Low fat oder low carb? Hauptsache bewusst ernähren

Autor: Ulrike Viegener

Low carb oder low fat? Scheinbar auch eine Glaubensfrage. Effektiver zeigen sich Aufklärung und Verhaltenscoaching. © iStock/Zinkevych

Welche Strategie ist zum Abnehmen besser geeignet: low fat oder low carb? Keine von beiden, sagt eine neue Langzeitstudie. Wichtiger scheint zu sein, dass Übergewichtige sich bewusst mit ihrem Essverhalten auseinandersetzen.

Angesichts der langfristig eher bescheidenen Abnehmerfolge wird viel über die optimale Abnehmstrategie diskutiert. Zwei Ernährungsweisen stehen im Fokus: „low fat“ und „low carb“. An der Frage, was besser ist, scheiden sich die Geister, wobei es sich eher um eine Glaubensfrage handelt. Die Studienergebnisse lassen es nämlich nicht zu, die eine oder andere Strategie zu favorisieren. Meist sind nach zwölf Monaten moderate Gewichtsverluste (unter 5 %) zu verzeichnen – und das ist bei beiden Ernährungsformen in etwa gleich. Andererseits zeigen die Studien unter ein- und derselben Diät eine hohe Bandbreite des Abnehmerfolgs bei verschiedenen Studienteilnehmern.

Welche Faktoren beeinflussen die Abnehmerfolge?

Deshalb kam die These auf, individuelle Charakteristika könnten möglicherweise über den Erfolg von Diä­ten mitentscheiden. Vielleicht gebe es nicht die beste Abnehm­methode schlechthin, sondern eventuell funktioniere bei manchen Übergewichtigen die „low carb“-Methode besser, während andere mit „low fat“ besser fahren. Welche individuellen Faktoren relevant sein könnten, ist spekulativ. Als Kandidaten haben Forscher die individuelle Dynamik der Insulinsekretion und das Ausmaß der Insulinsensitivität im Visier. Außerdem glauben sie, einen „low fat“-Genotyp und einen „low carb“-Genotyp und damit einen relevanten genetischen Polymorphismus ausfindig gemacht zu haben.

Ob diese Faktoren die Abnehmerfolge bei einer „low-fat“- bzw. einer „low-carb“-Diät tatsächlich beeinflussen, wurde in der DIETFITS-Studie überprüft. Aufgenommen wurden insgesamt 609 übergewichtige Erwachsene, von denen 481 (79 %) die Langzeitstudie bis zum Ende durchführten. Der BMI der Probanden bewegte sich zwischen 28 und 40 kg/m². Das Verhältnis von Männern und Frauen war annähernd gleich. Der „low fat“- und der „low carb“-Genotyp waren in beiden Gruppen in etwa gleich stark repräsentiert.

Der Genotyp spielt scheinbar keine große Rolle

Die Teilnehmer wurden randomisiert zwei Gruppen zugeteilt: 305 sollten zwölf Monate lang einer HLF-Diät (healthy low fat) und 304 einer HLC-Diät (healthy low carb) folgen. Dabei wurden keine starren Diätregime vorgegeben, vielmehr wurden die Übergewichtigen zum HLF- bzw. HLC-Ernährungskonzept geschult und sollten dann selbst auf Basis der ausgesprochenen Empfehlungen eine individuelle Form der Ernährung entwickeln, mit der sie gut zurecht kamen. Begleitend erhielten sie während der gesamten Studiendauer verhaltenstherapeutische Unterstützung.

Tatsächlich führte dieses Vorgehen zu einer relevanten Umstellung der Ernährung mit reduziertem Fett- bzw. Kohlenhydratgehalt. Die Anteile der verschiedenen Makronährstoffe sahen in den beiden Studiengruppen (HLF versus HLC) folgendermaßen aus (Mittelwerte über 12 Monate): 48 vs. 30 % für Kohlenhydrate, 29 vs. 45 % für Fette und 21 vs. 23 % für Proteine. Der Gewichtsverlust nach zwölf Monaten lag in der HLF-Gruppe im Mittel bei 5,3 kg und in der HLC-Gruppe bei 6,0 kg. Der Unterschied zwischen den beiden Gruppen war statistisch nicht signifikant. Die differenzierte Analyse ließ darüber hinaus keine Abhängigkeit des Abnehmerfolgs vom „low fat“- bzw. „low carb“-Genotyp erkennen. Und auch die Ergebnisse des Glukosetoleranztests waren für die erzielte Gewichtsreduktion nicht relevant.

Die Studienautoren zeigen sich überzeugt davon, dass die intensive Auseinandersetzung mit dem eigenen Ernährungsverhalten für den Abnehmerfolg entscheidend ist. Eine umfassende Aufklärung, die auf rigide Zielvorgaben verzichtet und von kontinuierlichem Verhaltenscoaching begleitet wird, scheint eine gute Strategie zu sein, um eine solche aktive Auseinandersetzung anzustoßen und dauerhaft zu fördern.

Quelle: Gardner Ch et al. JAMA 2018; 319(7): 667-679