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Bluthochdruck Medikamente checken, wenn Zielwerte nicht erreicht werden

Autor: Elke Engels/Stephanie Käufl

Gelingt es, durch das Weglassen oder Reduzieren blutdrucksteigernder Medikamente die Anzahl der Antihypertensiva zu senken, ist das ein wichtiger Beitrag gegen die Polypharmazie. Gelingt es, durch das Weglassen oder Reduzieren blutdrucksteigernder Medikamente die Anzahl der Antihypertensiva zu senken, ist das ein wichtiger Beitrag gegen die Polypharmazie. © iStock/Charles Wollertz
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Wenn Hypertoniker ihre Zielwerte nicht erreichen liegt das oft an blutdrucksteigernden Komedikationen. Um diese zu erkennen und zu ersetzen, sind bei der Behandlung von Hochdruckpatienten regelmäßige Medikamentenanamnesen unverzichtbar.

Viele Hochdruckpatienten erreichen trotz Therapie ihre Zielwerte nicht. Ein Grund dafür könnte die Einnahme blutdrucksteigernder Medikamente sein. Wie häufig das vorkommt, haben Dr. John Vitarello vom Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston und Kollegen anhand einer repräsentativen Übersichtsstudie mit 27.599 Erwachsenen im Alter von durchschnittlich 46,9 Jahren untersucht. Als Hochdruck wurde definiert, wenn die Person eine diagnostizierte Hypertonie hatte oder durchschnittliche Druckwerte ≥ 130 mmHg systolisch oder ≥ 80 mmHg aufwies. Bei diesen Druckwerten galt der Hochdruck zudem als unkontrolliert.

18 % der Hypertoniker (n=14.629) nahmen Medikamente ein, die den Blutdruck ansteigen lassen können. Dabei handelte es sich am häufigsten um Antidepressiva, gefolgt von NSAR, Glukokortikoiden und Östrogenen. Die Einnahme blutdrucksteigernder Medikamente erhöhte bei den Teilnehmern ohne antihypertensive Therapie das Risiko für einen unkontrollierten Hochdruck (OR=1,24), nicht aber bei denen mit laufender Hochdrucktherapie.

Für viele RR-steigernde Arzneien gibt es Alternativen

Doch auch bei denjenigen, die Hochdruckmedikamente bekamen, zeigte sich ein Effekt. Je mehr blutdrucksteigernde Medikamente die Patienten schluckten, desto höher war die Anzahl an verordneten Antihypertensiva. Das galt sowohl für Patienten mit kontrolliertem als auch mit unkontrolliertem Hochdruck.

Der Gebrauch blutdrucksteigernder Medikamente ist damit offenbar eine häufig übersehene Ursache für eine mangelhafte Blutdruckkontrolle. Hier bietet sich die Möglichkeit, die Hochdrucktherapie individuell zu verbessern, schreiben die Autoren. Denn für viele blutdrucksteigernde Medikamente gibt es Alternativen. So könne man beispielsweise statt NSAR oft Paracetamol verordnen und bei Kontrazeptiva auf nicht-hormonelle Methoden oder Mini- bzw. Gestagenpille ausweichen. Lassen sich die Wirkstoffe nicht ersetzen, bringt auch eine Dosisreduktion oft etwas. Gelingt es, durch das Weglassen oder Reduzieren blutdrucksteigernder Medikamente die Anzahl der Antihypertensiva zu senken, ist das zudem ein wichtiger Beitrag gegen die Polypharmazie. Ein weiterer Grund für Ärzte, bei der Behandlung ihrer Hochdruckpatienten regelmäßig deren Komedikation zu prüfen. 

Quelle: Vitarello JA et al. JAMA Intern Med 2021; DOI: 10.1001/jamainternmed.2021.6819

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