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Mindfulness-Übungen lindern Ängste von Tumorpatienten

Autor: Dr. Judith Lorenz

Zumindest mittelfristig haben die Achtsamkeitsübungen einen positiven Effekt. Zumindest mittelfristig haben die Achtsamkeitsübungen einen positiven Effekt. © iStock/fizkes
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Achtsamkeitbasierte Stressreduktion, kognitive - und Kunstherapie können Ängste von Krebspatienten lindern. Und zwar schnell und mittelfristig. Die Langzeiteffekte sind bislang jedoch wenig erforscht.

Es überrascht wenig, dass viele Tumorpatienten unter Angstzuständen oder einer Depression leiden. Schätzungen zufolge berichtet etwa jeder fünfte Betroffene im Zuge seiner Erkrankung von solchen Symptomen. Neben der Dia­gnose selbst ist es oftmals die Therapie, die Alltag und Lebensqualität Betroffener massiv beschneidet.

Um aktiv etwas gegen Ängste zu tun, nutzen immer mehr Krebskranke Achtsamkeitsübungen. Achtsamkeit oder englisch Mindfulness bedeutet, den gegenwärtigen Moment bewusst und konzentriert wahrzunehmen, ohne sich von Gedanken oder Gefühlen ablenken zu lassen bzw. diese zu bewerten.

Stressreduktion, Kunst und kognitive Therapie

Ob sich mithilfe solcher Techniken die Schwere der Ängste von Tumorpatienten tatsächlich lindern lassen, untersuchten kürzlich Forscher um die Pädiaterin Dr. Sapna­ Oberoi­ von der University of Manitoba. Für ihre Metaanalyse nutzten sie Daten von mehr als 3000 erwachsenen Krebserkrankten aus 28 randomiert-kontrollierten Studien. Augenmerk der Autoren lag primär auf der Frage, wie stark die Schwere der Angstsymptomatik durch gängige Techniken wie die achtsamkeitsbasierte Stressreduktion, kognitive Therapie oder Kunsttherapie im Vergleich zu Standardversorgung, Warteliste oder keiner Intervention zurückging.

Es zeigte sich, dass die im Median achtwöchigen Mindfulness-Interventionen mit einer signifikanten Reduktion der Angstbeschwerden assoziiert war. Und das sowohl kurzfristig, also innerhalb eines Monats, als auch mittelfristig, sprich ein bis sechs Monate nach dem Programm. Über diese Phase hinaus scheint der Vorteil gegenüber den Kontrollen jedoch zu verschwinden, da sich keine bedeutsamen Gruppenunterschiede mehr zeigten. Allerdings wurde ein Zeitraum von mehr als sechs Monaten nur in zwei Studien untersucht.

Langzeiteffekte bislang nur selten erforscht

Auch im Hinblick auf die kurz- und mittelfristige Depressionsstärke sowie die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Teilnehmer wirkten sich die Achtsamkeitsübungen günstig aus. Dabei hingen die kurzfristigen Effekte weder von der Art der Krebserkrankung noch von der Phase der Tumortherapie ab, in der die Interventionen durchgeführt wurden.

Der positive Einfluss von Achtsamkeitsübungen kann bei Krebs­patienten bis zu einem halben Jahr anhalten, schlussfolgern die Forscher. In weiteren Studien sollte man nun die Langzeiteffekte sowie die Wirkung auf andere Kollektive wie Kinder untersuchen. 

Quelle: Oberoi S et al. JAMA Netw Open 2020; 3: e2012598; DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2020.12598

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