Prostata-Ca: Gute Reha jetzt schwarz auf weiß

Autor: MT

Die Rehabilitation von Patienten mit Prostatakrebs wird vereinheitlicht. © New Africa – stock.adobe.com

Jeder, wie er will – so etwa lief es bisher in der Rehabilitation von Patienten mit Prostatakarzinom. Um endlich einen Standard zu etablieren, haben verschiedene Fachgesellschaften auf Wunsch der Betroffenen eine neue Leitlinie erarbeitet.

Der Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe e.V. wandte sich an die zuständigen Experten, da laut Rückmeldung seiner Mitglieder Reha-Programme in verschiedenen Einrichtungen sehr stark voneinander abwichen. Federführend für das neue Konsensuspapier waren die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) und die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU).

Harninkontinenz und Erektionsstörungen sind mögliche Folgen des Prostatakarzinoms bzw. seiner Therapie, unter denen die Betroffenen physisch und psychisch besonders leiden.

Im Zentrum der Behandlung einer Harninkontinenz nach radikaler Prostatektomie steht immer die Physiotherapie, sprich das Kontinenztraining, mit dem sich bei konsequenter Anwendung gute Erfolge erzielen lassen. Medikamente, Elektro- und Instillationstherapie stellen weitere Bausteine dar, die auf der Basis einer ausführlichen Diagnostik zum Einsatz kommen können.

Vulnerables Op.-Gebiet nicht zu stark beanspruchen

Auch die erfolgreiche Behandlung der erektilen Dysfunktion erfordert zunächst eine detaillierte Erhebung der individuellen Symptomatik. Danach ist gemeinsam mit dem Betroffenen zu entscheiden, welche der Möglichkeiten am besten geeignet erscheint. Als Op­tionen sind Phosphodiesterase-Hemmer, Vakuum-Erektionshilfen, intrakavernöse Injektionen und intraurethral applizierte Prostaglandine verfügbar.

Ein weiterer wichtiger Reha-Aspekt ist der Sport. Die positiven Effekte körperlicher Aktivität konnten bei verschiedenen Krebsarten nachgewiesen werden, weshalb sich die Bewegungstherapie in der onkologischen Anschlussrehabilitation zu einer festen Größe entwickelt hat.

Patienten mit Prostatakarzinom sollten während der Reha mit einem aeroben Ausdauertraining und einem moderaten Krafttraining beginnen, wobei Art und Intensität des Programms individuell auszurichten sind und das vulnerable Operationsgebiet nicht zu stark beansprucht werden darf.

Seriöse Aufklärung über komplementäre Therapien

Spezielle Ernährungsempfehlungen gibt es nicht. Die Betroffenen sollten aber über die Grundsätze einer gesunden Ernährung Bescheid wissen und die zehn Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung kennen, heißt es in dem Konsensuspapier. Die Einnahme bestimmter Nahrungsergänzungsmittel könne nicht generell empfohlen werden, Ähnliches gilt für komplementäre Therapien. Eine seriöse Aufklärung über deren mögliche Nutzeffekte, aber auch über die Grenzen gehört deshalb ebenfalls ins Programm.

Die Krebserkrankung selbst und die möglichen Komplikationen nach der Behandlung stellen eine schwere seelische Belastung dar und 20–30 % der Patienten entwickeln eine therapiebedürftige psychische Störung. Deshalb sollte allen Betroffenen eine psychoonkologische Begleitung angeboten werden.

Ein zentrales Anliegen der onkologischen Rehabilitation ist es, dass Krebspatienten weiter aktiv am sozialen Leben teilnehmen. Das betrifft sowohl die berufliche als auch die private Seite. Mitarbeiter des ­Sozialdienstes stehen in der Reha beratend zur Seite, zum Beispiel wenn eine stufenweise Wiedereingliederung in das Berufsleben angestrebt wird. Bei Bedarf organisiert der Sozialdienst außerdem Hilfen für den Alltag, um den Rekonvaleszenten ein möglichst autonomes Leben in ihrem häuslichen Umfeld zu ermöglichen.

Quelle: Rick O et al. Urologe 2016; 55: 933–939