Mit Sauerstoff gegen die Strahlenzystitis

Autor: Dr. Miriam Sonnet

Bei der Behandlung wird reiner Sauerstoff geatmet. Bei der Behandlung wird reiner Sauerstoff geatmet. © iStock/dkidpix

Nach einer Radiotherapie der Beckenregion kann eine späte Strahlenzystitis auftreten. Die Beschwerden lassen sich mit einer hyperbaren Sauerstoff­therapie lindern. Das wurde nun auch im randomisierten Setting demonstriert.

Die Therapie der Strahlenzystitis erfolgt u.a. mit anticholinergen Medikamenten und dem Training der Beckenbodenmuskulatur. Eine weitere Behandlungsoption steht mit der hyperbaren Sauerstofftherapie zur Verfügung, für die aber bisher kaum Evidenz in der Literatur zu finden ist.

Schwedische Wissenschaftler um Dr. Nicklas Oscarsson, Angereds Närsjukhus, Angered, schlossen in ihre Phase-2/3-Studie Patienten ein, die sich innerhalb der letzten sechs Monate vor Studienbeginn einer Strahlentherapie der Beckenregion unterzogen und daraufhin eine Strahlenzystitis entwickelt hatten.

42 von ihnen wurden fünfmal pro Woche einer hyperbaren Sauerstoff­therapie ausgesetzt. Dabei wird unter erhöhtem Umgebungsdruck reiner Sauerstoff eingeatmet. Das soll die Mobilisierung von Stammzellen stimulieren, die Neoangiogenese erhöhen und Entzündungen verringern. Eine andere Gruppe, bestehend aus 45 Teilnehmern, erhielt eine Standardbehandlung.

Bei fast drei Vierteln verbessern sich Beschwerden

Die Per-Protokoll-Population reduzierte sich auf 40 bzw. 34 Patienten. Die Symptome der späten Strahlenzystitis ermittelten die Forscher mit dem EPIC*-Score, die gesundheitsbezogene Lebensqualität mittels SF-36**-Fragebogen.

Während der Studie erhöhte sich der EPIC-Score bei Patienten mit hyperbarer Therapie um 17,8 Punkte. In der Kontrollgruppe waren es 7,7 Punkte, was einen Unterschied von 10,1 Punkten bedeutet (95%-KI 2,2–18,1; p = 0,013). Die Per-Protokoll-Analyse zeigte sogar eine Differenz von 11,4 Punkten (95%-KI 3,5-19,2; p = 0,0047). Laut den Autoren war ein Unterschied von 9 Punkten von klinischer Bedeutung.

Gemessen daran verbesserten sich bei 29 Patienten (73 %) unter hyperbarer Sauerstofftherapie die Beschwerden der Strahlenzystitis. Neun Teilnehmer (23 %) zeigten keine Änderung und bei zweien (5 %) verschlechterten sich die Symptome. Auch die Werte des SF-36 verbesserten sich in der Gruppe unter Sauerstofftherapie signifikant, während sie sich bei Patienten des Kontroll­arms nicht veränderten.

Leichte Probleme beim Druckausgleich möglich

17 Teilnehmer (41 %) des Prüfarms entwickelten Nebenwirkungen des Grads 1 oder 2. Darunter waren unter anderem Schwierigkeiten beim Druckausgleich, die zu Schmerzen führten, sowie Barotraumen und Myopien.

Die hyperbare Sauerstofftherapie kann die Beschwerden einer späten Strahlenzystitis lindern, resümieren die Autoren. Es sei eine sichere Behandlung, die von den Patienten gut vertragen wurde.

* Expanded Prostate Index Composite
**36-item Short Form

Quelle: Oscarsson N al. Lancet Oncol 2019; DOI: 10.1016/S1470-2045(19)30494-2