Meningismus: Klinisches Zeichen in der Diagnostik unzuverlässig

Autor: Dr. Alexandra Bischoff

Ist der Nacken steif, kann es viele Ursachen dafür geben. © fotolia/metamorworks

Bei dem Begriff Meningismus fällt den meisten sofort Hirnhautentzündung und Subarachnoidalblutung ein. Tatsächlich handelt es sich aber um ein unspezifisches und wenig sensitives klinisches Zeichen vieler Erkrankungen.

Der Meningismus zeichnet sich durch eine reflektorisch auftretende, häufig schmerzhafte Steifigkeit der Nackenmuskulatur aus, die durch eine spontane oder passive Beugung des Kopfes ausgelöst werden kann. Die klinische Untersuchung des Meningismus erfolgt im Liegen, wobei der Kopf und die Halswirbelsäule des Patienten durch den Arzt passiv gebeugt werden. Falls dies ohne Einschränkungen möglich ist, liegt kein Meningismus vor. Ergänzend gibt es weitere Untersuchungstechniken (s. Kasten).

Auf diese Zeichen achten

  • Brudzinski-Zeichen: Die passive Ventralflexion des Kopfes in liegender Position oder das Aufrichten lösen eine unwillkürliche Beugung von Hüft- und Kniegelenk aus.
  • Kernig-Zeichen: Der Patient liegt flach auf dem Rücken und beugt die Beine bei gestreckten Knien im Hüftgelenk. Das Kernig-Zeichen ist positiv, wenn er dabei unwillkürlich die Knie beugt.
  • Lasègue‘sches Zeichen: Flach auf dem Rücken liegend wird das gestreckte Bein im Hüftgelenk langsam passiv um 90 Grad gebeugt. Der Test gilt als positiv, wenn während der Beugung Schmerzen im Bein, Gesäß oder Rücken auftreten.

Eine Reizung der Meningen sowie der meningealen Schmerzfasern assoziieren Kollegen oftmals mit einer Blutung im Liquorraum oder einer erregerbedingten Entzündung. Dies gilt insbesondere, wenn zusätzliche Symptome wie Photophobie, Kopfschmerzen oder Fieber auftreten. Entgegen der weitläufigen Meinung ist der Meningismus jedoch weder sehr sensitiv noch spezifisch, schreibt Professor Dr. Helge Topka von der Neurologie des Klinikums Bogenhausen in München.

Nackensteifigkeit fehlt bei Kindern häufig

Insbesondere in der Frühphase einer bakteriellen Meningitis sowie bei Kindern oder komatösen Patienten mit Meningitis fehlt die typische Nackensteifigkeit häufig. Andererseits kann ein Meningismus auch im Rahmen von anderen Erkrankungen wie Endokarditis, Urämie, Pneumonie und Herpes zoster auftreten. Deshalb rät der Autor, neben der Nackensteifigkeit unbedingt auch auf mögliche Begleitsymptome und -befunde zu achten.

Treten Fieber, Kopfschmerzen und Photophobie gemeinsam mit einer Nackensteifigkeit auf, spricht man von einem meningitischen Syndrom. Die Patienten können zudem unter Bewusstseinsstörungen, Übelkeit oder Erbrechen leiden. Selbst wenn mehrere Begleitsymptome einer erregerbedingten Meningitis fehlen, ist das noch lange kein Grund, auf eine Liquoruntersuchung zu verzichten. Insbesondere bei Fieber sollte immer eine Lumbalpunktion erfolgen.

Etwa zwei Drittel der Patienten mit einem Waterhouse-Friderichsen-Syndrom weisen im Rahmen einer Meningokokken-Sepsis petechiale Exantheme oder eine Purpura fulminans mit Hautnekrosen auf. Besteht zudem eine Myelitis, sollten Sie auch an Polio, FSME und Infektionen mit Enteroviren oder West-Nil-Virus denken. Hirnstammsymptome können beispielsweise auf HSV-Infektionen, Listeriose oder Erkrankungen durch Mykobakterien, Borrelien, Tropheryma whipplei sowie Aspergillus hinweisen.

Mit oder ohne meningitische Zeichen – allein bei bloßem Meningitis-Verdacht sollte sofort mit einer antibiotischen Therapie begonnen werden (inkl. initialer Kortikoidgabe) und eine Lumbalpunktion erfolgen. Außerdem müssen mittels Bildgebung eine Blutung oder andere strukturelle Ursachen ausgeschlossen werden.

Meningitisches vs. meningeales Syndrom

Manche Autoren halten den Kinn-Sternum-Abstand für eine geeignete Verlaufskontrolle, da sich insbesondere bei Patienten mit einer höhergradigen Liquorpleozytose (> 1000 Zellen/ml) auch häufiger ein positives Meningitis-Zeichen findet. Inwieweit das Ausmaß einer Meningitis mit dem Tonus der Nackenmuskulatur korreliert, ist bisher jedoch noch nicht untersucht worden.

Die Trias aus plötzlichem Vernichtungskopfschmerz, Photophobie und Meningismus wird hingegen als meningeales Syndrom bezeichnet und ist typisch für die Subarachnoidalblutung (SAB). Beim Terson-Syndrom kommt es zusätzlich zu einer Glaskörpereinblutung.

Quelle: Topka H. Fortschr Neurol Psychiatr 2018; 86: 287-289