Legionellen in Wasserdampf gefährden Senioren und Immunschwache

Autor: Maria Weiß

Legionellen gelangen z.B. mit dem Dampf von Whirlpools in die Lungen. Die Temperatur ist auch für die Bakterien sehr angenehm. © iStock/Dr_Microbe; CDC/James Gathany

Seit der eingeführten Meldepflicht im Jahr 2001 scheinen Legionelleninfektionen in Deutschland zuzunehmen. Bei Verdacht gelingt der Nachweis per Urin-Antigen-Test.

Legionellen finden im Wasser mit einer Temperatur zwischen 25 und 45 °C ideale Lebensbedingungen. Ab 60 °C sterben die gramnegativen aeroben Bakterien ab und in kaltem Wasser können sie sich nicht mehr vermehren. Besonders ältere und schlecht gewartete Wassersysteme sind anfällig für eine Legionellen-Kontamination – im Biofilm in alten Rohren tummeln sie sich besonders gerne. Trinken kann man das kontaminierte Wasser ruhig, da die Magensäure den Keimen keine Chance lässt. Ansteckungsgefahr droht aber beim Einatmen der Aerosole, heißt es im aktualisierten Ratgeber des Robert Koch-Instituts zur Legionellose.

Meist tritt die Legionellose sporadisch auf und wird in 75 % der Fälle ambulant erworben. Ambulant bedeutet in diesem Fall im privaten oder beruflichen Umfeld. Ältere, Immunsupprimierte, Raucher und Patienten mit Grunderkrankungen wie Diabetes tritt es besonders oft – Männer zwei- bis dreimal häufiger als Frauen. Größere Ausbrüche kommen in Deutschland eher selten vor und treten zumeist im Zusammenhang mit Aerosol-emittierenden Verdunstungskühlanlagen auf. Fälle in Krankenhäusern und Pflegeheimen sind ebenfalls selten, wegen der besonders vulnerablen Personengruppe aber gefürchtet. Urlauber können sich außerdem in Whirlpools von Hotelanlagen anstecken.

Keine Sonderwünsche

Da Legionellen nicht von Mensch zu Mensch übertragen werden, sind beim Kontakt zu Infizierten keine besonderen Schutzmaßnahmen erforderlich. Es sollte aber immer versucht werden, den Erkrankungsweg aufzuklären, um die Gefahr zu bannen. Das Robert Koch-Institut bietet entsprechende Fragebogen.

Legionellen können die zwei Krankheitsbilder Legionärskrankheit und Pontiac-Fieber hervorrufen. Bei der Legionärskrankheit handelt es sich um eine schwere Form der Lungenentzündung, die sich klinisch nicht von anderen Pneumonien unterscheiden lässt. Die Letalität beträgt für ambulante Fälle zwischen 5–9 %, für nosokomniale etwa 13 %. Wesentlich harmloser ist das Pontiac-Fieber mit leichten grippalen Symptomen wie Kopf- und Gliederschmerzen und trockenem Husten. Davon erholen sich die Patienten ohne Antibiotika bereits nach wenigen Tagen wieder, es reicht eine symptomatische Behandlung.

Im Falle von mittelschweren bis schweren Pneumonien sollten Sie die Legionellen-Infektion immer in die Differenzialdiagnose einbeziehen. Diagnostisch kommt i.d.R. der Urin-Antigen-Test zum Einsatz, der aber nur L. pneumophila der Serogruppe 1 erfasst – den häufigsten Keim bei ambulanten und reiseassoziierten Formen. Die Antigenausscheidung setzt bereits 24 Stunden nach Symptombeginn ein. Trotzdem sollte man immer eine Kultur aus respiratorischen Materialien zur Typisierung anlegen, um Infektionsquellen zu identifizieren. Polymerase-Kettenreaktion und direkte Immunfluoreszenz erweitern die Methodik. Die Serologie eignet sich hingegen nicht, da der Titer erst nach 6–8 Wochen ansteigt.

Die Legionellenpneumonie lässt sich mit Antibiotika wirksam bekämpfen. Bei schwerem Verlauf gelten Levofloxacin oder Moxifloxacin als Mittel der Wahl, bei milden auch Makrolidantibiotika wie Azithromyzin oder Clarithomyzin. Resistenzen spielen keine Rolle. 

Quelle: Robert Koch-Institut. Epid Bull 2019; 36: 377-383