Mehr Mut ist gefragt: Die Darmkrebs-Prävention in Deutschland läuft noch holprig

Symposium Vision-Zero Autor: Günter Löffelmann

5. Interdisziplinäres Symposium „Innovations in Oncology“. Vision-Zero: Die Neuvermessung der Onkologie. Am 26. Juni 2019 in Berlin. © Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin

Zwar hat der G-BA die Weichen für ein organisiertes Darmkrebs-Screening gestellt, er ist dabei allerdings hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Dr. Christa Maar, Präsidentin des Netzwerks gegen Darmkrebs und Vorstand der Felix Burda Stiftung, hofft daher, dass Initiativen wie FARKOR und die „Dekade gegen Krebs“ die Krebsprävention in Deutschland voranbringen.

Mit zweijähriger Verspätung hat es der Gemeinsame Bundesausschuss 2018 dann doch noch geschafft und eine Richtlinie zum Darmkrebs-Screening veröffentlicht. Einstweilen hatten etwa die Niederlande ihr Programm längst etabliert und erreichen bis heute durchweg Teilnahmeraten über 70 %. Ein Vorbild, an dem sich der G-BA hätte orientieren können, gab es also. Zudem haben deutsche wissenschaftliche Fachgesellschaften und medizinische Berufsverbände dem G-BA Empfehlungen für ein organisiertes Darmkrebs-Screening an die Hand gegeben.

Die Initiative liegt noch immer beim Patienten

Doch was als wesentliches Erfolgskriterium angesehen wird, findet sich in der Richtlinie nicht: Der Versand des Testkits zusammen mit dem Einladungsschreiben. „Nach wie vor muss man sich den Test beim Arzt abholen und ihn auch wieder dorthin zurückbringen“, beklagt Dr. Maar. „Dieses Verfahren ist nicht geeignet, unsere sehr niedrigen Teilnahmeraten am Darmkrebs-Screening wesentlich zu erhöhen.“

Weiter kritisiert Dr. Maar, dass der G-BA Menschen unter 50 Jahren nicht berücksichtigt, die ein familiäres Risiko für Darmkrebs haben und deshalb oft schon als junge Erwachsene an diesem Krebs erkranken – obwohl das Krebsfrüherkennungsgesetz diese Möglichkeit explizit vorsieht. „Ein familiäres Risiko lässt sich durch eine einfache Maßnahme erkennen: Der Arzt fragt alle Patienten unter 50 nach Darmkrebs in der Familie. Damit er dies tut, müsste die Erhebung der Familienanamnese allerdings Pflicht werden.“ Angesichts der Zaghaftigkeit des G-BA setzt Dr. Maar nun darauf, dass neue Initiativen das Präventionsangebot in Deutschland verbessern werden.

Arbeitsgruppe Prävention ins Leben gerufen

Zu diesen Initiativen zählt etwa das bayerische Modellprojekt FARKOR (Vorsorge bei familiärem Risiko für das kolorektale Karzinom; www.farkor.de). „Es wurde ins Leben gerufen, um bei Menschen unter 50 Jahren möglichst früh das Vorliegen eines familiären Risikos für Darmkrebs zu erkennen. Betroffene können kostenfrei risikoangepasste Vorsorgemaßnahmen in Anspruch nehmen und beispielsweise altersunabhängig eine Vorsorgekoloskopie machen“, erläutert Dr. Maar. Teilnehmen können Haus- und Fachärzte, die zuvor eine zertifizierte Fortbildung absolviert haben. Die Leistungen werden extrabudgetär vergütet. „Das Maßnahmenpaket könnte nach Projektende in den Leistungskatalog der GKV übergehen“, so Dr. Maar.

Große Erwartungen schürt auch die von der Bundesregierung ausgerufene „Dekade gegen den Krebs“. Es gibt dort eine Arbeitsgruppe Prävention, in die Dr. Maar berufen wurde. „Ich werde mich dafür einsetzen, dass für die häufigsten Krebserkrankungen innovative Maßnahmen zur personalisierten Früherkennung und Vorsorge entwickelt werden.“ Ein weiteres Anliegen ist es Dr. Maar, dass Innovationen in der Krebsmedizin anders, als dies heute der Fall ist, schnell in die Praxis gelangen. Bleibt zu hoffen, dass sich am Ende der Dekade nicht der G-BA als Bremser erweist.

5. Internationales Symposium„Innovations in Oncology“

Freuen Sie sich auf spannende Vorträge und Diskussionen:

  • Voraussetzungen für die Vision- Zero
  • Prävention und Früherkennung
  • ASCO-Hotline mit Highlights vom amerikanischen Krebskongress und vom EHA
  • Innovative Therapiekonzepte
  • Smart Data in der Onkologie

Dr. Christa Maar, Vorstand Felix Burda Stiftung, Präsidentin Netzwerk gegen Darmkrebs e.V. © Felix Burda Stiftung