Migränepatienten haben häufiger Infarkte und Thrombosen

Autor: Dr. Judith Lorenz

Was schlecht für den Kopf ist, schadet auch dem Herzen. © iStock/stonelm4

Migränepatienten haben nicht nur ein erhöhtes Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko. Die neurovaskuläre Störung prädisponiert zudem für weitere Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Wissenschaftler von der Abteilung für klinische Epidemiologie der Universität Aarhus haben die Registerdaten von mehr als 51 000 Migränepatienten ausgewertet, um das Risiko der Betroffenen für verschiedene kardiovaskuläre Erkrankungen zu objektivieren. Das Vergleichskollektiv bildeten mehr als 510 000 gesunde Dänen. Das durchschnittliche Alter beider Gruppen lag zu Anfang bei 35 Jahren.

Nach der neunzehnjährigen Nachbeobachtungszeit waren die Migränepatienten bezüglich der Mehrzahl der Studienendpunkte im Nachteil: Außer einem rund 1,5-fach erhöhten Risiko für einen Myokardinfarkt sowie einem etwa 2,3- bzw. 1,9-fach erhöhten Risiko für einen ischämischen bzw. hämorrhagischen Infarkt bestand auch im Hinblick auf venöse Thromboembolien sowie Vorhofflattern oder -flimmern eine höhere Erkrankungswahrscheinlichkeit (ca. 1,6 und ca. 1,3). Am stärks­ten gefährdet waren die Patienten im ersten Jahr nach der Migränedia­gnose. In diesem Zeitraum erhöhte sich die Wahrscheinlichkeit für einen ischämischen bzw. hämorrhagischen Infarkt um das Achtfache. Zusätzlich gingen eine Migräne mit Aura sowie weibliches Geschlecht mit einem erhöhten Risiko einher.

Trotz geringer absoluter Zahlen ist die Bedeutung relevant

Die Wissenschaftler um den Epidemiologen Dr. Kasper­ Adelborg­, Aarhus Universitätshospital, schlussfolgern: Trotz des geringen absoluten Erkrankungsrisikos für den einzelnen Betroffenen, das vermutlich auf die relativ junge Kohorte zurückzuführen ist, besteht eine große gesellschaftliche Bedeutung. Und zwar aufgrund der hohen Migräneprävalenz. Zukünftig müsse man klären, von welchen Präventionsmaßnahmen – beispielsweise einer prophylaktischen Antikoagulation – Risikopatienten profitieren.

Quelle: Adelborg K et al. BMJ 2018; 360: k96