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Initiale orthostatische Hypotonie Mit einfachen Manövern in der Senkrechten bleiben

Autor: Dr. Elke Ruchalla

Durch die beiden Manöver PREACT und TENSE berichteten die Patienten von wesentlich geringeren Beschwerden als beim Kontrollversuch. 
Durch die beiden Manöver PREACT und TENSE berichteten die Patienten von wesentlich geringeren Beschwerden als beim Kontrollversuch. © iStock/GlobalStock
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Nach dem Aufstehen direkt umkippen: klassisches Zeichen für eine initiale orthostatische Hypotonie. Doch diesem Kollaps lässt sich durch simple Maßnahmen vorbeugen.

Initiale orthostatische Hypotonie – dieser Zungenbrecher meint nichts anderes als eine Orthostasereaktion, bei der sich der systolische Blutdruck unmittelbar nach dem Aufstehen um mindestens 40 mmHg oder der diastolische Druck um mindestens 20 mmHg nach unten verabschiedet. Der Druck erholt sich meist innerhalb von 45 bis 60 Sekunden wieder, aber in dieser Zeit kann es durchaus zu Synkopen kommen. Als Ursache vermutet man u.a. eine exzessive Vasodilatation, ausgelöst durch die starke Aktivierung unterer Muskelgruppen beim Aufstehen.

Nasia Sheikh von der Cumming School of Medicine an der Universität Calgary und ihre Kollegen haben nun zwei Manöver miteinander verglichen, die diese Reaktion verhindern oder abschwächen könnten. Bei PREACT sollten die Testpersonen die Muskulatur der unteren Körperhälfte vor dem Aufstehen aktivieren, indem sie mehrfach die Knie anhoben. Bei TENSE dagegen forderten die Wissenschaftler sie auf, nach dem Aufstehen die Beine zu überkreuzen und die Muskulatur anzuspannen.

In ihre Untersuchung nahmen sie 24 junge Frauen auf, die mehr als vier (Prä-)Synkopen pro Monat durch diese orthostatische Hypotonie erleiden. Die Teilnehmerinnen mussten drei Aufstehtests (aus dem Sitzen) absolvieren, wobei kontinuierlich Herzfrequenz und Blutdruck gemessen wurden.

Der erste Test erfolgte immer ohne jegliche präventive Maßnahme (Kontrolle), gefolgt von TENSE bzw. PREACT in zufälliger Reihenfolge. Nach Abschluss der 3 Versuche fanden die Forscher einen wesentlich geringeren Blutdruckabfall nach PREACT im Vergleich zur Kontrollsituation, nämlich um 21 mmHg gegenüber 28 mmHg. Noch ausgeprägter war der Unterschied bei TENSE mit 18 mmHg vs. 28 mmHg in der Kontrolle.

Befragte man die Frauen nach ihren Symptomen in den drei Situationen (Schwindel, Verschwommensehen etc.), so gaben alle nach PREACT und TENSE wesentlich geringere Beschwerden an als beim Kontrollversuch.

Studien auch mit Männern geplant

Diese beiden einfachen Manöver können Betroffenen mit initialer orthostatischer Hypotonie also helfen, nach dem Aufstehen in der Senkrechten zu bleiben. Allerdings, so räumen die Kollegen ein, waren in dieser Studie alle Versuchsteilnehmer Frauen, obwohl auch das sog. starke Geschlecht an den Beschwerden leiden kann. Während sie allerdings noch nach männlichen Versuchskaninchen suchten, machte der Beginn der Coronapandemie zunächst einmal der Forschung ein Ende. Nun sollen Studien mit beiden Geschlechtern folgen, in denen die Wissenschaftler dann auch eventuelle geschlechtsabhängige Unterschiede untersuchen werden.

Quelle: Sheikh NA et al. Heart Rhythm 2022; DOI: 10.1016/j.hrthm.2021.12.030

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