Anzeige

Neue Anwendung für die Mammographie

Autor: Dr. ­Angelika ­Bischoff

Eine geringe Brustdichte geht mit einem hohen regionalen Fettgehalt einher und vice versa. Eine geringe Brustdichte geht mit einem hohen regionalen Fettgehalt einher und vice versa. © Science Photo Library/PHANIE/VOISIN
Anzeige

Weisen Frauen mit Brustkrebs eine geringe mammographische Dichte auf, so erhöht sich scheinbar das Risiko, nach einer axillären Dissektion an einem Lymphödem zu erkranken. Kanadische Forscher entwickelten nun ein Instrument, mit dem sich nicht nur das Auftreten, sondern auch der Schweregrad vorhersagen lässt.

Eine von fünf Mammakarzinom-Patientinnen, die sich einer axillären Dissektion der Lymphknoten unterziehen, entwickelt ein Lymphödem. Dieses muss frühzeitig erkannt und behandelt werden. Daher ist es wichtig, besonders gefährdete Frauen zu identifizieren. Gebräuchliche Risikoscores orientieren sich an Tumor- und Therapiefaktoren.

Brustdichte korreliert mit dem regionalen Körperfett

Auch andere biologische Aspekte wie der BMI scheinen eine Rolle zu spielen. Mit ihm lässt sich grob die Menge an Körperfett bestimmen. Dies ist insofern von Interesse, als dass hohe Lipidlevel Ödeme bedingen können. Der BMI stellt allerdings nur einen mittelmäßigen Surrogatparameter dar.

Eine Gruppe von Forschern um Dr. Jennifer­ Yin Yee Kwan ­von der Universität Toronto fokussierten sich auf die mammographische Dichte der Brust, die mit dem regionalen Körperfett korreliert.1 Sie wollten herausfinden, ob sich damit das Auftreten und der Schweregrad eines Lymphödems vorhersagen lassen. Die geringste Brustdichte ist nach dem BI-RADS*-Score mit dem höchsten Fettgehalt assoziiert.

Anhand elektronischer Patientendaten des Cancer Rehabilitation and Survivorship Program entwickelten die Forscher ein Modell, in welches die mammographische Dichte zusammen mit etablierten Risikofaktoren einfloss. Insgesamt schlossen sie 373 Frauen mit Erstdiagnose Mammakarzinom für die Analyse ein und unterteilten sie in eine Trainings- und eine Validierungskohorte. Etwa 20 % der Teilnehmerinnen entwickelten innerhalb eines Jahres ein Lymphödem.

Schwere Lymphödeme ließen sich besser voraussagen

Durch eine multivariate lineare Regression ermittelten die Autoren fünf unabhängige prognostisch relevante Faktoren: das Alter, den BMI, die mammographische Brustdichte, die Zahl befallener Lymphknoten sowie die axilläre Lymphknotendissektion. Patientinnen mit der geringsten Brustdichte hatten dabei das höchste Risiko, ein schweres Lymphödem zu entwickeln.

In beiden Kohorten zeigte sich eine signifikante, mittelstarke Korrelation zwischen dem gemessenen und vorher mit dem Prognosemodell geschätzten Volumen des Lymph­ödems. Mehr als drei Viertel der vorhergesagten Volumina wichen weniger als 200 ml von den gemessenen Werten ab. In der Prädiktion eines schweren Lymphödems (ab 501 ml) war das Modell etwas genauer als in der Vorhersage einer leichten Erkrankung (ab 200 ml).

Insgesamt erlaube die Strategie eine Risikostratifizierung der Patientinnen in vier Subgruppen, schreiben die Wissenschaftler:

  • Frauen, die wahrscheinlich kein Lymphödem entwickeln
  • Frauen, die wahrscheinlich eingeschränkt Lymphödeme entwickeln (Volumen bis 200 ml)
  • Frauen, die wahrscheinlich ein leichtes Lymphödem entwickeln (201–500 ml)
  • Frauen, die wahrscheinlich ein schweres Lymph­ödem entwickeln (ab 501 ml)

In ihrem Editorial bewertet Dr. Maggie­ Lee DiNome­, University of California, Los Angeles, die Berücksichtigung der mammographischen Dichte als attraktive und praktikable Option, um Risikopatientinnen noch besser zu identifizieren.2 Das gelte insbesondere deshalb, weil Mammographien ohnehin vorhanden seien und entsprechend ausgewertet werden könnten.

*Breast Imaging, Reporting & Data System

Quellen:
1. Kwan JYY et al. JAMA Network Open 2020; 3: e2024373; DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2020.24373
2. DiNome ML. A.a.O; e2024923; DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2020.24923

Anzeige