Orangensaft nicht zwischen den Mahlzeiten trinken

Autor: Dr. Anja Braunwarth

Drei Gläser O-Saft tranken die Probanden am Tag. © fotolia/babimu; iStock.com/Okea

Wer gern Süßes trinkt, sollte das zu den Mahlzeiten tun und nicht dazwischen. Zum Essen getrunken verringert z.B. Orangensaft die spontane Energieaufnahme. Noch besser funktioniert das Ganze mit Wasser.

Zugegeben: Im direkten Vergleich mit Wasser gelten gesüßte Getränke nicht gerade als abnehmfreundlich. Doch auch kalorienreiche Getränke wie Orangensaft können beim „Wenigeressen“ helfen, sagte Professor Dr. Dr. Anja Bosy-Westphal von der Abteilung Humanernährung an der Universität Kiel. Wenn man sie nicht zwischen den Mahlzeiten trinkt.

Zu diesem Ergebnis kamen Forscher in einer aktuellen Studie mit 26 Teilnehmern. Diese nahmen drei Mahlzeiten pro Tag zu sich und deckten 20 % ihres Energiebedarfs mit Orangensaft. Während sie so zunächst für zwei Wochen im Schnitt 3 x 425 ml O-Saft zu Frühstück, Mittag- und Abendessen konsumierten, tranken sie in den folgenden 14 Tagen die gleiche Menge nur zwischen den Mahlzeiten.

Beim Konsum „zwischendurch“ verzeichneten die Wissenschaftler einen leichten Anstieg in der Körperfettmasse der Probanden. Genossen diese ihre Getränke parallel zur festen Nahrung, verringerte sich die spontane Energieaufnahme, erklärte Prof. Bosy-Westphal. Noch besser funktioniert es allerdings mit Wasser. Egal, ob 30 Minuten vor dem Essen oder direkt dazu, ob übergewichtig oder schlank: Das kalorienfreie Getränk reduziert die Ad-libitum- Energieaufnahme um 22 %.

Low fat, low carb oder low irgendwas?

Trotz enormer Bemühungen und Aufklärung lässt sich das Problem der Adipositas nicht in den Griff kriegen. Ganz im Gegenteil steigt die Rate an Übergewichtigen stetig an. Professor Dr. Stephan Bischoff vom Institut für Ernährungsmedizin der Universität Hohenheim macht dafür v.a. fehlende Präventionsprogramme für Erwachsene verantwortlich. „Bei ihnen steigt die Prävalenz am stärksten.“

Was aber soll man Abnehmwilligen raten? Low fat, low carb oder irgendein anderes low? Eines der härtnäckigsten Gerüchte, wonach fettreiche Kost die kardiovaskuläre Mortalität erhöht, wurde mittlerweile durch ein umfassendes Review entkräftet.

Dass viel Eiweiß dick machen kann, gilt dagegen als erwiesen, wird aber kaum berücksichtigt. Und Zucker? Hat man schon eher auf dem Schirm. Zu Recht, findet Prof. Bischoff. Eigentlich müsste man an der größten Stellschraube, den gesüßten Getränken, ansetzen, „aber das funktioniert kaum auf freiwilliger Basis, sondern nur über Verbote“.

Dass sich Bewegung auf die Verzehrmenge auswirkt, wies die Kollegin im eigenen Labor an normgewichtigen Freiwilligen nach. Waren die Probanden inaktiv, litten sie trotz gleicher Energiebilanz stärker unter Hunger und einem geringeren Völlegefühl. Passend dazu lagen ihre Ghrelinspiegel höher, sie schütteten also mehr des appetitanregenden Hormons aus.

Quelle: Ernährung 2018