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Patienten mit Luftnot brauchen Hilfe gegen Angst und Depression

Autor: Manuela Arand

Lungenfunktion und Lebensqualität korrelieren allenfalls lose. Lungenfunktion und Lebensqualität korrelieren allenfalls lose. © iStock/Andrei-Sitnikov
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Wie ein Patient mit seiner Atemnot zurechtkommt, hängt in hohem Maße von psychischen und emotionalen Faktoren ab. Diese Beziehung lässt sich therapeutisch nutzen.

Als biologisches Signal ist Dyspnoe so bedeutsam wie Hunger und Schmerz, betonte Professor Dr. Mike Thomas von der Universität Southampton. Allerdings gibt es angemessene und inadäquate Atemnot. Dabei kommt es nicht darauf an, ob der Luftnot eine kardiale, pulmonale oder metabolische Ursache zugrunde liegt oder eine psychische Erkrankung. Wie der Patient Dyspnoe erlebt, ist zutiefst subjektiv und durch situative Faktoren mitbestimmt.

Von ihrem Arzt erwarten die Betroffenen nicht nur, dass er ihnen die Luftnot nimmt, sondern auch eine exakte Diagnose. Er soll Verständnis für den Stress, unter dem sie stehen, haben und ihnen Hilfe zur Selbsthilfe bieten. Nach Erfahrung von Prof. Thomas ist für manche gerade dieser letzte Punkt essenziell. „Die Patienten wollen Informationen, einfache Handlungsanweisungen und nicht-medikamentöse Strategien, die in der Akutsituation helfen.“

Gratishilfe aus dem Internet

Viele Patienten zeigen eine dysfunktionale Atmung, die durch Atemtraining zu verbessern ist. Dabei kommt Biofeedback zum Einsatz, aber auch Yoga und Buteyko-Therapie funktionieren. Gemeinsam sind allen langsame Zwerchfellatmung, Nasenatmung und Hypoventilation, ggf. ergänzt durch angstdämpfende Maßnahmen. Das Atemtraining kann, muss aber nicht von Physiotherapeuten angeleitet werden. Prof. Thomas und Kollegen haben letztes Jahr eine Studie mit 655 Asthmapatienten vorgelegt, in der sie ein webbasiertes Do-it-yourself-Training gegen menschliche Therapeuten und Placebo antreten ließen. In beiden behandelten Gruppen stieg die Lebensqualität vergleichbar an, positive Trends fanden sich bei Asthmaattacken und Bedarfsmedikation. Das Programm (in Englisch) gibt es kostenlos hier.

Ärzte halten Beschwerden für normale Begleiterscheinungen

Studien an Asthmakranken belegen den starken Einfluss subjektiver Stressoren. So korrelieren die Ergebnisse der Symptomfragebögen mit denen der Hamilton Anxiety and Depression Scale (HAMD). Stadtbewohner leiden bei gleichem Asthmaschweregrad mehr als Patienten in ländlichen Regionen. „Bei Asthmapatienten finden sich je nach Studie zwei- bis achtmal so häufig Depressions- und Angsterkrankungen. Aber Ärzte erkennen das meistens nicht, weil sie die Beschwerden für normale Begleiterscheinungen der Krankheit halten“, konstatierte der britische Kollege. Dabei wäre es wichtig, die psychischen Komorbiditäten zu behandeln, denn sie gehen mit einem schlechten Krankheitsverlauf und einer höheren Mortalität einher. Das Gleiche gilt übrigens für Patienten mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung. Bemerkenswert ist, dass sowohl beim Asthma als auch bei der COPD Einschränkungen von Lebensqualität und Lungenfunktion bestenfalls lose korrelieren. „Wir sehen Patienten mit 50 % Obstruktion und minimaler Symptomatik und solche mit minimaler Obstruktion und massiven Symptomen“, berichtete der Experte. Das zeigt, wie wichtig es ist, subjektive atemnotverstärkende Faktoren zu beachten und mitzubehandeln. So hilfreich die medikamentöse Therapie auch sein kann: Das Atemtraining lehrt Patienten, was sie in Akutsituationen gegen ihre Dyspnoe tun können. Kognitive Verhaltenstherapie und Achtsamkeitstraining helfen, mit der Atemnot umzugehen und die Angst zu dämpfen. Allerdings ist die Studienlage momentan noch nicht geeignet, bestimmte Verfahren für bestimmte Situationen zu empfehlen, räumte Prof. Thomas ein.

Quelle: ERS* International Congress 2018

* European Respiratory Society

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