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Mukositis unter Krebstherapie: Haushaltsprodukt schlägt medizinischen Honig

Autor: Manuela Arand

Die aktuelle S3-Leitlinie zur Supportivtherapie erteilt dem Lutschen von Honig eine Absage – zu Unrecht. Die aktuelle S3-Leitlinie zur Supportivtherapie erteilt dem Lutschen von Honig eine Absage – zu Unrecht. © iStock/Wojtek Skora
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Gegen die orale Mukositis unter einer Krebstherapie können Sie Patienten ein einfaches Hausmittel empfehlen: Honig. Aber bitte nicht den teuren Manuka-Honig – der schadet mehr als er nutzt.

Komplementärmedizinische Maßnahmen spielen eine wichtige Rolle bei der Prophylaxe und Therapie chemotherapieinduzierter Schleimhautschäden. Die aktuelle S3-Leitlinie zur Supportivtherapie führt als evidenzbasierte Verfahren nur Mundhygiene, Meiden von Noxen und prophylaktische Kryotherapie während der Chemotherapie auf in Form des 30-minütigen Lutschens von Eiswürfeln. Professor Dr. Karsten Münstedt von der Frauenklinik Offenburg Ebertplatz des Ortenau Klinikums Offenburg wies darauf hin, dass die Kryotherapie bei allen Formen der Chemotherapie Sinn mache und nicht nur, wie in der Leitlinie festgehalten, bei Behandlung mit 5-Fluorouracil. Einer Metaanalyse von 2015 zufolge halbiere dies das Mukositisrisiko.

Prophylaktisch und therapeutisch effektiv

Zu den vielen Strategien, denen die Leitlinie eine Absage erteilt, gehört das Lutschen von Honig. „Das Thema muss sicher noch einmal neu bewertet werden“, betonte Prof. Münstedt. Er zitierte eine Metaanalyse von vier Studien aus der pädiatrischen Onkologie, bei der die Chemotherapie vergleichsweise hoch dosiert wird. Honig erwies sich als gegen die Mukositis als prophylaktisch und therapeutisch effektiv, auch wenn sich die Wirksamkeit im Vergleich zu etablierten Strategien derzeit nicht beurteilen lässt.

Für eine Übersichtsarbeit hat der Gynäkologe selbst 17 Studien ausgewertet.1 Von diesen fanden 13 einen positiven Effekt bei Prophylaxe und Therapie, vier andere nicht. Auffällig: Alle Studien mit negativem Ergebnis wurden ausschließlich mit Manuka-Honig durchgeführt, die übrigen nur mit anderen Honigsorten.

Hobbyimker Prof. Münstedt hat dafür eine wissenschaftlich fundierte Erklärung: Manuka-Honig enthält das Zellgift Methylglyoxal. Das macht ihn zwar hervorragend geeignet zur Therapie eitriger Wunden, an den durch die Krebstherapie ohnehin geschädigten Schleimhäuten übt er aber hohe lokaltoxische Wirkungen aus. Hochwertige Studien, denen in nachfolgenden Analysen vermehrt Gewicht beigemessen wurde, testeten den auch als „medizinischer Honig“ gehandelten Manuka- Honig. Wissenschaftlich weniger beachtete Studien verwendeten dagegen gewöhnlichen Haushaltshonig.

Ärzte können Honig empfehlen, wenn eine Bestrahlung im Mundbereich oder eine Chemo mit hohem Mukositisrisiko ansteht. Prof. Münstedt rät, je einen Teelöffel davon eine Stunde vor und direkt nach der Radiatio sowie vier Stunden später im Mund zu verteilen und möglichst lange zu halten. Ob Patienten den Honig ausspucken oder herunterschlucken, bleibt ihnen überlassen. In Studien hatte diese Strategie auch einen positiven Effekt auf das Gewicht: Die Honiggruppen nahmen viel weniger ab als Kontrollgruppen, die den Mund mit NaCl spülten.

Danach das Zähneputzen nicht vergessen!

Wichtig ist natürlich, anschließend den Mund auszuspülen und die Zähne zu putzen, sonst droht Karies. Auch hinsichtlich der Low-Level-Lasertherapie „müsste man die Leitlinie heute umschreiben“, befand Prof. Münstedt. Das letzte Update stammt von 2016, doch danach ist eine Metaanalyse erschienen, die dem Kaltlichtlaser eine ähnliche Effektivität in der Prophylaxe der oralen Mukositis zuspricht wie den Eiswürfeln.2

Quellen:
1. Münstedt K et al. Complement Ther Clin Pract 2019; 34: 145-152; DOI: 10.1016/j.ctcp.2018.11.016
2. He M et al. Eur J Pediatr 2018; 177: 7-17; DOI: 10.1007/s00431-017-3043-4

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