Parkinson-Patienten regelmäßig zum Augenarzt schicken

Autor: Dr. Alexandra Bischoff

Die augenärztliche Untersuchung von Parkinson-Patienten ist aufgrund der Häufigkeit ophthalmologischer Komorbiditäten sinnvoll. © iStock/seb_ra

Sehstörungen im Rahmen eines idiopathischen Parkinson-Syndroms sind keine Seltenheit und belasten die Betroffenen sehr. Experten halten es deshalb für sinnvoll, dass diese Patienten regelmäßig von einem Augenarzt gesehen werden.

Das trockene Auge, auch Keratokonjunktivitis sicca genannt, ist ein häufiges Problem bei Patienten mit idiopathischem Parkinson-Syndrom. Aufgrund von verminderten Tränenvolumina kommt es zu Entzündungen der Augenoberfläche und damit einhergehend typischen Beschwerden wie Augenjucken, Verschwommensehen und Fremdkörpergefühl, welche von den Betroffenen oft als sehr belastend empfunden werden, schreibt Matthias Börger von der Abteilung für Neurologie an der Universitätsmedizin Göttingen.

Störungen der Tränendrüsensekretion können mit Progression der Parkinson-Erkrankung zunehmen. Als mögliche Auslöser werden u.a. eine reduzierte Blinzelfrequenz in Folge einer verminderten Sensibilität der Hornhaut und Hypokinese der Augen- bzw. Lidmuskeln sowie eine Denervierung der Tränendrüsen im Rahmen der Neurodegeneration diskutiert.

Patienten werden selten nach Augenbeschwerden gefragt

Prinzipiell ist die Diagnose des trockenen Auges für den Augenarzt leicht zu stellen. Oftmals fehlen ihm jedoch wichtige Informationen über die zugrunde liegende neurologische Erkrankung, was zu nicht zufriedenstellenden Behandlungsergebnissen führen kann. Während einer neurologischen Untersuchung werden wiederum hauptsächlich motorische Symptome des Parkinson-Syndroms erfasst und die Patienten selten nach okulären Beschwerden befragt. Dadurch kann der Behandler ein trockenes Auge leicht übersehen.

Erschwerend kommt hinzu, dass ein Patient mit Parkinson-Syndrom häufig die typischen Symptome eines trockenen Auges, u.a. durch eine reduzierte Oberflächensensitivität der Hornhaut, nicht wahrnehmen oder sie wegen kognitiver Defizite nicht von selbst ansprechen kann. Umso wichtiger ist es, dass der behandelnde Arzt gezielt nach Sehproblemen fragt und bei der Inspektion der Augen auf charakteristische Veränderungen (z.B. Konjunktivitis, Blepharitis, Keratopathie) achtet.

Es drohen irreversible Hornhautschäden

Generell hält Börger die regelmäßige augenärztliche Untersuchung von Parkinson-Patienten aufgrund der Häufigkeit ophthalmologischer Komorbiditäten für sinnvoll. Nur durch die frühzeitige Behandlung – u.a. Applikation von Tränenersatzflüssigkeit, Pflege der Lidkanten und optimale Kontrolle der Parkinson-Symptome (z.B. Hypokinese) – ließen sich irreversible Hornhautschäden und andere Komplikationen sowie eine damit einhergehende Sehverschlechterung vermeiden.

Quelle Text: Börger M. Der Augenspiegel 2019; 65: 24-26 Copyright MediaWelt Produktions- u. Agentur GmbH, Ratingen