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Mit grünem Tee gegen Krebs?

Autor: Dr. Judith Lorenz

Gegen grünen Tee als Getränk ist zwar nichts einzuwenden, wohl aber gegen hoch dosierte Extrakte. Gegen grünen Tee als Getränk ist zwar nichts einzuwenden, wohl aber gegen hoch dosierte Extrakte. © Nishihama – stock.adobe.com
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Grünen Tee zur Krebsprävention? Viele Studien deuten das an. Doch wie so oft hat die Sache einen Haken.

Geschmäcker sind bekanntlich verschieden: Während der eine am liebsten grünen Tee trinkt, hält es ein anderer mit den Briten und bevorzugt schwarzen. Auch der Oolong schart eine immer größere Fangemeinde um sich. Allen Sorten gemein ist, dass sie aus der echten Teepflanze (Camellia sinensis) gewonnen werden und vor Flavonoiden strotzen. Dazu gehören zum Beispiel die Catechine, deren antioxidative Eigenschaften in der Forschung nicht unbemerkt geblieben sind. So deuten Laboruntersuchungen an, dass Catechine die Proliferation von Tumorzellen hemmen. Ähnlich optimistisch lesen sich einige epidemiologische Studien, nach denen vor allem grüner Tee eine krebspräventive Wirkung entfalten soll.

Dem entgegen steht nun eine systematische Auswertung publizierter Studien von Dr. Tommaso­ Filippini­, Epidemiologe an der Universität Modena, und Kollegen.

Geringere Inzidenz, aber gleiche Sterblichkeit

Anhand von 142 abgeschlossenen sowie zwei andauernden Studien mit mehr als 1,1 Millionen Teilnehmern beleuchteten sie den Zusammenhang zwischen grünem Tee und der Tumorinzidenz und -mortalität. In den nicht-experimentellen Untersuchungen wurde jeweils der höchste Teekonsum mit dem niedrigsten verglichen. Es zeigte sich, dass Vieltrinker eine um 17 % niedrigere Krebsinzidenz aufweisen. Zusammenhänge zur Sterblichkeit fanden sich dagegen nicht.

Die Probanden der experimentellen Arbeiten sollten entweder Grünteeextrakt oder Placebo schlucken. Das Supplement ging mit einem geringeren Risiko für Prostatakarzinome einher (Relatives Risiko, RR 0,50). Allerdings war die Wahrscheinlichkeit für gynäkologische Malignome erhöht (RR 1,50). Wer Grünteekapseln zu sich nahm, berichtete außerdem von einer etwas besseren Lebensqualität – jedoch um den Preis vermehrter Nebenwirkungen wie gastrointestinale Störungen, Schlaflosigkeit oder ein Anstieg der Blutdruckwerte.

Die Autoren mahnen, diese Befunde nicht überzuinterpretieren. Methodische Defizite der Studien würden deren Interpretier- und Generalisierbarkeit einschränken.

Zweifel an der Aussagekraft

Für eine belastbare Evidenz liegen zu wenige gute Untersuchungen vor, viele konnten zudem nur mit geringen Teilnehmerzahlen aufwarten. Ein Großteil sei zudem an asiatischen Populationen durchgeführt worden, in denen traditionell mehr Tee als beispielsweise in Europa getrunken wird. Gegenwärtig warnen die Autoren vor der Einnahme hoch dosierter Grünteeextrakte.

Quelle: Filippini T et al. Cochrane Database Syst Rev 2020; 3: CD005004; DOI: 10.1002/14651858.CD005004.pub3

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