Nur dysfunktionale Fettzellen machen den Menschen krank

Autor: Dr. Susanne Gallus

Nur das weiße Fett macht einen Bierbauch und auch der Diabetes ist nicht weit entfernt. © iStock/Spauln

Fett ist nicht gleich Fett: Die unterschiedliche endokrine Aktivität der Adipozyten und das Ausmaß der Fettgewebsfibrose machen den Unterschied zwischen gesunden und kranken Dicken.

Fettgewebe kann ektope Fettablagerungen verhindern, Körpergifte abpuffern und über Adipokine steht es mit Immunzellen und Organen in Kontakt, sagte Privatdozent Dr. Jörn M. Schattenberg von der Mainzer Universitätsmedizin. Im Allgemeinen wird zwischen braunem und weißem Fettgewebe unterschieden. Das braune multilokuläre Gewebe ist für Thermogenese und Glukose-Homöostase wichtig. Bei Kindern findet man es z.B. zwischen den Schulterblättern. Diese gesunden Fettzellen schütten Adipokine aus, die u.a. entzündungs-, fibrose- und adipositashemmend wirken. Zudem erhöhen sie die Insulinsensitivität und beschleunigen das Sättigungsgefühl.

Reines weißes Fettgewebe dagegen verursacht Bierbäuche, Leberschäden, Arteriosklerose, Diabetes und andere metabolische und sogar neurologische Erkrankungen. Dieses dysfunktionale Fett kann nicht für die Thermogenese verwendet werden und befeuert u.a. über TNF-α-Ausschüttung die Insulinresistenz und inflammatorische Prozesse. Als Zwischenform ist mittlerweile das beige Fett bekannt, erklärte Dr. Schattenberg. Es ist bei Erwachsenen beispielsweise im Nacken- und Nierenbereich lokalisiert und kann immerhin für die Wärmeproduktion genutzt werden.

Zusätzlich verursachen die proinflammatorischen Adipokine aus dem dysfunktionalen Fett eine Fettgewebsfibrose. In Studien korrelierte der Anteil an perilobulärer und perizellulärer Fibrose mit dem Therapieerfolg: Patienten mit stark fibrotischen Bereichen sprachen schlechter auf bariatrische Operationen an, berichtete Dr. Schattenberg. Deshalb werden medikamentöse Ansätze mit organspezifischer Wirkung z.B. zur Leberentfettung wahrscheinlich zukünftig mehr an Bedeutung gewinnen, schätzt der Experte.

Quelle: 125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin