zur Indikationsstellung für endokrine Therapien beim Mammakarzinom genutzt. Die Mehrzahl der Tumoren ist positiv bzw. negativ für beide Rezeptoren, aber es gibt Ausnahmen. Da über die klinische Relevanz dieser Tatsache relativ wenig bekannt ist, analysierten chinesische Kollegen die Daten einer großen Kohorte von Brustkrebspatientinnen aus der US-amerikanischen Datenbank Surveillance, Epidemiology and End Results (SEER).

Für 823 399 Patienten, die zwischen 1990 und 2015 behandelt worden waren, lagen alle relevanten Daten vor. Bei etwa zwei Dritteln von ihnen war der Tumor doppelt positiv, bei 19 % doppelt negativ.

Doppelt positive Tumoren sind weniger aggressiv

Immerhin 12,2 % wiesen ausschließlich den ER und weitere 1,6 % nur den PR auf. ER+/PR- Tumoren waren bei den über 60-Jährigen und ER-/PR+ bei den 30–49-Jährigen häufiger. Die Gruppen unterschieden sich auch hinsichtlich klinisch-pathologischer Variablen, zum Beispiel waren doppelt positive Tumoren insgesamt weniger aggressiv.

Auch bezüglich des brustkrebsspezifischen Überlebens zeigten sich Variationen: Am besten schnitten hier diejenigen mit doppelt positiven Tumoren ab, während das Risiko bei den ER+, PR- um mehr als ein Drittel (HR 1,36; 95%-KI 1,34–1,38) und bei den ER-, PR+ um gut 60 % höher war (HR 1,61; 95%-KI 1,55–1,67). Am ungünstigsten war der Verlauf in der Gruppe mit doppelt negativen Tumoren (HR 1,27 gegenüber ER+/PR-; HR 1,07 gegenüber ER-/PR+).

Diese Daten werden sicherlich helfen, so die Autoren, die Therapie von Brustkrebspatienten noch zielgenauer zu machen. So müssen klinische Studien nun etwa darlegen, welche Rolle endokrine und Chemotherapie bei den einfach positiven Tumoren jeweils spielen. 

Quelle: Li Y et al. JAMA Netw Open 2020; DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2019.18160


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