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Machen Computerspiele psychisch krank?

Autor: Dr. Judith Lorenz

Das Daddeln am Computer kann zur Sucht werden, aber auch zu weniger Angstsymptomen führen. Das Daddeln am Computer kann zur Sucht werden, aber auch zu weniger Angstsymptomen führen. © iStock/Milan_Jovic
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„Computerspielen isst Ängste auf.“ Zugegeben, am Titel muss man vielleicht noch arbeiten. Die Richtung aber stimmt, denn wer als Kind oder Jugendlicher heute viel „zockt“, leidet später womöglich unter weniger Ängsten.

Viele Kinder und Jugendliche lieben es, in ihrer Freizeit am Computer zu „zocken“. Vereinnahmt sie dieses Hobby jedoch zu sehr, kann es zu suchtähnlichen Phänomenen kommen. Etwa dann, wenn es ihnen trotz negativer Konsequenzen für Sozial- und Freizeitleben nicht gelingt, das exzessive Daddeln zu beenden. Im DSM-5* ist die „problematische Nutzung“ von Computerspielen erstmals als pathologisches Verhalten unter dem Namen Internet Gaming Disorder (IGD) klassifiziert worden.

Diese Abhängigkeit beeinträchtigt mitunter das Leben der Heranwachsenden erheblich. Allerdings scheint sie nicht die Ursache für begleitende oder zukünftige psychiatrische Erkrankungen zu sein, wie Wissenschaftler um die Psychologin Dr. Beate­ W. Hygen­ von der Norwegian University of Science and Technology in Trondheim resümieren. Sie hatten rund 700 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 10 und 14 Jahren wiederholt zu IGD- und Symptomen anderer psychiatrischer Erkrankungen befragt, darunter Depression, Ängste, ADHS und Störung des Sozialverhaltens.

Eine problematische Computerspielnutzung trat zwar häufig gemeinsam mit psychiatrischen Symptomen auf, ein kausaler Zusammenhang lag jedoch nicht vor. Pathologisches Spielverhalten prädisponierte auch nicht für zukünftige psych­iatrische Erkrankungen, im Gegenteil: Heranwachsende mit stärker ausgeprägter IGD-Symptomatik zeigten zwei Jahre später deutlich geringere Angstsymptome.

Potenziell gemeinsame Ursachen, die sowohl der Internetspielsucht als auch den psych­iatrischen Störungen zugrunde liegen, gilt es nun weiter zu erforschen, so die Autoren.

* Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders 5

Quelle: Hygen BW et al. J Child Psychol Psychiatry 2020; 61: 890-898; DOI: 10.1111/jcpp.13289

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