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Kokzygodynie plagt Patienten mitunter jahrzehntelang

Autor: Ulrike Koock

Die Existenz des Krankheitsbildes Kokzygodynie wird kontrovers diskutiert. Die Existenz des Krankheitsbildes Kokzygodynie wird kontrovers diskutiert. © iStock.com/decade3d
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Unbehagen um das Steißbein, welches sich meistens durch Sitzen verschlimmert – so wurde die Kokzygodynie im Jahr 1859 erstmals beschrieben. Noch heute nehmen viele das Krankheitsbild als solches nicht ernst. Dabei gibt es durchaus gute Therapieoptionen.

Seit sie sich erinnern konnte, litt eine 51-jährige schlanke Frau unter Schmerzen im Bereich des Steißbeins. Die Stärke der täglichen Beschwerden ordnete sie zwischen 8 und 9 auf der numerischen Rating-Skala ein, als sie sich bei Privatdozent Dr. Achim Benditz und seinem Kollegen im Asklepios Klinikum Bad Abbach vorstellte. Anamnestisch waren verschiedene konservative Therapieversuche erfolglos geblieben. Eine Empfehlung hatte sogar gelautet, an Gewicht zuzulegen, um das Gesäß zu polstern.

In der Tastuntersuchung fand sich eine prominente Knochenstruktur im Bereich des Os coccygis. In der Bildgebung war der Knochen nach dorsal flektiert und zeigte sich in den Funktionsaufnahmen im Sitzen und Stehen hypermobil – typisch für eine Kokzygodynie. Allerdings leiden nur wenige Personen mit mobilem Steißbein unter Schmerzen, weshalb die Existenz des Krankheitsbildes weiterhin kontrovers diskutiert wird, so die Autoren. Ihrer Ansicht nach sollte es nicht länger als Mythos gelten.

Mobile Röntgenaufnahme beweist hypermobilen Steiß

Die Beschwerden treten häufig infolge eines Traumas auf, es gibt aber auch nicht-traumatische Kokzygodynien. Zu den möglichen Ursachen zählen degenerative Veränderungen, anatomische Varianten, Infektionen sowie eine Mobilitätstörung im Sakrokokzygealgelenk. Im Normalfall kann das Steißbein im Sitzen um 5–25° einklappen. Um eine Immobilität oder Überbeweglichkeit nachzuweisen, raten die Kollegen wie bei der 51-Jährigen zu dynamischen Röntgenaufnahmen.

Linderung nach Schmerzspritze sichert die Diagnose

Die Testinfiltration eines Lokalanästhetikums direkt in den flexiblen Bereich sichert die Diagnose. Bei einer Kokzygodynie lassen die Schmerzen deutlich nach. Die Patientin von Dr. Benditz beispielsweise gab eine 90%ige Besserung an.

Grundsätzlich steht die konservative Therapie an erster Stelle. An Behandlungsoptionen nennen die Autoren u.a.:

  • Verwendung eines Sitzrings
  • Beckenbodentraining
  • Analgesie (NSAR)
  • Manuelle Therapie, Chirotherapie, Akupunktur
  • Nervenblockaden (Lokalanästhetikum, Thermokoagulation des Ganglion impar)

Trotz teils bemerkenswerter Erfolgsraten der nicht-operativen Maßnahmen kehren die Symptome bei einem signifikanten Teil der Betroffenen zurück. Als Ultima Ratio steht dann eine OP an. Die Autoren bevorzugen die totale Kokzygektomie. Bei richtiger Patientenselektion sei sie eine sichere und erfolgreiche Methode, um die Schmerzen dauerhaft loszuwerden. Auch bei der 51-Jährigen griff man zum Skalpell. Bei den Kontrollen nach sechs und zwölf Monaten berichtete die Frau über keinerlei aktuelle Beschwerden und eine deutlich verbesserte Lebensqualität.

Ein allgemeines Problem der Exzision: In bis zu 30 % der Fälle kommt es zu Wundheilungsstörungen. Mit einem modifizierten Hautschnitt in Y-Form kann dieser Literaturwert jedoch deutlich unterschritten werden.

Quelle: Benditz A, König MA. Orthopädie 2019; 48: 92-95

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