Patienten mit Multipler Sklerose sind schlechter im Finanzmanagement

Autor: Dr. Daniela Erhard

Die meisten MS-Patienten mussten sich Geld leihen, rund 40 % hatten Schulden. Die meisten MS-Patienten mussten sich Geld leihen, rund 40 % hatten Schulden. © iStock/jarino47

Einige Patienten mit Multipler Sklerose können schlecht mit Geld umgehen. Eventuell offenbart sich das anhand bestimmter kognitiver und psychischer Symptome.

Es scheint Faktoren zu geben, die bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS) zu Problemen mit dem Geldmanagement führen. Das ergab eine Studie von Professor Dr. Yael Goverover vom Department of Occupational Therapy an der New York University und seinen Kollegen. Sie untersuchten Kognition, Motorik und Affektivität von 72 MS-Kranken sowie 26 gesunden Kontrollen und setzten diese in Bezug zu der Fähigkeit der Probanden, mit Geld umzugehen. Letztere ermittelten die Forscher zum einen über die Einschätzung der Teilnehmer selbst und einer jeweils engen Bezugsperson, zum anderen über einen Testkauf im Internet.

Rund die Hälfte der Patienten (n=38) hatte Probleme im Umgang mit Geld. Sie konnten nicht nur Bankautomaten schwerer bedienen als solche mit gutem Finanzmanagement oder gesunde Kontrollpersonen. Etwa ein Drittel beglich auch seine Rechnungen später und viele haushalteten so, dass ihr Budget nicht über den gesamten Monat ausreichte. Fast sechs von zehn Teilnehmern dieser Gruppe mussten sich Geld leihen, rund 40 % hatten Schulden. Beim Kauf im Internet setzten sie die Kreditkarte häufiger falsch ein. Zudem waren sie langsamer, wählten seltener die preislich beste Option und reagierten nicht angemessen auf unerwartete Situationen während des Einkaufs.

Auch in den übrigen Tests schnitten die ineffizienten Geldverwalter meist signifikant schlechter ab. Kognitiv betraf dies vor allem die Maße für das verbale Gedächtnis, die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung und die Exekutivfunktion. Wer seine Finanzen schlecht im Griff halten konnte, hatte zudem mehr depressive Symptome und war insgesamt ängstlicher. Gehgeschwindigkeit und Feinmotorik waren deutlich reduziert.

Zusammenhang mit exekutiven Funktionen

Die gesunden Probanden erzielten gleich gute, teilweise auch bessere Ergebnisse als die MS-Erkrankten ohne Geldprobleme. Als Prädiktoren für ein effizientes Management ergaben sich nach eingehender Analyse gute exekutive Funktionen und eine geringe depressive Symptomatik. Diese Kriterien charakterisierten sowohl die gesunden Kontrollen als auch die MS-Patienten, die angemessen wirtschaften konnten. 

Quelle:
1. Goverover Y et al. Front Neurol 2019; 10: 1128; DOI: 10.3389/fneur.2019.01128
2. Pressemitteilung der Kessler Foundation