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Gefäßerkrankungen bei Diabetes Luftverschmutzung, Lärm und sozioökonomische Faktoren als zusätzliches Risiko

Autor: Friederike Klein

Das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen mindern – nur einer von vielen guten Gründen für einen Umstieg auf grüne Energie. Das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen mindern – nur einer von vielen guten Gründen für einen Umstieg auf grüne Energie. © iStock/Petmal
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Nicht jeder Patient mit Diabetes entwickelt vaskuläre Komplikationen. Die Ursachen hierfür sind vielschichtig. Neben vermuteten genetischen Faktoren sind die Lebensbedingungen ein wichtiger Aspekt für den Gesunderhalt von Herz und Kreislauf – bei Menschen mit und ohne Diabetes.

Einflussfaktoren auf die Gefäßgesundheit gehen über den persönlichen Lebensstil weit hinaus, erklärte Dr. Adam­ Tabák­ vom University College London. So gibt es Hinweise darauf, dass auch Umweltfaktoren wie Luftverschmutzung das diabetesassoziierte Mortalitätsrisiko erhöhen. Das Risiko steigt

  • um gut 12 % pro 10 μg Feinstaub mehr (PM 2,5/m3), 
  • um 2,4 % pro 10 μg NO2 mehr und
  • um 6,5 % pro Interquartilrange-Anstieg von Ozon.

Eine Bleiexposition – für die Baby-Boomer-Generation, in deren Kindheit verbleites Benzin Standard war, fast normal – ist mit einem leicht erhöhten Risiko für eine diabetische Nephropathie assoziiert. 

Nicht allein für Menschen mit Dia­betes, sondern für die Allgemeinbevölkerung ist belegt, dass Lärm am Arbeitsplatz eine ischämische Herzerkrankung begünstigt.

Ein Schutzfaktor für die Gefäßgesundheit ist ein hoher Grünflächenanteil im eigenen Wohnviertel. Das senkt nach einer Metaanalyse unter anderem das Diabetesrisiko um 28 % sowie das Risiko für koronare Herzkrankheit um 8 %, für kardiovaskuläre Mortalität um 16 % und für Schlaganfall um 18 %.

Mehr kardiovaskuläre Tode in „ärmeren“ Ländern

Sozioökonomische Faktoren sind für die kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität aller Menschen relevant – unabhängig von ihrem Dia­betesstatus. So liegt die Ereignisrate der kardiovaskulären Mortalität in Ländern mit hohem Durchschnittseinkommen signifikant unter der in Ländern mit mittlerem oder niedrigem Einkommensniveau. Innerhalb einer Region spielt die sozioökonomische Stellung, beispielsweise in der Arbeitswelt, ebenfalls eine Rolle. So erwies sich das Risiko für einen kardiovaskulären Tod in einer Studie für einfache Büroangestellte um 25 % höher als für Personen im mittleren Management. 

Ähnliches belegten andere Forscher für Bildungsgrad oder Jahreseinkommen. Entsprechend wurde im BRAVO-Risikoscore der Bildungsgrad als ein kardiovaskulärer Risikofaktor mit aufgenommen. Auch Jobunsicherheit, Stress im Beruf und lange Arbeitszeiten zeigen eine klare Assoziation mit makrovaskulären Komplikationen, meinte Dr. Tabák. Allerdings gibt es hierzu keine expliziten Studien für Patienten mit Diabetes. Auch wenn die jeweilige Risikoreduktion durch Umwelt- und sozioökonomische Faktoren klein erscheinen mag, haben sie auf Populationsebene eine große Wirkung für das Risiko vaskulärer Ereignisse – für Menschen mit und ohne Diabetes.

Kongressbericht: EASD Annual Meeting 2021

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