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Blutzuckerkontrolle Joggen, Muckibude oder beides?

Autor: Dr. Miriam Sonnet

Regelmäßig betrieben, können Ausdauer- und Kraftsport die Insulinsensitivität bei Typ-2-Diabetes verbessern. Regelmäßig betrieben, können Ausdauer- und Kraftsport die Insulinsensitivität bei Typ-2-Diabetes verbessern. © iStock/Tetiana Lazunova
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Kraft- und Ausdauertraining haben beide in vielerlei Hinsicht einen positiven Einfluss auf die Gesundheit von Menschen mit Diabetes. Eine Kombination aus beidem scheint dabei am effektivsten zu sein.

Dass Menschen mit Diabetes von Bewegung profitieren, ist kein Geheimnis. Die positiven Effekte reichen von einer erhöhten Insulinproduktion im Pankreas über verringerte Entzündungen im Fettgewebe bis hin zu einer gesteigerten Insulinsensitivität in Muskeln und Leber. Aber welche Art der körperlichen Betätigung ist eigentlich besser – Ausdauer- oder Krafttraining? Professor Dr. Lars Donath von der Deutschen Sporthochschule Köln ging auf die Vorteile von Ausdauertraining ein. 

Da Diabetes mit verschiedenen Komorbiditäten einhergehen kann, sei es für Patienten wichtig, jeden „Bewegungsschnipsel“ zu sammeln und nach Möglichkeit teilweise sogar hochintensiv zu trainieren. Gleichzeitig müsse auf regelmäßige Sporteinheiten geachtet werden. Schon akute Ausdauertrainingsprozesse könnten die Insulinsensitivität verbessern, setzt man aber sechs Tage aus, so geht diese rasch wieder auf Vor-Trainings-Niveau zurück. „Wir sollten lieber versuchen, in einer höheren Frequenz als mit größeren Abständen ein hohes Volumen zu trainieren“, empfahl der Referent. 

Ein Defekt der muskulären Glukoseaufnahme

Zusammenfassend sei Ausdauertraining für die glykämische Kontrolle hilfreich und könne die Insulinsensitivität und Leistungsfähigkeit verbessern, so Prof. Donath. Dabei hätten kurze hochintensive Belastungen – etwa in Form von Sprintintervallen – einen ähnlich guten Effekt auf die Anpassung der Glukoseregulation und erforderten gleichzeitig nur ein geringeres Trainingsvolumen.

Dr. Dominik Pesta vom Deutschen Diabetes-Zentrum Düsseldorf wiederum erläuterte die Vorteile von regelmäßigem Kraftsport. Etwa 70 % bis 80 % der insulinstimulierten Glukoseaufnahme des Körpers passiert im Muskel, erklärte er. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes lasse sich der größte Teil der verminderten insulinvermittelten Zuckerverwertung mit einem Defekt der muskulären Glukoseaufnahme erklären. Allerdings lasse sich diese durch Muskelkontraktion stimulieren. 

Dr. Pesta verwies auf eine Studie, wonach sich nach einem sechswöchigen Krafttraining, das fünfmal pro Woche durchgeführt wurde, die Insulinsensitivität von Personen mit Typ-2-Dia­betes verglichen mit einer Kontrollgruppe ohne jegliches Training um fast 50 % verbesserte. Außerdem nahm die Muskelkraft um 16 % zu. In Bezug auf die Verringerung des Leberfettgehalts scheinen Kraft- und Ausdauerprogramme ähnlich effektiv zu sein. 

Krafttraining hat aber noch weitere positive Effekte:

  • Es erhöht die Knochendichte und verbessert die Gleichgewichtsfähigkeit.
  • Es reduziert epikardiales und perikardiales Fettgewebe. 
  • Es senkt das Risiko für Typ-2-Dia­betes und kardiovaskuläre Erkrankungen – ein zusätzliches Ausdauertraining verstärkt diesen Effekt.
  • Es verbessert unter anderem die Gefäß- und die Immunfunktion, den Blutdruck, die körperliche Leistungsfähigkeit, die oxidative Kapazität sowie das Blutfettprofil.

Grundsätzlich sollte Krafttraining in den Empfehlungen eine zumindest gleichrangige Position einnehmen wie Ausdauersport, meinte Dr. Pesta. Beide Referenten waren sich aber einig, dass mit einer Kombination aus beidem die besten Effekte erzielt werden können.

Kongressbericht: Diabetes Kongress 2021

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