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Osteoporose: Zur Langzeittherapie fehlen harte Fakten

Autor: Dr. Andrea Wülker

Die besten Daten zur Frakturhäufigkeit bei einer langfristigen Osteoporosebehandlung mit Bisphosphonaten stammen aus drei randomisierten Studien. Die besten Daten zur Frakturhäufigkeit bei einer langfristigen Osteoporosebehandlung mit Bisphosphonaten stammen aus drei randomisierten Studien. © iStock/wildpixel
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Die Therapie mit Bisphosphonaten oder Denosumab zielt darauf ab, osteoporosebedingte Frakturen zu verhindern. Aber wie lange sollen die Patienten behandelt werden? Und was passiert, wenn die Einnahme beendet wird?

Die Evidenz für eine Langzeittherapie der Osteoporose mit Bisphosphonaten oder Denosumab ist begrenzt. Die besten Daten zur Frakturhäufigkeit bei einer langfristigen Osteoporosebehandlung mit Bisphosphonaten stammen aus drei randomisierten Studien, schreibt Professor Dr. Johannes Pfeilschifter von der Ruhr-Universität Bochum:

In der FLEX-Studie erlitten postmenopausale Frauen, die zehn Jahre lang Alendronat erhielten, weniger klinisch manifeste Wirbelkörperfrakturen als jene, die nach fünf Jahren auf Placebo umgestellt wurden. In der HORIZON-PFT-Extensionsstudie wiesen Frauen aus der Gruppe, die über sechs Jahre Zoledronat bekam, weniger morphometrische Wirbelfrakturen auf als jene, die nach drei Jahren mit Placebo behandelt wurden.

Weniger Wirbelbrüche, mehr atypische Femurfrakturen

In einer kleineren Studie nahm die Inzidenz von Wirbelkörperfrakturen bei Frauen ab, die nach einer fünfjährigen Placebotherapie Risedronat erhielten. Bei Frauen, die bereits fünf Jahre lang Risedronat erhalten hatten, blieb die Inzidenz vertebraler Frakturen in der Extensionsphase ähnlich wie in den beiden vorausgegangenen Studienjahren.

In Bezug auf Wirbelkörperfrakturen gibt es demnach Hinweise für eine fortgesetzte Schutzwirkung der genannten Bisphosphonate. Auslassstudien zu Alendronat und Zoledronat zeigten, dass beide Substanzen eine residuale Wirkung auf den Knochenstoffwechsel haben. Andererseits ergaben Beobachtungsstudien, dass die Inzidenz von atypischen Femurfrakturen mit der Dauer der Bisphosphonat-Anwendung ansteigt – was möglicherweise auch für Kiefer-Osteonekrosen gilt.

Erhöhter Knochenumbau nach Absetzen von Denosumab

Zu Denosumab gibt es keine Frakturdaten aus placebokontrollierten Studien über einen Zeitraum von drei Jahren hinaus. In einer Verlängerung der FREEDOM-Studie bekamen postmenopausale Frauen nach einer dreijährigen Therapie mit dem Antikörper oder Placebo Denosumab über einen Zeitraum von bis zu sieben Jahren. Die kumulative Frakturinzidenz war bei den Studienteilnehmerinnen geringer als die geschätzte Inzidenz einer modellierten virtuellen Kontrollgruppe ohne Therapie.

Allerdings muss man wissen, dass es nach dem Absetzen von Denosumab zu einer deutlichen Erhöhung des Knochenumbaus kommt und die unter der Antikörpertherapie gewonnene Knochendichte rasch abnimmt. Nach Beendigung einer Denosumabtherapie wurde über multiple Wirbelkörperfrakturen berichtet. Falls man plant, den Antikörper abzusetzen, sollte das weitere Vorgehen vorab diskutiert werden: Es gibt Hinweise, dass ein Wechsel von Denosumab auf Bisphosphonate den raschen Knochenverlust nach Beendigung der Antikörper-Therapie bremsen kann.

Eine Osteoporosetherapie sollte in regelmäßigen Abständen überdacht werden. Nutzen und Risiken des Präparats müssen für jeden Patienten individuell abgewogen werden, resümiert der Kollege. In den letzten Jahren haben einige Fachgruppen Kriterien für ein hohes Frakturrisiko formuliert. Dazu zählen etwa eine Hüft- oder Wirbelfraktur bzw. multiple andere osteoporotische Knochenbrüche unter der Therapie. Hier kann z.B. eine Verlängerung der oralen Bisphosphonat-Behandlung auf bis zu zehn Jahre in Betracht gezogen werden.

Quelle: Pfeilschifter J. Endokrinologie Informationen Sonderheft 2018; 18-26


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